. Coronavirus Risikogruppen

Rheuma und COVID-19: Online-Register sammelt Erfahrungen

Haben Rheumapatienten ein erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken? Ärzte tappen da momentan noch um Dunklen. Zwei neue online-Register für Deutschland und Europa sollen bald bessere Erkenntnisse liefern.
Noch liegen wenige Daten zu Rheuma und COVID-19 vor. Ein neues online-Register der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie soll das ändern

Noch liegen wenige Daten zu Rheuma und COVID-19 vor. Ein neues online-Register der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie soll das ändern

Menschen mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe in der COVID-19-Pandemie. Ob generell auch Rheumapatienten dazu gehören, ist bislang noch nicht erwiesen. Klar ist nur, dass Rheumatiker, die immunsuppressive Therapien erhalten, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion haben.

Damit die Wissenslücke bald geschlossen wird, hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zusammen mit der Universitätsklinik Gießen jetzt das Online-Register „Covid19-Rheuma.de“ eingerichtet. „Wir wissen zwar, dass Menschen mit aktivem Rheuma generell infektanfälliger sind, für eine Infektion mit SARS-CoV-2 liegen uns jedoch bislang keine evidenzbasierten Erkenntnisse vor", begründet DGRh-Präsident Professor Hendrik Schulze-Koops die Initiative.

Covid19-Rheuma.de kooperiert mit europäischer Forschungs-Datenbank

Die Fachgesellschaft bittet nun alle Rheumatologen, für ihre Patienten den Fragebogen in dieser deutschlandweiten digitalen Plattform auszufüllen. „Das Ausfüllen des Fragebogens ist einfach und dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten“, sagt Rheumatologe Schulze-Koops und versichert, dass die Patientendaten anonymisiert gesammelt werden und sich das online-Register an den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung orientiert.

Parallel hatte die europäische rheumatologische Fachorganisation EULAR bereits eine europäische Forschungs-Datenbank eingerichtet, in dem COVID-19-Fällen bei Kindern- und Erwachsenen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen dokumentiert werden. Auch in den USA gibt es so ein Register.

Die Daten aus Deutschland fließen anonymisiert in die beiden internationalen Register ein. Ärzte sollten ihre Fälle aus Deutschland deshalb ausschließlich im deutschen Register melden. „Das erspart den Ärzten zusätzlichen Aufwand, verhindert Doppelerfassungen und ermöglicht die Analyse der Daten nach unterschiedlichen Aspekten“, sagt Schulze-Koops.

 

Rheumamedikamente nicht auf eigene Faust absetzen

Bis brauchbare Erkenntnisse aus den Datensammlungen gewonnen werden können, sollten sich Rheumapatienten strikt an die aktuellen Hygiene- und Kontaktvorgaben vom Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung halten. Weiterhin rät Professor Schulze-Koops davon ab, aus Sorge vor einer COVID-19-Erkrankung die Rheumamedikamente abzusetzen. Im Zweifel sollen sich Betroffene an ihren behandelnden Rheumatologen wenden. Zudem gebe es hilfreiche Informationen auf der website der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Foto:© Adobe Stock/narstudio

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rheuma , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus

| Die Corona-Pandemie hat die USA besonders hart getroffen. Über die Situation in New York, die Vorhersage von COVID-19 Krankheitsverläufen mittels modernster IT sowie Künstlicher Intelligenz am New Yorker Krankenhausverbund Mount Sinai sowie die gesellschaftspolitischen Folgen der Pandemie für das amerikanische Gesundheitssystem hat Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, Professor für Digital Health am Hasso Plattner Institut in Potsdam, einen Podcast durchgeführt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
 
. Weitere Nachrichten
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wird seit wenigen Tagen ein Impfstoff gegen die Coronavirus-Erkrankung am Menschen getestet – an 30 freiwilligen Frauen und Männern zwischen 18 und 55 Jahren. Studienleiterin Marylyn Addo, die viele seit der ersten Coronawelle aus Talkshows im Fernsehen kennen, sagt: „Bisher verlief alles erwartungsgemäß und nach Plan“.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.