Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Reis möglicherweise mit Arsen belastet

Sonntag, 2. Juli 2017 – Autor:
Reis ist ein Grundnahrungsmittel, das als äußerst gesund gilt. Meldungen der Universität Bayreuth zufolge könnte der Mythos bald kippen. In Proben wurden Arsenverbindungen nachgewiesen, die bislang nicht beachtet wurden.
Reisfelder sind mit Arsenverbindungen belastet. Ob das Gift auch in die Körner übergeht, ist noch nicht geklärt

Reisfelder sind mit Arsenverbindungen belastet. Ob das Gift auch in die Körner übergeht, ist noch nicht geklärt – Foto: ©Jacek Chabraszewski - stock.adobe.com

Reis ist ein beliebtes Nahrungsmittel, weil es preiswert ist und obendrein als gesund gilt. Jedenfalls bislang. Gerade haben Wissenschaftler der Universität Bayreuth aufgedeckt, dass Reis Stoffe enthalten kann, denen man bislang in chemischen Analysen von Reis und bei der Abschätzung des Gesundheitsrisikos für den Menschen keine Beachtung schenkte. Konkret handelt es sich um Verbindungen aus Arsen und Schwefel, sogenannte Thioarsenate. Diese Arsenverbindungen kommen auf Reisfeldern möglicherweise häufiger vor, als bisher angenommen, berichten die Wissenschaftler in der Zeitschrift Environmental Science and Technology. Inwieweit diese schädlichen Verbindungen auch in die Reiskörner gelangten, sei aber noch unklar.

Viele Reisfelder könnten betroffen sein

Thioarsenate entstehen demnach im Boden- und Grundwasser, sobald das Wasser einen hohen Sulfid-Anteil aufweist. Sulfid ist die reduzierte Form von Sulfat, es reagiert spontan mit Arsen und kann Thioarsenate bilden. Reisfelder bieten für diese Prozesse günstige Voraussetzungen, da Reis meist auf gefluteten Feldern angebaut wird. „Wir konnten erstmals nachweisen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Arsens in Reisfeldern – nämlich 20 bis 30 Prozent – in Form von Thioarsenaten gebunden ist“, erklärt Prof. Britta Planer-Friedrich, Professorin für Umweltgeochemie an der Universität Bayreuth.

Die Bayreuther Wissenschaftler untersuchten eine in Asien und Euro weit verbreitete Pflanze, die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana). Die Ergebnisse zeigten, dass Pflanzen die Arsen-Schwefel-Verbindungen aufnehmen und in ihrem Wachstum sichtbar beeinträchtigt werden. Je mehr Arsen auf diesem Weg in ihren Organismus gelangt, desto mehr verkümmern ihre Wurzeln. Was das für Menschen bedeutet, die viel Reis essen, ist noch nicht klar.

„Aufgrund dieser beunruhigenden Erkenntnisse wollen wir in den nächsten Monaten gezielt die Wirkungen von Thioarsenaten auf verschiedene Reissorten untersuchen“, kündigt Planer-Friedrich an. „Bisher wissen wir noch zu wenig darüber, ob und in welchem Umfang Reispflanzen das schwefelgebundene Arsen aufnehmen und wie gravierend ihr Stoffwechsel dadurch gestört wird.“

 

Toxizität für den Menschen unklar

Vor allem sei unklar, ob Thioarsenate auch bis in die Reiskörner gelangen“, ergänzt Prof. Stephan Clemens, Sprecher des Profilfelds „Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften“ an der Universität Bayreuth, und ergänzt: „An der Universität Bayreuth verfügen wir über alle nötigen Forschungstechnologien, um diese Untersuchungen vorantreiben zu können. Sollte sich herausstellen, dass Thioarsenate von den Wurzeln der Reispflanzen aufgenommen werden und unverändert in die Reiskörner vordringen können, besteht weiterer Forschungsbedarf“.

So müsse dann insbesondere geklärt werden, ob Thioarsenate für den Menschen toxisch sind, wenn sie über lange Zeiträume mit der Nahrung aufgenommen werden.

Foto: © Jacek Chabraszewski - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Während es die Evolution so eingerichtet hat, dass Babys gern geknuddelt werden, um sich gesund zu entwickeln, sind Berührungen unter Erwachsenen nicht mehr so selbstverständlich. Dabei sind für sie genauso wichtig und gesund. Beispiel: Stressabbau.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin