. Tag der Rückengesundheit

Rückenschmerzen: Tipps für die Arbeit und den Alltag

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Sie entstehen meist als Folge von einseitiger Belastung, langem Sitzen oder Fehlhaltungen. Arbeitnehmer, die körperlich arbeiten, Männer und Ältere sind besonders oft deswegen krankgeschrieben. Dabei kann man Rückenschmerzen vorbeugen: durch viel Bewegung, rückenfreundliche Arbeitstechniken – und ergonomische Sessel oder Betten.
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Die Technik macht's: Ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement kann Arbeitnehmer dazu befähigen, mit Lasten bewusst und kundig umzugehen und so Rückenbelastungen und -schäden zu minimieren.

Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden sind auch heute noch weit verbreitet, obwohl uns der technische Fortschritt viel an körperlicher Arbeit abnimmt. Nach einer aktuellen Analyse des AOK-Bundesverbands belegen Rückenbeschwerden den ersten Platz bei den Einzeldiagnosen, die eine Krankschreibung und damit einen Ausfall am Arbeitsplatz zur Folge haben. Rund 21 Millionen krankheitsbedingte Fehltage kommen derzeit im Jahr allein bei den erwerbsfähigen Mitgliedern der AOK zusammen. Von den durchschnittlich 19,8 Tagen, die jedes AOK-Mitglied 2019 krankheitsbedingt im Job ausgefallen ist, entfallen 2,0 Tage auf Rückenschmerzen. Damit liegt diese Erkrankung noch vor der klassischen Erkältung (1,4 Tage pro AOK-Mitglied).

Rückenprobleme: Ausfalltage seit Jahren hoch

„Die Quote von Betroffenen, die aufgrund von Rückenschmerzen in den Betrieben fehlen, ist seit Jahren kontinuierlich hoch“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), anlässlich des „Tags der Rückengesundheit“ am 15. März. Die Fehlzeiten seien dabei innerhalb der Versichertengemeinschaft sehr unterschiedlich verteilt und hingen von der Region des Wohnorts ab, von Geschlecht und Alter, von der Branche und der Art der Tätigkeit. Beschäftigte mit körperlich belastenden Tätigkeiten, aber auch ältere Beschäftigte, waren deutlich stärker betroffen als der Durchschnitt der Versicherten. Immer öfter müssen Rückenschmerzen stationär im Krankenhaus behandelt werden.

 

Berufe mit vielen Krankheitstagen wegen Rückenproblemen:

  1. Ver- und Entsorgung (4,0 Fehltage)
  2. Kranführer/innen (3,8 Fehltage)
  3. spanlosen Metallbearbeitung (3,7 Fehltage).

Berufe mit wenigen Krankheitstagen wegen Rückenproblemen:

  1. Hochschullehre und -forschung (durchschnittlich 0,2 Fehltage)
  2. Softwareentwicklung (0,3 Fehltage).

Die Fehlzeiten aufgrund von Rückenschmerzen sind in Deutschland geographisch sehr unterschiedlich verteilt. So fehlen die AOK-versicherten Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern wegen Rückenschmerzen am längsten (durchschnittlich 2,5 Fehltage), gefolgt von Brandenburg (2,4 Fehltage); am wenigsten betroffen sind die Beschäftigten in Hamburg (1,6 Fehltage) und Bayern (1,7 Fehltage).

(Quelle: AOK-Bundesverband, Zahlen: durchschnittliche Fehltage pro Jahr und AOK-Mitglied)

Rückenschmerzen: Prävention sinnvoller als Arztbesuche

Bei Rückenschmerzen gehen viele Deutsche schnell  – oft zu schnell – zum Arzt. Jährlich werden nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wegen Verdachts auf Rückenleiden in Deutschland rund sechs Millionen Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen gemacht. Dabei gelten 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen als medizinisch unkompliziert und nicht spezifisch. Nur bei etwa 15 Prozent der Betroffenen können Ärzte tatsächlich feststellen, woher das Leiden kommt. Viele Arztbesuche und Untersuchungen seien deshalb unnötig, so das Fazit der Bertelsmann-Studie.

