. Studie

Romosozumab gegen Osteoporose: IQWiG sieht Zusatznutzen für Frauen nach der Menopause

Der monoklonale Antikörper Romosozumab reduziert bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose die Häufigkeit von Knochenbrüchen. Dieser Zusatznutzen wurde nun vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bestätigt.
Osteoporose, Romosozumab, Zusatznutzen, Knochenbrüche

Bei Osteoporose werden die Knochen dünner und poröse und somit anfälliger für Brüche

Zunächst hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) lange gezögert. Doch im dritten Anlauf sprach sie schließlich die Zulassung des monoklonalen Antikörpers Romosozumab für die Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen aus. Seit März 2020 ist der Wirkstoff in dieser Indikation auf dem deutschen Markt verfügbar.

Nun hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung untersucht, ob Romosozumab betroffenen Frauen tatsächlich einen Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie bietet. Das Ergebnis: Die Behandlung von Romosozumab gefolgt von Alendronsäure hat einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der ausschließlichen Behandlung mit Alendronsäure.

Dualer Wirkmechanismus führt zur Stärkung der Knochen

Romosozumab hemmt Sklerostin, einen Botenstoff der Osteozyten, der als negativer Regulator der Knochenbildung fungiert. Der Knochenaufbau wird dadurch gestärkt, der Knochenabbau gehemmt. Dieser doppelte Wirkmechanismus soll einem raschen Anstieg der Knochenmasse und zu einer Verbesserung der Knochenstruktur und der Festigkeit führen. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler des IQWiG feststellen, dass Romosozumab sowohl das Risiko von Wirbelkörperbrüchen als auch von sonstigen typischen Brüchen reduziert.

 

Über 500.000 Frauen mit fortgeschrittener Osteoporose

Osteoporose ist eine häufige Alterserkrankung. Die Knochen werden dünner und poröser und somit anfällig für Brüche. Außer an den Wirbelkörpern sind vor allem Brüche an den Hüften, am Becken, an den Oberarmen und an den Unterarmen typisch. Circa 80 Prozent aller Osteoporosen betreffen Frauen nach der Menopause. Bundesweit leiden mehr als 540.000 dieser Frauen an einer manifesten, das heißt einer fortgeschrittenen Osteoporose mit deutlich erhöhtem Frakturrisiko.

Weniger Wirbelkörperbrüche oder Romosozumab

Die IQWiG-Bewertung des Zusatznutzens von Romosozumab basiert auf der vom Hersteller eingereichten Studie ARCH. An dieser randomisierten kontrollierten Studie beteiligten sich über 4.000 postmenopausale Frauen mit manifester Osteoporose und deutlich erhöhtem Frakturrisiko.

Für die Analyse wurde eine Hälfte der Frauen 12 Monate lang mit Romosozumab behandelt, die andere mit Alendronsäure. Anschließend erhielten beide Studienarme für mindestens 12 weitere Monate Alendronsäure. Bei den zunächst mit Romosozumab behandelten Patientinnen traten in 0,9 Prozent der Fälle Wirbelkörperbrüche auf, bei den ausschließlich mit Alendronsäure behandelten Patientinnen bei 2,1 Prozent. Daraus ergibt sich ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) führt nun ein Stellungnahmeverfahren durch und fasst dann einen Beschluss über das Ausmaß des Zusatznutzens.

Foto: Adobe Stock / agenturfotografin

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Osteoporose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Osteoporose

| Osteoporose ist eine Volkskrankheit. Um die Folgen der Erkrankung einzudämmen, ist eine rechtzeitige Diagnose und Therapie wichtig. Mit Medikamenten und anderen Maßnahmen kann das Risiko für Knochenbrüche reduziert werden.
| Mit einem gezielten, ausgewogenen und regelmäßigen Bewegungstraining lässt sich Knochenschwund im Alter verlangsamen oder stoppen. Besonders zwei Sportarten trauen Experten es zu, dass sie die Knochendichte erhöhen – und sich der Trend zum Substanzverlust im Skelett damit sogar wieder umkehren lässt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer wieder wird die gesundheitsfördernde Wirkung von Weihrauch diskutiert. Kleinere Studien konnten bereits die Wirksamkeit bei einigen Krankheiten belegen. Sie beruht offenbar vor allem auf den im Weihrauch enthaltenden entzündungshemmenden Substanzen.
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.