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Rückenschmerzen oft nicht leitliniengerecht behandelt

Rückenschmerzen können quälend sein und sind einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung. Dennoch werden die Beschwerden oft nicht leitliniengerecht behandelt. Das zeigt eine aktuelle Studie.
Zu oft MRTs bei Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen nehmen bildgebende Untersuchungen zu.

Rund 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen, viele davon unter Rückenschmerzen. Die Versorgungssituation der Patienten ist jedoch oft mangelhaft; viele erhalten nicht die richtige Therapie. Dies ist nicht nur ein deutsches Problem, wie eine Studie der Harvard Medical School in Boston jetzt zeigt. Demnach zeichnen sich in den USA bei der Versorgung von Patienten mit Rückenschmerzen besorgniserregende Trends ab.

Für ihre Studie haben die Forscher um Dr. John N. Mafi anhand von Daten aus zwei USA-weiten Untersuchungen analysiert, wie sich das Verordnungsverhalten bei Patienten mit Rückenschmerzen zwischen 1999 und 2010 verändert hat. Es zeigte sich, dass immer öfter nicht leitliniengemäße Vorgehensweisen zum Einsatz kommen, während gleichzeitig leitliniengerechte Therapien weniger werden.

Röntgenaufnahmen bei Rückenschmerzen oft überflüssig

Ein Ergebnis der Studie ist, dass zu oft und zu früh bildgebende Untersuchungen wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie (MRT) verordnet werden, obwohl dies den Studienautoren zufolge nachweislich weder einen klinischen noch einen psychologischen Nutzen hat. Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule wurden – obwohl nicht empfohlen – gleichbleibend bei 17 Prozent der Patienten angefertigt. Bei Computer- und Magnetresonanztomografien war sogar ein Anstieg von 7,2 auf über 13 Prozent zu verzeichnen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Patienten an akuten oder chronischen Rückenschmerzen litten. Die Wahrscheinlichkeit für Untersuchungen per CT oder MRT war besonders hoch, wenn die Patienten nicht ihren Hausarzt, sondern einen Neurologen oder orthopädischen Chirurgen aufgesucht hatten.

Obwohl in allen Leitlinien zur Behandlung der Rückenschmerzen konservativen Therapien der Vorrang gegeben wird, werden zu selten Physiotherapie sowie NSAR und Paracetamol verordnet. Stattdessen werden der Studie zufolge immer häufiger Opioide verschrieben, die eigentlich ausschließlich denjenigen Patienten vorbehalten sind, bei denen Alarmsignale wie beispielsweise neurologische Beeinträchtigungen auftreten.

Zu viele Operationen bei Rückenschmerzen

Den Forschern zufolge erklärt der übermäßige Einsatz bildgebender Verfahren vermutlich auch den Anstieg bei den „teuren, mit Nebenwirkungen belasteten und oft unwirksamen“ Wirbelsäulenoperationen. Auch in Deutschland werden Rückenleiden immer öfter mit dem Skalpell behandelt. So stieg in Deutschland beispielsweise zwischen 2007 und 2010 die Zahl der Bandscheiben-Operationen von 140.000 auf 171.000 Eingriffe.

Nach Einschätzung von Experten sind bis zu 85 Prozent aller Operationen bei Rückenbeschwerden überflüssig. Auch die Bostoner Ärzte erklären: „Beim Management von Rückenschmerzen sind Ausgabeneinsparungen möglich, mit denen zusätzlich die Qualität der Versorgung verbessert werden kann.“

Foto: © forestpath - Fotolia.com

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