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02.05.2021

„Regional“ ist vielen wichtiger als „bio“

Viele Konsumenten erleben das Prädikat „bio“ als inflationär und vertrauen ihm deshalb offenbar nicht (mehr). Eine Studie der Hochschule Albstadt-Sigmaringen kommt zu dem Schluss, dass vielen Verbrauchern beim Einkauf von Lebensmitteln das Label „regional“ inzwischen wichtiger ist. Das bedeute aber nicht, dass für sie Anbau und Herstellungsprozess keine Rolle spielten.
Obst- und Gemüsekisten auf einem Wochenmarkt.

Produkte von regionalen Landwirten sind am leichtesten auf Wochenmärkten zu finden.

Was ist unterm Strich ökologischer, nachhaltiger und klimafreundlicher? Eine Knolle Bio-Knoblauch kaufen, auf deren Kiste als Herkunftsbezeichnung „China“ steht und die den 21.000 Kilometer langen Seeweg Shanghai-Hamburg hinter sich hat? Oder einen konventionell und auch mit den zugelassenen Düngemitteln oder Pestiziden erzeugten, wenn er dafür nachweislich aus der Region kommt und nur wenige Kilometer Fahrt mit dem Lieferwagen brauchte? Am einfachsten wäre es, wenn auf Verpackungen gleich ein Index aufgedruckt wäre, der unter Verwendung von Ampelfarben und einer Skala von 1 bis 5 gleich die Ökobilanz eines Produkts mit angeben würde. Solange es den nicht gibt, bleibt nur, eine gefühlte Ökobilanz zu ziehen und hoffen, dass man richtig liegt.

„Viele Verbraucher haben das Vertrauen in Bio-Labels verloren“


Wissenschaftler der Hochschule Albstadt-Sigmaringen haben jetzt festgestellt: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben das Vertrauen in Bio-Labels verloren“ und kommen zu dem Ergebnis, „dass das Label ‚Regional‘ bei Lebensmitteln inzwischen häufig das Label ‚Bio‘ schlägt“.

„Wir haben untersucht, was genau Konsumentinnen und Konsumenten unter Regionalität verstehen und welchen Informationsbedarf sie diesbezüglich haben, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden“, sagt Prof. Dr. Andrea Maier-Nöth, die die Studie geleitet hat. Hier ging es beispielsweise um die Frage, wie lang der Transportweg eines Lebensmittels sein darf, um als „regional“ durchzugehen, oder welche Methoden Verbraucherinnen und Verbrauchern beim Anbau und in der Produktion wichtig sind. „Außerdem stand das Einkaufs- und Konsumverhalten der Befragten im Fokus sowie die Frage, welche Preise sie zu zahlen bereit wären.“

 

„Regional“ klingt für die Mehrheit positiver als „bio“

Die Studie lieferte teils überraschende Ergebnisse. „Regional“ hat bei der Mehrzahl der Befragten demnach ein positiveres Image als „Bio“, das viele wegen seiner inflationären Verwendung nicht mehr für glaubwürdig halten. Voraussetzung für den Absatz regionaler Produkte ist allerdings eine transparente und vertrauenswürdige Kommunikation: „Es kann für Lebensmittelproduzenten also sinnvoll sein, sich entschieden von ,bio‘ abzugrenzen und – wenn möglich – eher auf den Aspekt der Regionalität und auch Saisonalität zu setzen“, sagt Andrea Maier-Nöth. Dies sei vor allem deshalb wichtig, da sich die Mehrheit der Studienteilnehmer mittelmäßig oder nur schlecht über regionale Produkte informiert fühle.

Schonender Anbau wird auch bei regionaler Produktion erwartet

„Regional schlägt Bio“ heiße allerdings nicht, dass der Herstellungsprozess eines Lebensmittels für Verbraucher keine Rolle spielt. „Schonender Anbau und eine entsprechende Verarbeitung werden hier in aller Regel erwartet und schlichtweg vorausgesetzt.“ sagt Oliver Christ, an der OST Professor für Unternehmensentwicklung und Digitale Transformation.

Projektziel: Wertschätzung regionaler Identität von Lebensmitteln erhöhen

Hintergrund ist das durch die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) geförderte Projekt „Erhöhte Wertschätzung regionaler Identität von Lebensmitteln durch verbraucherfreundliche und transparente Information“ (RegIdent).  Ziel des Projekts RegIdent bestehe darin, die regionale Identität der Bodenseeregion zu schärfen und zu stärken.

Im Rahmen dieses Projekts zur Profilierung örtlicher Produzenten wollen die Wissenschaftler Wege dafür finden, wie die Eigenschaft „regional“ bei einem begrenzten Platzangebot auf der Verpackung oder auch im Geschäft vermittelt werden kann. „Wir wollen also herausfinden, wie die Verbraucher auch unter Zeitdruck die wesentlichen Produktinformationen bekommen. Daraus leiten wir dann entsprechende Empfehlungen ab“, sagt Oliver Christ, Professor für Unternehmensentwicklung und Digitale Transformation an der Ostschweizer Fachhochschule (OST), die an dem Projekt beteiligt ist.

Aussagekräfte Informationen auf kleinen Etiketten unterbringen

Mithilfe der Studienergebnisse sollen Lebensmittelproduzenten in der Bodenseeregion also Hilfestellung erhalten, wie sie den Absatz heimischer Lebensmittel steigern können. „Unsere Forschungsergebnisse sollen ihnen dabei helfen, sich besser im Markt zu positionieren, Konsumenten zu sensibilisieren und natürlich auch höhere Absätze zu erzielen.“ Doch auch die Verbraucher selbst nehmen die Forscher in den Blick: „Wir wollen ihnen dabei helfen, dank aussagekräftiger Informationen regionale Produkte zu erkennen und zu mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche beizutragen“, sagen die Wissenschaftler.

Foto: AdobeStock/Ralf Geithe

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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