Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Reisedurchfall: richtig vorbeugen, richtig behandeln

Durchfall gilt als häufigste Reisekrankheit überhaupt. Mehr als ein Drittel der Fernreisenden ist davon betroffen. Weil die Erreger meist über Essen und Trinken in den Organismus gelangen, kann man durch ein paar Vorsichtsmaßnahmen das Erkrankungsrisiko senken. Hat es einen erwischt, muss man aber gut für sich sorgen.
Weiße Toilettenschüssel steht einsam am Sandstrand

Tschüß Strandbar, hallo Kloschüssel: Die Erreger von Reisedurchfall gelangen meist über Essen und Trinken in den Organismus - durch Eiswürfel im Cocktail, rohen Fisch, Salate.

Am schlimmsten trifft es offenbar Reisende bei Flusskreuzfahrten auf dem Nil: Bis zum 80 Prozent der Passagiere, so heißt es, werden hier in der Regel von Reisedurchfall heimgesucht. In einer Mischung aus Scherz und Aberglaube kreierten Ägypten-Touristen deshalb für diese Form der
Reisediarrhoe das Synonym „Fluch des Pharao“. Das Risiko, bei einer Urlaubs- oder Dienstreise von Durchfall heimgesucht zu werden, hängt tatsächlich von der Region ab, in die man fährt. Am höchsten ist das Risiko bei Reisen nach Lateinamerika, Asien und Afrika (50 Prozent). Ein mittleres Risiko besteht  bei Reisen nach Südeuropa und Israel sowie in die Karibik (10 bis 20 Prozent). Gering ist das Risiko in Nordeuropa und -amerika und weiteren hochzivilisierten Staaten in Übersee wie Australien, Neuseeland und Japan (unter 8 Prozent).

Durchfall-Auslöser: Viren, Bakterien, Parasiten

Dass der menschliche Darm bei Reisen so heftig reagieren kann, wird erstens damit erklärt, dass überall, wo es warm oder heiß ist und viele Menschen sind, Keime gut gedeihen und sich verbreiten. Zweitens ist es so, dass die natürliche Zusammensetzung der Darmflora regional geprägt und unterschiedlich ist. In einem fremden Land, vor allem bei (Fern-)Reisen,  ist der Darm plötzlich mit einer neuen Bakterienumgebung konfrontiert; das biologische Gleichgewicht der Darmflora kann gestört werden. Reisedurchfall gilt als sehr häufige Erkrankung. Auslöser können Viren, Bakterien oder Parasiten sein; in den meisten Fällen sind es Kolibakterien (Escherichia coli, ein Darmbakterium).

 

Reisedurchfall: Meist nicht gefährlich, aber …

Obwohl er sich jämmerlich anfühlt und einem die Reisefreuden erst mal verderben kann, verschwindet der Durchfall meist nach drei bis fünf Tagen von selbst. In den meisten Fällen ist er nicht gefährlich. Bei Durchfällen mit Blut oder Schleim im Stuhl sowie bei Fieber, Erbrechen und Schmerzen empfehlen Experten aber, dringend einen Arzt aufzusuchen – unter anderem, um Malaria, Cholera, Typhus oder eine andere schwere Erkrankung auszuschließen.

Viel trinken, um Flüssigkeits- und Mineralverlust auszugleichen

Weil der Körper aufgrund des Durchfalls Flüssigkeit und Mineralstoffe verliert, raten Mediziner dazu, viel zu trinken. Dies gilt besonders bei hohen Umgebungstemperaturen. Empfehlung: häufig und in kleinen Mengen, einen Viertelliter pro Stunde. Die benötigte Flüssigkeitsmenge kann man ganz gut selbst beurteilen: Der Urin sollte immer hellwässrig sein. Ist er dunkelgelb, sollte man unbedingt mehr trinken. Die Getränke der Wahl sollten möglichst Mineralstoffe und Salz enthalten, um den Verlust an Elektrolyten im Organismus zu kompensieren. Dafür geeignet sind Tees, Softdrinks (Cola) oder Hühnerbrühe. Besonders hilfreich kann eine sogenannte Rehydrationslösung sein, die man sich selbst herstellen kann. Beispiel für eine Zutatenliste: ein Liter Wasser (abgekocht) oder schwarzer Tee, zwei Esslöffel Zucker, 1Teelöffel Kochsalz, ein halber Teelöffel Backpulver, ein Glas Orangensaft.

Leichte Kost: Zwieback, Salzstangen, Haferbrei

Bei den Mahlzeiten sollten Erkrankte darauf achten, keine fetten und schwer verdaulichen Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Auch Koffein und Alkohol sind besser zu meiden. Beispiele für leichte (und kohlenhydratreiche) Kost bei Reisedurchfall: Zwieback, Salzstangen, geriebener Apfel, zerdrückte Bananen, Weißbrot, Haferbrei, Karottensuppe, ab dem zweiten Tag auch Reis oder Kartoffeln.

Tipps, um Reisedurchfall vorzubeugen

Durchfall gilt als häufigste Reisekrankheit überhaupt. Weil die Erreger meist über Essen und Trinken in den Organismus gelangen, kann man durch Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen das Erkrankungsrisiko senken. Als Grundsatzregel gilt: „Boil it, cook it, peel it or forget it“: Nur durcherhitztes und gekochtes essen, keine ungeschälten Früchte zu sich nehmen – und es ansonsten sein lassen. Weil Keime stark über Hände weitergegeben werden, gilt: Regelmäßig Hände waschen, nach dem Gang auf die Toilette und besonders vor dem Essen. Zum Abtrocknen der Hände keine benutzten Handtücher verwenden.

Reisedurchfall: Diese Lebensmittel können einem gefährlich werden

  • Roher Fisch und rohe Meeresfrüchte (Sushi, Austern etc.)
  • Rohes Fleisch (Tatar, Carpaccio)
  • Salate (auch Obstsalat) und rohes Gemüse
  • Eis (sowohl Speiseeis als auch Eiswürfel)
  • Tiefkühlprodukte, da die Kühlkette evtl. unterbrochen wurde
  • Kalte Buffets oder länger warmgehaltene Speisen
  • Leitungswasser (auch nicht zum Zähneputzen verwenden)
  • nicht pasteurisierte Milch

(Quelle: Tropeninstitut Dr. Gontard)

Foto: Fotolia.com/Konstanze Gruber

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hygiene , Malaria , Darm , Prävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Reisemedizin

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin