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Risikoschwangerschaft: Längst die Regel!

Die Zahl der Risikoschwangerschaften ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Hauptursache ist das höhere Alter der werdenden Mütter. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Schwangerschaftsrisiken. Mit einer intensiven Kontrolle und mehr Bewegung lassen sich die größten Risiken wie Fehl- oder Frühgeburt jedoch reduzieren.
Risiken während der Schwangerschaft

Inzwischen gelten drei von vier Schwangerschaften als Risikoschwangerschaften

Jede Schwangerschaft birgt Ungewissheiten. Was kommt in den nächsten Wochen und Monaten auf einen zu? Welche Risiken bestehen und wie lassen sie sich vermeiden oder verringern? Das Risiko von Komplikationen ist während einer Schwangerschaft größer als sonst. Dafür ist das Gefühl schwanger zu sein meist schön und oft einmalig. Die Beziehung zum eigenen Körper ist in dieser Zeit besonders intensiv und verdient entsprechende Aufmerksamkeit. Das gilt vor allem für eine Risikoschwangerschaft. Eine Risikoschwangerschaft bedeutet zwar in der Regel keine akute Gefahr für Mutter und Kind. Beide müssen jedoch intensiver überwacht und betreut werden. „Vorsicht ist das oberste Gebot“, so Prof. Dr. Eberhard Merz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Frankfurt am Main.

Drei von vier Schwangeren sind risikoschwanger

Im Unterschied zu früher hat sich die Liste möglicher Risikoschwangerschaften in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die Folge: die Diagnose „Risikoschwangerschaft“ wird heute oft gestellt und ist inzwischen die Regel und nicht die Ausnahme. Drei von vier Schwangeren werden heute als „risikoschwanger“ definiert. Die gute Nachricht: Die meisten Risiken können durch eine intensive Vorsorge und Überwachung minimiert werden. Der Bundesverband der Frauenärzte (BVF) betreibt eine eigene Website mit den wichtigsten Hinweisen und Tipps für die Schwangerschaft (www.frauenaerzte-im-netz.de). Zu ständiger Sorge und Angst um die eigene Gesundheit oder das Wohl und Wehe des Kindes besteht in der Regel kein Grund.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die zu einer Risikoschwangerschaft führen können und wie sollten sich betroffene Frauen verhalten?

Faktor Alter

Deutschlands Eltern werden immer älter. Bei Frauen über 35 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit von Chromosomenstörungen höher als bei jüngeren Frauen. Ob solche Störungen vorliegen, lässt sich mit Hilfe von vorgeburtlichen Untersuchungen herausfinden. Aber auch Frauen, die jünger als 18 Jahre sind, gelten als risikoschwanger. Auch das Alter des Vaters kann eine Rolle spielen. Autismus, Schizophrenie und Depression treten häufiger bei Kindern alter Väter (über 35) auf. Die Spermien älterer Männer gelten als anfälliger für Mutationen. Auch in Bezug auf die Intelligenz haben Kinder älterer Väter Nachteile: Sechs IQ-Punkte beträgt die Differenz zwischen dem Kind eines 20-jährigen Vaters und dem eines 50-jährigen Vaters.

Komplikationen wie Fehlgeburt

Eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt oder anderen Komplikationen während einer Schwangerschaft hatte, ist besonders gefährdet und sollte vor einer erneuten Schwangerschaft die Risiken mit ihrem Frauen- oder Hausarzt besprechen.

Mehrlinge und viele Geschwister

Jüngst sorgte der Fall einer 65-Jährigen für Schlagzeilen, die Vierlinge erwartet. Frauen, die mehrere Kinder erwarten, sind per definitionem risikoschwanger. Das Risiko einer Frühgeburt ist höher. Auch Frauen, die bereits mehr als vier Kinder geboren haben, gelten als risikoschwanger.

Alkohol, Zigaretten, Kaffee in der Schwangerschaft

80 Prozent aller Schwangeren trinken hierzulande Alkohol. Alkohol während der Schwangerschaft sollte unbedingt vermieden werden, da er direkt über die Plazenta zum Kind durchdringt. Das Kind scheidet den Alkohol zwar über die Nieren aus, trinkt ihn aber mit dem Fruchtwasser erneut und nimmt ihn so mehrfach auf. Bislang nicht geklärt ist, ob es einen Grenzwert gibt, unterhalb dessen Alkohol für das Kind ungefährlich ist. Daher besser auf alkoholfreie Getränke wie zum Beispiel Malzbier ausweichen. Auch Rauchen sollte unbedingt – auch in geringen Mengen - vermieden werden. Nikotin führt zu einer schlechteren Durchblutung der Plazenta und damit zu einer schlechteren Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Rauchen in der Schwangerschaft kann zu einem erhöhten Allergierisiko, Hyperaktivität und zur Unterentwicklung des Kindes führen. Auch Passivrauchen sollte vermieden werden. Der starke Konsum von Kaffee kann dem Kind ebenfalls schaden. Zwei Tassen sind jedoch in Ordnung. Koffein ist aber nicht nur in Kaffee enthalten, sondern auch in Cola, Red Bull, schwarzem Tee und Bitterschokolade.

