Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Rheuma: neue Daten belegen bessere Versorgung

Freitag, 16. Mai 2014 – Autor:
Rheumapatienten geht es heute insgesamt besser als noch in den Neunziger Jahren. Rheumatologen führen die positive Entwicklung auf eine verbesserte Früherkennung und die Behandlung mit modernen Rheumamitteln zurück – trotz des akuten Fachärztemangels.
Rheuma: neue Daten belegen bessere Versorgung

Positive Entwicklung auch in Deutschland: mehr Rheuma-Kranke erwerbstätig

Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Morgensteifigkeit - Rheuma kann die Lebensqualität auf vielfältige Weise beeinträchtigen und oft auch Depressionen nach sich ziehen. Ein Blick auf aktuelle Studien zeigt jedoch, dass es Menschen mit Rheuma heute insgesamt viel besser geht als früher. So hat eine Studie aus den Niederlanden gezeigt, dass noch vor 20 Jahren rund die Hälfte aller Patienten vier Jahre nach Diagnose einer Rheumatoiden Arthritis stark beeinträchtigt war. Heute trifft das nur noch auf etwa ein Viertel zu. Darüber hinaus sank der Studie zufolge auch die Anzahl von depressiven Verstimmungen und Angstzuständen bei den Betroffenen um etwa die Hälfte. Eine jüngste Studie aus Schweden bestätigt diesen positiven Trend: In der Untersuchung wurden Patienten mit Rheumatoider Arthritis zwischen 1997 bis 2009 in regelmäßigen Abständen befragt.  Die Befragten gaben an, dass Schmerzen und Krankheitsaktivität über die Zeit deutlich abnahmen.

Menschen mit Rheuma können heute ein besseres Leben führen

Aus der Kerndokumentation des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums gehen für Deutschland ebenfalls positive Daten hervor. Demnach stehen Menschen mit Rheumatoider Arthritis heute länger im Arbeitsleben – zwischen 1994 und 2011 stieg die Zahl der erwerbstätigen Männer von 47 auf 58 Prozent und die der Frauen von 27 auf 50 Prozent. Auch müssen Menschen mit Rheumatoider Arthritis heute seltener im Krankenhaus behandelt werden. Nach den Daten der Kerndokumentation ist die Häufigkeit der Krankenhausaufenthalte von 27 Prozent im Jahr 1994 auf 12 Prozent im Jahr 2011 gesunken.

Prof. Dr. Jörn Kekow, 2. Vorsitzendes des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen, sieht die Studienergebnisse auch in seiner Praxis bestätigt. „Wir haben in den vergangenen Jahren bessere Möglichkeiten entwickelt, um eine Rheumatoide Arthritis früher zu erkennen und auch die zielgerichtete Behandlung mit modernen Medikamenten hat entscheidend dazu beigetragen, dass Menschen mit Rheuma heute ein viel besseres Leben führen können", sagte der Rheumatologe auf dem 9. Kongress des Berufsverband Deutscher Rheumatologen am Donnerstag in Berlin. Die meisten könnten weiter arbeiten und ihren Hobbies nachgehen, aber es gebe auch Betroffene, die nicht von den medizinischen Fortschritten profitierten: „Leider gibt es aber immer noch Menschen mit Rheuma, die – auswelchen Gründen auch immer – nicht so behandelt werden, wie es der Schweregrad ihrer Erkrankung eigentlich verlangt, und die dadurch auch in ihrem Leben eingeschränkt sind und bleiben.“

 

Es werden dringend Rheumatologen gebraucht

Da es seit Jahren zu wenig Rheumatologen in Deutschland gibt, will der Berufsverband ein Förderprogramm zur Weiterbildung "Rheumatologie" innerhalb des Fachgebietes Innere Medizin etablieren, analog dem bundesweiten Förderprogramm Allgemeinmedizin, hieß es auf dem Rheuma-Kongress in Berlin. „Rund die Hälfte der Patienten mit Rheumatoider Arthritis muss fünf bis zwölf Wochen auf einen ersten Termin bei einem Rheumatologen warten, bei jedem fünften Patienten dauert es sogar noch länger“, beschrieb Kekow die augenblickliche Situation. „Das muss sich dringend ändern.“ Trotz der langen Wartezeiten auf einen Facharzttermin, werde die Rheumatoide Arthritis jedoch heute früher entdeckt als noch vor einigen Jahren. „Für uns Rheumatologen ist es wichtig, Patienten mit Rheumatoider Arthritis möglichst früh zu sehen, um die Krankheit aufzuhalten oder zum Stillstand zu bringen“, so Kekow weiter. Heilen könne man Rheuma bislang aber nicht.

© Rido - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rheuma , Rheumatoide Arthritis , Arzneimittel , Biologika , Früherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rheuma

29.01.2019

Menschen mit Gelenkrheuma haben oft auch ein erhöhtes Risiko für eine Reihe anderer Erkrankungen. Gleichzeitig werden sie weniger gut rheumatologisch versorgt, wenn sie Begleiterkrankungen haben. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie warnt nun vor einer Unterversorgung der Betroffenen.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Die Erforschung der Coronavirus-Erkrankung steckt noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftler aus Freiburg haben jetzt herausgefunden, warum die Krankheitsverläufe bei Älteren oft besonders schwer sind – und was man mit verfügbaren Medikamenten dagegen tun kann.

Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin