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Rückenschmerzen haben meist keine organische Ursache

Rückenschmerzen kennt fast jeder. Eine ernste Ursache steckt indes nur selten dahinter. Trotzdem kann der Schmerz im Kreuz quälend und nachhaltig sein.
Rückenschmerzen, Ursache

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Organische Ursachen werden meist nicht gefunden

Fast jeder Mensch hat es mindestens einmal im Leben am Kreuz. Das kann ein akuter Hexenschuss sein, viel häufiger kommt der Rückenschmerz aber schleichend ohne erkennbare Ursache. Und es kann lange dauern, bis er wieder vergeht. Orthopäden empfehlen Bewegung, Schmerzmittel und Physiotherapie. Erst wenn der Schmerz nach sechs Wochen nicht besser wird, ist bildgebende Diagnostik angezeigt. Finden die Ärzte dann kein organische Ursache, spricht man vom „chronischen Rückenschmerz.“

90 Prozent ohne organische Ursache

„Wir überprüfen gezielt mögliche Warnzeichen, die auf eine abwendbare gefährliche Erkrankung als körperliche Ursache für den Schmerz hindeuten“, erklärt Professor Dr. med. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie das ärztliche Vorgehen. Bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen ließen sich solche Warnzeichen nicht finden.  „Dann brauchen wir auch zunächst keine bildgebende Untersuchung wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie“, erklärt Kladny.

 

Orthopäden empfehlen Bewegung

Die beste Therapie bei nicht-spezifischen Schmerzen sei Bewegung. Bei Bedarf könne der Patient Schmerzmittel oder Entzündungshemmer einnehmen, damit er sich wieder bewegen kann. „So verschwinden die meisten akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen nach vier bis sechs Wochen auch wieder“, sagt Kladny.

Trotz dieser Maßnahmen bleibt bei einigen Patienten der Rückenschmerz bestehen. Ob nicht doch eine körperliche Ursache vorliegt, überprüfen die Ärzte dann mit einem bildgebenden Verfahren. „Wichtig ist immer, dass der Befund der Bildgebung zusammen mit Vorgeschichte, Symptomen und klinischem Befund des Patienten gewertet wird. Nur dann lässt sich Kreuzschmerz erklären, Bilder allein sagen wenig“, betont Kladny.

Muskeln und Faszien sind häufig die Übeltäter

Bilder helfen oft nicht weiter, weil der Verschleiß an Wirbelgelenken oder Bandscheiben  ab einem Alter von 50 normal ist. Diese darstellbaren Befunde können, aber müssen nicht Ursache des Rückenschmerzes sein. Oft sind sie es nicht und verkrampfte Muskeln und verspannte Faszien sind die eigentliche Schmerzursache. Sie können zum Beispiel den Ischias-Nerv so in die Zange nehmen, dass der Schmerz von der Hüfte übers Knie bis in die Fußzehen zieht. Wärmeanwendungen helfen hier oft mehr als Schmerzmittel.

Zu viele überflüssige Rückenoperationen

Eine Operation sollten Ärzte nur dann in Betracht ziehen, wenn Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen, Blutvergiftungen oder fehlende Kontrolle über Darm und Blase auftreten. Auch der persönliche Leidensdruck kann eine Rolle spielen. „Erst wenn die nicht-chirurgischen Verfahren keine Linderung bringen, können Arzt und Patient die Vor- und Nachteile einer Operation besprechen“, sagt Kladny.

Obwohl die Leitlinien zu Kreuzschmerz ein konservatives Vorgehen empfehlen und 90 Prozent der chronischen Rückenleiden keine organische Ursache haben, werden Rückenschmerzen in Deutschland viel zu häufig operiert. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hat sich die Zahl der Versteifungsoperationen zwischen 2004 und 2009 mehr als verdoppelt; im gleichen Zeitraum hat die Zahl der Bandscheibenoperationen um 43 Prozent zugenommen. Es ist also ratsam, vor einer Rückenoperation immer noch eine zweite Meinung einzuholen. 

Foto: © underdogstudios - Fotolia.com

Autor: ham
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