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Reha nach Schlaganfall: Welches Training ist sinnvoll?

Nach einem Schlaganfall benötigt ein großer Teil der Patienten Rehabilitationsmaßnahmen. Welche Methode jedoch die größten Erfolge verspricht, ist noch nicht vollständig erklärt. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass ein Ausdauertraining nicht immer Vorteile bringt.
Reha nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann Entspannung sinnvoller sein als Ausdauertraining

Dank der medizinischen Fortschritte überleben immer mehr Menschen einen Schlaganfall. Dadurch steigt aber auch die Zahl der Patienten, die mit bleibenden Behinderungen leben müssen. Der Rehabilitation nach einem Schlaganfall kommt somit eine wachsende Bedeutung zu. Doch noch ist unklar, welche Trainingsmethode die größten Erfolge verspricht. In einer aktuellen Studie erwies sich das von amerikanischen Fachgesellschaften empfohlene Ausdauertraining gegenüber einer Entspannungstherapie als nicht überlegen. Eventuell ist in der Frühphase nach einem Schlaganfall also „weniger vielleicht mehr“.

Laufbandtraining häufig empfohlen

Mindestens ein Drittel der Schlaganfallpatienten erlangt nicht alle früheren Funktionen zurück. Durch Rehabilitationsmaßnahmen kann der Genesungsprozess jedoch gut unterstützt werden. Dabei stehen in erster Linie Physio- und Ergotherapie und im Falle von Sprachstörungen noch Logopädie zur Verfügung.

Häufig wird auch ein Laufbandtraining empfohlen. Es soll die Geschwindigkeit und Ausdauer beim Gehen und Treppensteigen verbessern sowie die Neuroplastizität des Gehirns fördern. Die American Heart Association & American Stroke Association empfiehlt Schlaganfallpatienten daher, ab der subakuten Phase drei- bis fünfmal pro Woche für 20 bis 60 Minuten ein Ausdauertraining zu absolvieren. Dabei sollten 55 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz erreicht werden.

 

Datenlage bisher widersprüchlich

Doch wie sinnvoll ist ein solches Ausdauertraining wirklich? Die Datenlage dazu ist laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie widersprüchlich. „Generell lassen sich die Studien wegen der Unterschiede im Hinblick auf Art, Intensität und Zeitpunkt des Trainingsbeginns schwer vergleichen“, erklärt auch Prof. Dr. Agnes Flöel, Direktorin der Klinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Greifswald. „Insbesondere für Patienten in der Frühphase nach einem Schlaganfall bestehen Unsicherheiten, welches Training optimal ist.“

In der multizentrischen Studie „PHYS-STROKE“ untersuchten Forscher unter der Leitung von Prof. Flöel daher die Effekte eines aeroben Laufband-Trainings ab der Frühphase nach einem Schlaganfall. Zusätzlich zu den Standard-Rehamaßnahmen absolvierte eine Hälfte der Studienteilnehmer ein aerobes Laufbandtraining, die andere Hälfte nahm stattdessen an einem Entspannungstraining teil.

Ausdauertraining führte nicht zu signifikanten Verbesserungen

Das jeweilige Training wurde über insgesamt vier Wochen fünfmal wöchentlich und für jeweils 25 Minuten durchgeführt. Nach dieser Zeit nahmen die Patienten weiter an der Standardtherapie teil. Als primäres Outcome wurde die maximale Gehgeschwindigkeit und die Alltagsaktivität der Patienten drei Monate nach dem Schlaganfall gewertet.

Wie sich zeigte, führte das Ausdauertraining weder zu einer signifikanten Steigerung des maximalen Gehtempos noch zur Verbesserung in der Alltagsaktivität. Im Vergleich zur Entspannungsgruppe kam es jedoch 1,8-mal häufiger zu schweren unerwünschten Ereignissen wie weitere Schlaganfällen oder Stürzen.

Aerobes Training nicht für jeden geeignet

„Zusammenfassend war das frühe vierwöchige Laufband-Training hinsichtlich des maximalen Gehtempos und der Alltags-Fitness nach drei Monaten dem Entspannungstraining nicht überlegen“, so Prof. Martin Ebinger, Medical Park Berlin Humboldtmühle, der an der Planung und Durchführung der Studie beteiligt war. „Die vorliegenden Daten sprechen also dafür, bei mittel- bis schwer betroffenen Patienten in der subakuten Phase nach Schlaganfall aerobes Training nicht zu forcieren. Möglicherweise könnten aber leichter betroffene Patienten schon früher profitieren. Dieser Frage muss in künftigen Studien nachgegangen werden, damit konkrete Empfehlungen für diese Gruppe gegeben werden können.“

Foto: © drubig-photo - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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