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Rückfälle bei Leukämie: Bluttest ermöglicht Früherkennung

Die akute myeloische Leukämie kann heute schon gut behandelt werden. Häufig kehrt der Krebs jedoch wieder. Ein Bluttest kann dazu beitragen, solche Rückfälle vorherzusagen und ihnen erfolgreich entgegenzuwirken.
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Ein Bluttest kann dazu beiträgen, drohende Leukämie-Rückfälle zu erkennen und ihnen vorzubeugen

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste Form der Leukämie. Bei 60 bis 70 Prozent der Betroffenen kann der Krebs heute erfolgreich mit Chemotherapie behandelt werden, doch etwa die Hälfte der Patienten erlebt einen Rückfall. Krebsexperten der Universitätskliniken Leipzig und Dresden konnten jetzt zeigen, dass ein Bluttest das Risiko einer erneuten Erkrankung vorhersagen kann. Mit einer speziellen Therapie lässt sich ein Rückfall dann häufig vermeiden oder zumindest verzögern. Die Ergebnisse ihrer Forschungen veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Lancet Oncology.

Suche nach kleinsten Krebsresten im Blut

Mit dem Bluttest wird nach geringsten Spuren von Krebszellen gesucht, auch bezeichnet als minimale residuelle Resterkrankung (MRD). Das erklärt Prof. Uwe Platzbecker, Autor der aktuellen Studie und Direktor der Medizinischen Klinik I, Bereich Hämatologie und Zelltherapie, am Universitätsklinikum Leipzig. „Mit der aktuellen Studie innerhalb der deutschlandweiten Studien-Allianz für Leukämie (SAL) haben wir zum einen untersucht, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese MRD-Nachweise tatsächlich anzeigen, dass ein Rückfall eintreten wird, und zum anderen, ob wir mit einer frühzeitigen ambulanten Therapie eine Wiederkehr des Krebses verhindern können,“ so der Leukämie-Experte.

Wie sich zeigte, konnte bei mehr als der Hälfte der Leukämie-Patienten, die an der Studie teilnahmen, ein Rückfall verhindert oder um mehr als sechs Monate verzögert werden. „Dafür haben wir auf eine sogenannte „intelligente“ epigenetische Chemotherapie zurückgegriffen, die auf schonende Weise sozusagen vorsorglich die wiederkehrenden Leukämiezellen bekämpft, bevor sie im Mikroskop sichtbar sind“, erläutert Platzbecker.

 

Früherkennung ermöglicht erfolgreiche Therapie

Insgesamt wurden in der Studie 200 AML-Patienten untersucht. Ihr Blut wurde zwei Jahre lang monatlich auf MRD kontrolliert. Wurde dabei der für einen Rückfall kritisch definierte Grenzwert überschritten, begann eine frühzeitige Therapie mit dem Wirkstoff Azacytidin zur Verhinderung des Wiederaufflammens der Leukämie. Besonders erfolgreich war das Verfahren bei Patienten, die zuvor eine Knochenmarkstransplantation erhalten hatten.

„Die Studie zeigt, dass bereits diese noch nicht unter dem Mikroskop sichtbare, aber mit den modernen Techniken schon messbare Resterkrankung einerseits einen sicheren Hinweis auf einen Rückfall darstellt, und zum anderen uns die Chance bietet, sehr früh erfolgreich eingreifen zu können“, resümiert Platzbecker, der die Forschungsarbeit noch an seinem alten Arbeitsplatz am Universitätsklinikum Dresden umgesetzt hatte. Folgestudien sollen nun zeigen, wie erfolgreich die Kombination zweier Therapieverfahren sowie dem ergänzenden Einsatz weiterer Medikamente bei der Bekämpfung eines AML-Rückfalls ist.

Foto: © Henrik Dolle - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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