Fliegen, Baden, Sauna, Solarium und Sport

Flugreisen nach 32 Schwangerschaftswochen sind nicht mehr bei allen Fluglinien möglich. Bei drohender Frühgeburt oder anderen Komplikationen besteht ein Flugverbot. Verzichtet werden sollte auf sehr langes Baden und Baden bei sehr hoher Temperatur. Das Saunieren ist für eine gesunde Schwangere bei einer Temperatur von 50 bis 60 Grad ungefährlich. Besteht eine Risikoschwangerschaft oder bestehen Komplikationen, sollte auf den Saunabesuch verzichtet werden. Von einem Besuch im Solarium ist abzuraten: die Haut ist gegenüber UV-Strahlen in der Schwangerschaft empfindlicher. Sport dagegen ist in einer komplikationsfreien Schwangerschaft unbedenklich, solange sich die Schwangere dabei wohl fühlt und sich nicht überanstrengt.

Kaiserschnitt

Eine Schwangere, die bereits einmal per Kaiserschnitt entbunden hat, hat eine Risikoschwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Komplikationen bei einer Spontangeburt kommt, ist hier größer.

Übergewicht in der Schwangerschaft

Fast jede dritte Schwangere ist übergewichtig. Welche Auswirkungen mütterliches Übergewicht für das Kind hat, ist nicht vollständig geklärt. Neue Studien legen nahe, dass das Risiko einer Früh- oder gar Fehlgeburt steigt. Übergewichtige Frauen sollten in der Schwangerschaft möglichst unter ihrem Gewicht bleiben. Normalgewichtige Frauen können 10 bis 16 Kilogramm zunehmen.

Risiko Arzneimittel

Fast alle Medikamente gehen durch die Plazenta zum ungeborenen Kind. Einige Medikamente können zu Fehlbildungen des Kindes führen oder eine Fehlgeburt auslösen. Daher unbedingt Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Ultraschall

Drei Ultraschall-Untersuchungen werden in der Regel von den Kassen übernommen. Viele Schwangere bezahlen freiwillig bis zu 10 Untersuchungen. Zwar bestehen für ungeborene Kinder keine gesundheitlichen Risiken durch Ultraschalluntersuchungen, dennoch sollten sie nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich notwendig sind. „Babyfernsehen“ gehört nicht dazu, so die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Krebs- und Chemotherapie

Auch werdende Mütter können Krebs bekommen. Am häufigsten tritt der Gebärmutterhalskrebs auf, gefolgt vom Brustkrebs. Die meisten Frauen können therapiert werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen. Auch eine Chemotherapie ist möglich. Das Risiko, dass eine solche Therapie dem Kind dauerhaft Schäden zufügt, ist aber eher gering.

Ernährung, Vitamine, Stress und Bewegung

Viele Lebensmittel gelten in der Schwangerschaft als „verboten“, da sie Risiken für Kind und Mutter bergen. Rohe tierische Produkte wie Rohmilch(produkte) wie z.B. Camembert und Feta sollten vermieden, rohes Obst und Gemüse gründlich gewaschen werden. Vitamine wie Folsäure, Vitamin C und B12 beugen Entwicklungsstörungen des kindlichen Nervensystems vor. Schwangere brauchen mehr Eisen als sonst. Milch enthält Kalzium und ist gut für die Zähne. Milchprodukte mit hohem Fett- und Zuckergehalt sollten vermieden werden. Vorsicht geboten ist bei größeren Mengen von Vitamin A. Stress in der Schwangerschaft kann, wenn er extrem auftritt, zu verfrühten Wehen und Fehlgeburten führen. Bewegung und sanfter Sport dagegen wirken sich positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus.

Jede Schwangerschaft birgt Risiken. In der Regel sind sie beherrschbar und stellen keine nachhaltige Gefährdung für Mutter und Kind dar. Was hilft, sind Gesundheit, Gelassenheit und gute Ärzte und Hebammen.

Autor: Dr. Daniel Dettling
Hauptkategorie: Medizin

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