. „Return to work“

Rückkehr zur Arbeit nach psychischer Krise erleichtern

Nach einer psychischen Erkrankung wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist häufig nicht so leicht. Versorgungsnetzwerke können hier sinnvolle Unterstützung bieten. Das hilft letztlich auch dem Arbeitgeber.
Arbeit nach psychischer Erkrankung, Wiedereingliederung

Arbeit kann zur Stabilisierung bei psychischen Erkrankungen beitragen

Psychische Erkrankungen sind die zweithäufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit und der häufigste Grund für Frühverrentungen. Dabei ist Arbeit nicht nur Einkommensquelle, sondern auch wichtig für die psychische Gesundheit: Sie gibt dem Menschen Struktur, Sinn, Identität und soziale Kontaktmöglichkeiten. Daher ist es besonders wichtig, Beschäftigte nach einer psychischen Krise bei der Rückkehr in ihre Arbeit zu unterstützen. Wie dies gelingen kann, erforscht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einer aktuellen Studie. Dabei kristallisieren sich schon jetzt einige wirkungsvolle Ansätze heraus.

Defizite in der Regelversorgung

Beschäftigte sollten bei und nach einer psychischen Erkrankung schnell versorgt und in ihrer Arbeitsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden. Doch in der Regelversorgung bestehen nach wie vor große Defizite. Dazu gehören Lücken bei der Früherkennung psychischer Erkrankungen, der Mangel an ambulanten Therapieplätzen, die verspätete Einleitung psychosomatischer Rehabilitation sowie die fehlende Abstimmung und Zusammenarbeit der beteiligten Akteure. Aus diesen Gründen haben sich in den vergangenen Jahren Betriebe, medizinisch-therapeutische Einrichtungen und teilweise auch Leistungsträger (Krankenkassen, Rentenversicherungsträger) in zumeist lokal oder regional verorteten Versorgungsnetzwerken zusammengeschlossen.

Form der Vernetzung von zentraler Bedeutung

Aus internationalen Studien gibt es erste Befunde, dass solche stärker vernetzten und arbeitsplatzbezogenen Angebote zu einer besseren Versorgung der Patienten und einer nachhaltigeren Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit führen. Das ist nicht nur für die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch für die Resultate am Arbeitsplatz von Vorteil. Ein zentrales Erfolgsmerkmal scheint dabei auch die Form der Vernetzung und des Arbeitsplatzbezugs zu sein. Für ihre aktuelle Studie nimmt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nun verschiedene Versorgungsnetzwerke unter die Lupe.

Individuelle Voraussetzungen und Arbeitsplatzbedingungen aufeinander abstimmen

Das Ziel der Studie ist es, Faktoren zu identifizieren, die eine erfolgreiche Rückkehr zur Arbeit nach psychischen Erkrankungen fördern oder hemmen, um daraus innovative Strategien abzuleiten. Erste Analysen zeigen zwei Ansätze von Versorgungsnetzwerken, die sich in der Form der Vernetzung und des Arbeitsplatzbezugs unterscheiden: Netzwerke mit psychotherapeutischem Ansatz sehen die Ursache psychischer Erkrankungen primär im Verhalten des Betroffenen, wie beispielsweise in fehlender Abgrenzungsfähigkeit oder überhöhtem Perfektionismus. Die Eingliederungsmaßnahmen konzentrieren sich dann auf das Coaching des Mitarbeiters.

Der sozialarbeiterische Ansatz hingegen sieht in erster Linie Faktoren am Arbeitsplatz als Krankheitsverursacher, wie etwa Zeitdruck, Überforderung oder mangelnde Wertschätzung. Der Fokus der Maßnahmen liegt darauf, was am Arbeitsplatz geändert werden kann, damit der Beschäftigte nach einer psychischen Erkrankung gesund weiterarbeiten kann. Betrieb und Versorger arbeiten hier im Netzwerk eng zusammen.

Coaching-Angebote und stufenweise Wiedereingliederung sinnvoll

Die Entstehung psychischer Erkrankungen ist meist sehr komplex und lässt sich nicht klar auf nur personen- oder arbeitsbezogene Faktoren zurückführen. Beide Ansätze von Versorgungsnetzwerken zeigen daher in der Analyse Vor- und Nachteile. Für die nachhaltige Rückkehr zur Arbeit nach einer psychischen Krise empfiehlt sich daher eine Kombination aus Maßnahmen zur Anpassung von individuellem Verhalten und den Verhältnissen am Arbeitsplatz.

So sollte zum Beispiel das Selbstmanagement der Beschäftigten durch Coaching-Gespräche mit Vorgesetzten und „Return to Work“-Experten unterstützt werden. Zentral sind außerdem eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung durch den Betriebsarzt und die stufenweise Wiedereingliederung. Die Studienautoren erhoffen sich noch weitere Erkenntnisse, die dazu beitragen, die Rückkehr zur Arbeit nach einer psychischen Krise zu erleichtern.

Foto: © contrastwerkstatt – Fotolia.com

Autor: anvo
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