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„Region Berlin vor massiven Klimaverwerfungen”

Mehr Dürreperioden, mehr Waldbrände, heißere Sommer und weniger Frosttage im Winter: Nach Zahlen aus dem IPCC-Klimabericht wird die mittlere Jahrestemperatur in der Region Berlin-Brandenburg schon 2040 um gut 2 Grad höher liegen als in der Zeit vor der deutschen Wiedervereinigung – mit entsprechenden Folgen.
Berlin-Silhouette mit Sonne und Thermometer (Grafik)

Für Berlin und Brandenburg sagen Forscher spürbare Klimaveränderungen schon in den nächsten 20 Jahren voraus.

Im einem der jüngsten Dürre-Sommer lag mitten in Berlin tagelang Brandgeruch in der Luft. Bis ins Zentrum der Hauptstadt zogen Rauchfahnen von zig Kilometer entfernten Waldbränden im wasserarmen Brandenburg – Klimawandel hautnah. Dies könnte ein Vorgeschmack auf das sein, was beide Länder in den kommenden Jahren noch häufiger erwarten dürfte. „Die Hauptstadtregion muss sich auf weitere massive Klimaverwerfungen einstellen“: Das ist die Quintessenz einer Datenauswertung des IPCC-Klimaberichts durch den Rundfunksender rbb für den Einzugsbereich des Elbe-Flusses, in dem die Hauptstadtregion liegt.

IPCC: der „Weltklimarat"

„IPCC" ist die englische Abkürzung für den „Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen", der im Deutschen oft als „Weltklimarat" bezeichnet wird. Er wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatliche Institution ins Leben gerufen, um den Erkenntnisstand zum Klimawandel zusammenzufassen für politische Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage.

 

Bis 2040: 2 Grad höhere Jahresdurchschnittstemperatur

In naher Zukunft (also in den Jahren 2021 bis 2040) steigt demnach die mittlere Jahrestemperatur in der Region Berlin-Brandenburg im Vergleich zu den Zeiten der alten Bundesrepublik um 2,1 auf 9,9 Grad an. Als Basiszeitraum wurden die drei Jahrzehnte zwischen 1961 bis 1990 ausgewählt.

Weniger Frosttage, weniger Schneefall

Im Vergleich zur Zeit vor der deutschen Wiedervereinigung soll es ein Viertel weniger Frosttage geben und geringfügig mehr Niederschlag. In den Winterhalbjahren soll es durch die steigenden Temperaturen mehr Regen und weniger Schneefall geben.

Stärkere Dürren, steigende Waldbrandgefahr

„Für Brandenburg konkret erwarten wir für den Sommer zwar, dass die Niederschläge ähnlich bleiben, aber weil die Temperaturen steigen werden, trocknet der Boden schneller aus", sagt der Mitautor des Berichts, Douglas Maraun von der Universität Graz. Das werde zu stärkeren Dürren und steigender Waldbrandgefahr führen.

Gegen Ende des Jahrhunderts (2081 bis 2100) könnte bei einem „Weiter so“ in der Klimapolitik die Jahresmitteltemperatur in der Region auf 13,4 Grad Celsius im Median steigen – das wäre ein Plus von 5,7 Grad gegenüber der Zeit vor der Wiedervereinigung. Dann könnte es nur noch 29,6 Tage im Jahr mit Frost geben.

Berlin-Temperatur: Schon jetzt 5 Grad höher als im Umland

Wegen der hohen Flächenversiegelung mit Asphalt oder Stein, dichter Bebauung und großen Gebäudekomplexen heizen sich Großstädte im Sommer besonders auf. Geologisch-physikalisch betrachtet kann man plakativ von „Steinwüste“ sprechen. Schon heute liegt die Durchschnitts-Jahrestemperatur im Berliner Zentrum (innerhalb des S-Bahn-Rings) um etwa 5 Grad höher als im Umland der Stadt. Das entspricht der Differenz der Jahresdurchschnittstemperatur von Berlin und dem am Mittelmeer liegenden Barcelona. Schon ohne den Klimawandel sind die Niederschläge in Berlin und Umgebung übers Jahr gerechnet knapp, weil die Stadt in einer Zone trockenen Kontinentalklimas liegt. So ist Berlin sogar auch regenärmer als das katalanische Barcelona, obwohl es rund 700 Kilometer nördlicher liegt.

4.000 Hitzetote pro Monat mehr im Extremsommer 2020

Die Auswirkungen von Hitze auf die menschliche Gesundheit sind selbst in Mitteleuropa schon jetzt messbar. Eine kürzlich vorgelegte Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und des Klimaforschungsinstituts Mercator (MCC) ergab: Schon jetzt ist jeder Vierte über 65 in Deutschland bei Sommerhitze krankenhausreif – Tendenz steigend.

Laut Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) forderte allein die außergewöhnliche Hitze im August 2020 bundesweit rund 4.000 Tote. „Solche Hitzephasen, die hauptsächlich für ältere Menschen eine große Belastung darstellen, nehmen im Zuge des Klimawandels zu“, so die Prognose der internistischen Fachgesellschaft. Bei ihnen treten hitzebedingte Probleme wie Herz-Kreislauf-Störungen, Nierenversagen und Schlaganfälle besonders häufig auf.

„Schwammstadt“: Regenwasser festhalten, Stadt kühlen

Nach einer Studie von Berliner Humboldt-Universität und Climate Analytics muss sich auch die nördliche Hemisphäre der Erde auf intensivere und zugleich länger andauernde Hitze-, Trocken- und Regenperioden einstellen. Wie in vielen anderen großen Städten fangen auch in Berlin Politik und Behörden damit an, die Stadt gegen den Klimawandel zu wappnen. So haben die Berliner Wasserbetriebe das Konzept der „Schwammstadt“ ausgerufen. Die seltenen, aber dann oft heftigen Regenfälle sollen dort gespeichert werden, versickern oder verdunsten, wo sie fallen.

Dächer begrünen, Straßenwasser auf Grünflächen leiten

Zu den Instrumenten der Schwammstadt gehören insbesondere begrünte Dächer, aber etwa auch teichartige Rückhaltebecken in Wohnanlagen oder links und rechts von Straßen und Gehwegen. Das bei Starkregen dort oft für Überflutungen sorgende Wasser soll nicht mehr in Gullys verschwinden (und damit letztlich in der Kanalisation landen), sondern auf tieferliegende Grünflächen geleitet werden. Dort bewässert es Pflanzen, trägt so zu einem kühlenden Mikroklima bei und versickert anschließend hinein ins Grundwasser,  statt über die Kanalisation in die Flüsse wegzufließen.

Die Verdunstungskälte dieser Mini-Feuchtgebiete, aber auch die von vertikalen Gärten auf Fassaden, soll das Stadtklima im Sommer erträglicher machen. Auch eine Ent-Siegelung derzeit ver-siegelter Flächen ist im Gespräch. Ein Landesgesetz bestimmt, dass in Berlin bei neubebauten Grundstücken nur so viel Regenwasser in die Kanalisation abfließen darf, wie es ohne Bebauung der Fall wäre.

Foto: AdobeStock/Yasar

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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