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Reizdarm-Syndrom nach Magen-Darm-Infekten häufiger

Nach einem Magen-Darm-Infekt kommt es offenbar häufiger zur Ausbildung eines Reizdarm-Syndroms – und das auch, wenn der Infekt nur leicht war. Zudem können psychische Erkrankungen das Risiko für einen Reizdarm steigern.
Reizdarm-Syndrom

Etwa 30 Prozent der Menschen in Deutschland leiden gelegentlich unter dem Reizdarm-Syndrom

Das Reizdarm-Syndrom ist eines der häufigsten Beschwerdebilder in allgemeinärztlichen Praxen. Ein Drittel aller Bundesbürger leidet gelegentlich unter Beschwerden wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Bauchkrämpfen, die auf keine eindeutige Ursache zurückgeführt werden können und daher unter der Diagnose Reizdarm verbucht werden. Nun haben Forscher der Technischen Universität München und der Universität Tübingen gezeigt, dass das Syndrom in der Folge eines Magen-Darm-Infektes gehäuft auftritt. Die Wissenschaftler empfehlen Hausärzten daher, bei Patienten, die wegen einer Magen-Darm-Infektion eine Praxis aufgesucht haben, auch an mögliche postinfektiöse Folgen zu denken.

Auch die Psyche spielt beim Reizdarm mit

Für die Studie wertete das Ärzteteam um Ewan Donnachie von der TU München Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns aus den Jahren 2005 bis 2013 aus. Über 500.000 Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit der Erstdiagnose einer gastrointestinalen Infektion (GI) und ohne funktionelle Darmstörung wurden genauso vielen Menschen, die ihnen nach Alter, Geschlecht und Wohnort entsprachen, aber keine Magen-Darm-Infektion hatten, gegenübergestellt.

Wie sich zeigte, entwickelten die Patienten, die eine gastrointestinale Infektion hatten, während der folgenden fünf Jahre signifikant häufiger ein Reizdarm-Syndrom. Ein weiterer Risikofaktor war eine psychische Vorerkrankung. So war das Reizdarm-Risiko bei diesen Patienten um 70 Prozent höher als bei psychisch gesunden Probanden. „Psychische Erkrankungen und GI-Infektionen scheinen eigenständige Risikofaktoren zu sein, die additiv zum Reizdarmrisiko beitragen“, so die Studienautoren.

Den Zusammenhang zwischen der Psyche und der Darmgesundheit erklären die Forscher mit der sogenannten „Darm-Hirn-Achse“: Es ist bekannt, dass neurologische Prozesse zu Verdauungsstörungen führen können und umgekehrt das Mikrobiom des Darms an Prozessen im Zentralen Nervensystem beteiligt sein kann.  

 

Auch leichte Infektionen erhöhen Risiko

Neu an der Studie ist besonders die Erkenntnis, dass auch leichtere gastrointestinale Infektionen dazu beitragen, das Reizdarm-Risiko zu erhöhen. Vorher war dieses vor allem mit schwerwiegenden, meist bakteriell bedingten Infektionen in Verbindung gebracht worden. Die Analyse zeigt auch, dass Magen-Darm-Infektionen die Wahrscheinlichkeit für ein chronisches Müdigkeitssyndrom erhöhen. Auch hier steigt das Risiko zudem durch psychische Vorerkrankungen.

Foto: © animaflora - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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