Prävention im Unternehmen: Richtige Hebetechniken helfen

Die Betriebliche Gesundheitsförderung kann dabei helfen, möglichst rückenschonend zu arbeiten. Dazu können Betriebe ihren Beschäftigten zielgruppengenaue Präventionsmaßnahmen wie Rückenschulen, Bewegungspausen oder das Erlernen richtiger Hebetechniken anbieten. Für Bewegungsprogramme wie Rückenschulen, die dabei helfen, die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit der Beschäftigten zu verbessern, liegen gute Wirksamkeitsnachweise vor. So können solche Programme zu reduzierten Fehlzeiten oder einer geringeren Zahl an Neuerkrankungen aufgrund von Rückenschmerzen führen. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen Unternehmen, entsprechende Angebote zu etablieren.

Prävention zu Hause: Ergonomische Betten und Sessel kaufen

„Rückenschmerzen entstehen meist in Folge von einseitiger Belastung, langem Sitzen oder Fehlhaltungen“, heißt es bei „Aktion Gesunder Rücken“ (AGR). Der Verein aus Bremervörde rät deshalb zu ausreichend Bewegung sowie zu ergonomischen, rückengerechten Möbeln, denn: „Sie leisten einen sinnvollen Beitrag zur Prävention von Rückenschmerzen und entlasten den Rücken bei bereits bestehenden Rückenbeschwerden.“ Die AGR kennzeichnet mit ihrem Gütesiegel rückenfreundliche Möbel und dient Verbrauchern damit als Orientierungshilfe.

Wie rückenfreundliche Möbel aussehen können

Weil wir Menschen ähnlich viel Zeit mit der körperlichen, geistigen und seelischen Regeneration im Bett verbringen wie am Arbeitsplatz, richtet die Aktion Gesunder Rücken ihren Fokus aufs Schlafzimmer: auf Bettsysteme mit einer flexiblen Unterfederung, die sich individuell an den Nutzer anpasst, und auf Matratzen, die Rücken und Wirbelsäule beim Liegen optimal unterstützen. „Beides ist gut für die Wirbelsäule und fördert nächtliche Bewegung beziehungsweise einen Haltungswechsel, bei dem sich die Bandscheiben optimal regenerieren können“, heißt es bei der AGR.

Am Esstisch fördern demnach Stühle mit neigbarer Sitzfläche und Rückenlehne dynamisches Sitzen. Wichtige Maße sind zudem etwa die Sitzhöhe (ca. 44 bis 50 cm), Sitztiefe (ca. 43,5 bis 48,5 cm) und Mindestsitzbreite (ca. 42 cm). Außerdem sollte sich die Rückenlehne der Form der Lendenwirbelsäule anpassen.

Im Wohnzimmer sollten Rückenlehne von Sessel und Sofa die Form der Wirbelsäule unterstützen, individuell anpassbar sein und mindestens bis zu den Schultern reichen. Damit beim Fernsehabend oder dem gemütlichen Zusammensitzen mit der Familie oder mit Freunden keine Rückenschmerzen entstehen, sollten Polstermöbel individuell anpassbar sein – etwa in Sitzhöhe und Sitztiefe. Beim Kauf unbedingt ausreichend probesitzen: Bei Sesseln sollten Sitztiefe, Sitzbreite, Sitz- und Armlehnenhöhe unbedingt zum Körperbau passen. Entscheidend ist auch, dass die Rückenlehne eines Sofas eine wirbelsäulengerechte Form hat und mindestens bis zur Schulter reicht. Nur so wird der Rücken ausreichend entlastet.

(Quelle: Aktion Gesunder Rücken)

Foto: AdobeStock/asdf

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