. Gastroösophageale Refluxkrankheit

Reflux: Operation schützt nicht vor PPI

Wer unter Reflux („Sodbrennen“) leidet, ist oft dauerhaft auf Medikamente, meist PPI, angewiesen. Von einer Operation erhoffen sich viele Betroffene Medikamentenfreiheit, doch bei jedem Zweiten müssen nach dem Eingriff wieder PPI verschrieben werden.
OP bei Reflux.

Die Refluxkrankheit ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich.

Rund sieben Prozent der Deutschen leiden unter der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD), häufig auch als „Sodbrennen“ bezeichnet. Und etwa ein Fünftel der Erwachsenen haben zumindest hin und wieder mit dem Reflux zu kämpfen. Die meisten von ihnen erhalten Protonenpumpenhemmer (PPI), oft auch als Dauertherapie. Zusätzlich können auch noch andere Medikamente verschrieben werden.

 

 

Bei Nichtansprechen auf die medikamentöse Therapie oder starken Nebenwirkungen kann auch eine Operation angebracht sein. Viele Reflux-Patienten hoffen, dadurch nicht mehr auf PPI angewiesen zu sein – ein Trugschluss, wie eine aktuelle Studie aus Dänemark gezeigt hat.

Jeder zweite Patient benötigt weiterhin PPI

  • Für die Studie werteten die Forscher Daten von 3465 erwachsenen Patienten aus, bei denen zwischen 1996 und 2010 eine Operation gegen die Refluxkrankheit durchgeführt worden war.
  • Wie sich zeigte, lag das Risiko, nach fünf, zehn oder 15 Jahren wieder PPI verschrieben zu bekommen, bei 58, 72 beziehungsweise 83 Prozent.
  • Die Wahrscheinlichkeit, wieder dauerhaft auf PPI angewiesen zu sein, lag innerhalb von fünf, zehn oder 15 Jahren bei 29, 41 und 57 Prozent.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine erneute PPI-Medikation zählten ein hohes Alter, weibliches Geschlecht sowie die Höhe des PPI-Bedarfs vor der OP. Die aktuelle Studie zeige, "dass mittelfristig jeder zweite Patient trotz einer Operation regelmäßig PPI benötigt und vier von fünf Patienten intermittierend PPI einnehmen werden“, erklärt Professor Martin Storr vom Klinikum Großhadern in München. Dies solle den Patienten, die eine Operation durchführen lassen wollen, klar gesagt werden, um die hohen Erwartungen zurückzuschrauben, so der Gastroenterologe.

Trotz der Ergebnisse kann eine Operation sinnvoll sein, wenn die Betroffenen sehr unter dem Reflux leiden. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Lebensqualität durch einen Eingriff erhöht werden kann.

Reflux nicht unterschätzen

Die gastroösophageale Refluxkrankheit wird durch einen Rückfluss (Reflux) von Magensäure und Galle vom Magen in die Speiseröhre verursacht. Der Reflux verursacht nicht nur das sehr unangenehme „Sodbrennen“, sondern kann auch langfristig zu Entzündungen der Speiseröhre und sogar zu bösartigen Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut führen. Eine adäquate Therapie des Reflux ist daher unerlässlich.

Foto: © papa - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Reflux

| Die mit Sodbrennen verbundene Reflux-Krankheit lässt sich meist mit Medikamenten behandeln. Schlagen sie nicht an, kann eine OP nötig sein. Die Universitätsmedizin Mainz bietet ein minimal-invasives Verfahren an, bei dem ein Schrittmacher implantiert wird.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.