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Reiten und Kampfsport bergen Risiko für Wirbelsäulenverletzungen

Montag, 16. August 2021 – Autor:
Sportarten wie Reiten und Zweikampf bergen ein hohes Risiko für Wirbelsäulenverletzungen. Ein ehemaliger Reiter und Orthopäde erklärt, wo die größten Gefahren lauern.
Reiten und Zweikampf sind zwei beliebte Freizeitsportarten, bei denen Wirbelsäulenverletzungen häufiger vorkommen

Reiten und Zweikampf sind zwei beliebte Freizeitsportarten, bei denen Wirbelsäulenverletzungen häufiger vorkommen – Foto: © Adobe Stock/ Bernd Leitner

Eine Verletzung der Wirbelsäule oder gar Querschnittslähmung kann bei jeder Sportart passieren. Das gilt vor allem fürs Reiten, aber auch bei vielen Kampfsportarten kann die Wirbelsäule Schaden nehmen.

Laut Prof. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik der Universitätsmedizin Rostock, sind die Entstehungsmechanismen dieser Verletzungen in den beiden Sportarten aber völlig verschieden. „Während beim Reiten fast immer traumatische Verletzungen durch Unfälle vorkommen, sind es im Kampfsport Dauerschäden durch Mikrotraumen, erklärt der Mediziner, selbst jahrelang aktiver Reiter und Karatesportler.

Ross und Reiter sollten sich gut kennen

Erhebungen aus seiner universitären Tätigkeit zeigen: Reiter stürzen am häufigsten vom Pferd, wenn sie das Tier nicht genau genug kennen. Dabei machen 45,6 Prozent der Verletzungen Frakturen der Lenden-Wirbelkörper aus, vor allem des L1. Dagegen ereignen sich nur 11,6 Prozent der Verletzungen außerhalb der Lendenwirbelsäule. Die meisten Verletzungen sind weniger schwer, jedoch kommen immer wieder Reitunfälle mit schweren Verletzungen bis hin zu Querschnittslähmungen vor. Eine weitere Erkenntnis: Rund ein Drittel aller Verletzungen passiert gar nicht beim Reiten selbst, sondern bei der Pflege des Pferdes durch Tritte.

 

Gute Beweglichkeit ist Voraussetzung für Reiten

Ein Teil derartiger Reitunfälle ließe sich durchaus vermeiden, meint Mittelmeier: Wichtig sei eine Einheit von Pferd und Reiter herzustellen. Kinder sollten langsam an das Pferd gewöhnt und ihnen das richtige Verhalten beim Umgang mit dem Tier beigebracht werden. Reitschulen sollten versuchen, Reitern häufig dasselbe Pferd zu geben.

„Kinder müssen sportlich und beweglich sein, am besten vorher zum Voltigieren - Turnen am sich bewegenden Pferd - gehen. Wenn sie später in den Reitsport wechseln, sollten sie mindestens ein- bis dreimal pro Woche reiten“, rät der Experte. Sinnvoll sei es auch, zusätzlich zum Reitsport das richtige Abrollen etwa im Judo zu erlernen.

Verschleiß durch Mikrotraumen

Aber auch Judo und andere Zweikampfsportarten wollen gelernt sein. Verletzungen im Kampfsport entstehen hier meist durch Gegenwirkung oder Aufprall beim Werfen, betreffen ausgekugelte Schultern oder die Halswirbelsäule. Bei Karate, Kickboxen oder Taekwondo kommen Verletzungen durch Schläge auf Hände, Füße und ins Gesicht hinzu.

„Insgesamt überwiegen im Kampfsport aber die Verschleißerkrankungen durch Mikrotraumen“, berichtet Sportmediziner Mittelmeier. Eine hohe Beschleunigung des Beines mit anschließendem Tritt ins Leere sei eine extreme Belastung für die Lendenwirbelsäule. An den kleinen Wirbelgelenken können Überlastungen entstehen. Besonders einseitige wiederholte Übungen beanspruchten die Wirbelgelenke und Bandscheiben stark, so der Mediziner.

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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