. Entwurf für e-Health-Gesetz steht

Regierung will endlich ein Gesundheitswesen 2.0

Die Bundesregierung will die Akteure im Gesundheitswesen dazu zwingen, sich mehr als bisher der digitalen Welt zu öffnen. Der jetzt vorgelegte Entwurf für ein e-Health-Gesetz versucht es mit Zuckerbrot und Peitsche.
Ab ins Internet - das will das e-Health-Gesetz erreichen.

Ärzte sollen sich mehr mit ihren Kollegen vernetzen.

Anfang 2016 soll das Gesetz in Kraft treten. Mit einem straffen Terminplan will Gesundheitsminister Gröhe dann dafür sorgen, dass die seit unzähligen Jahren geplanten und immer wieder ins Stocken geratenen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte endlich genutzt werden können. Schon bis zum 30.6.2016, so ist verschiedenen Medienberichten zu entnehmen, soll zum Beispiel die Telematikinfrastruktur stehen, damit Ärzte die Versichertenstammdaten auf der Gesundheitskarte mit den Daten der Krankenkassen online abgleichen und aktualisieren können. 

Gelingt es den Beteiligten nicht, die Datenautobahn für die Vernetzung rechtzeitig fertigzustellen, drohen ihnen Sanktionen in Form von Geldbußen. Vertragsärzte, die sich nicht der Telematikinfrastruktur anschließen wollen, soll die Vergütung für die Leistungen um einen Prozent gekürzt werden.

E-Health-Gesetz-Entwurf: Vergütung für elektronische Briefe

Allerdings will das Bundesgesundheitsministerium den Ärzten den Einstieg ins digitale Zeitalter auch finanziell versüßen.  Während einer zweijährigen Übergangszeit ab Mitte 2016 sollen Ärzte für jeden elektronisch verschickten Arztbrief 55 Cent bekommen. Und 50 Cent werden für die Entgegennahme elektronisch übermittelter Entlassbriefe aus den Krankenhäusern in Aussicht gestellt. 

Eine Regelung, die schon im jetzigen Entwurfstadium heftige Kritik hervorruft. Der Verband der Ersatzkassen etwa ließ kürzlich verlauten, dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb das Einlesen oder der Versand von elektronischen Arztbriefen extra vergütet werden sollen. Das Praxispersonal werde durch die elektronische Anwendung doch entlastet, da die aufwendige Papierform wegfalle. 

Patienten bekommen Anspruch auf Medikationsplan

Ab April 2016 sieht der Gesetzentwurf außerdem vor, dass Ärzte einen Medikationsplan erstellen müssen. Auf diesen sollen Patienten einen Anspruch haben, wenn sie mindestens fünf verordnete Medikamente erhalten. Die Pläne sollen zunächst aber noch auf Papier ausgegeben werden.

Bis Ende des kommenden Jahres sollen Kassen und Ärzte sich zudem zusammensetzen, um „papiergebundene Verfahren“ herauszuarbeiten, die durch elektronische Kommunikation ersetzt werden können. 

© apops – fotolia.com

Autor: Julia Frisch
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Digitale Vernetzung

| Die elektronische Gesundheitskarte wurde eingeführt, um darauf alle medizinisch relevanten Daten des Patienten zu speichern. Die Pläne gerieten ins Stocken. Die Krankenkassen AOK und TK machen nun einen eigenen Vorstoß und testen die digitale Patientenakte.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Rauchen ist ein bekannter Risikofaktor für Parodontitis. Wie groß der Einfluss wirklich ist und wie viele Parodontitisfälle auf den Tabakkonsum zurückzuführen sind, haben nun Zahnmediziner der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berechnet.
Der Konsum von Computer, Smartphone und Co. könnte bei Kleinkindern zu Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit führen. Das haben Wissenschaftler der Universität Leipzig herausgefunden. Sie warnen vor einem regelmäßigen Gebrauch elektronischer Medien durch kleine Kinder.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.