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12.06.2021

Reflektorische Atemtherapie kann bei Covid-19-Folgeproblemen helfen

10 bis 20 Prozent der offiziell „genesenen“ Covid-19-Patienten leiden Wochen bis Monate nach Abklingen der Infektionskrankheit weiter an deren Folgen. Hierzu zählt auch Atemnot, die selbst bei einfachen Alltagsbetätigungen wie dem Treppensteigen Erschöpfungszustände auslöst. Ein naturheilkundlicher beziehungsweise physiotherapeutischer Ansatz, um hier zu heilen, ist die „Reflektorische Atemtherapie“.
Physiotherapeut bei der Rückenmassage.

Die „Reflektorische Atemtherapie" zur Behandlung von Long-Covid-Problemen beim Atmen ist ein Verfahren aus Physiotherapie und Naturheilkunde.

Ein Großteil der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, zeigt nur schwache Symptome oder bemerkt die Krankheit nicht einmal. Das bedeutet aber nicht, dass sie zu Ende ist, nur weil nach etwa 14 Tagen die typischen Infektsymptome abklingen. Experten schätzen, das 10 bis 20 Prozent aller Infizierten noch Wochen oder Monate nach dem offensichtlichen Ende der Infektion an Schäden herumlaborieren, die die Krankheit leise in ihnen angerichtet hat. Sie sind damit nicht wirklich geheilt oder so gesund und leistungsfähig wie zuvor.

Long Covid: Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atemwegsprobleme

Typische Symptome der immer noch rätselhaften Corona-Folgeerkrankung „Long Covid“ sind Kopfschmerzen, chronische Erschöpfung und Müdigkeit, Gliederschmerzen, Gedächtnisverlust, ein gestörter Geruchs- und Geschmackssinn oder Konzentrationsprobleme – und ganz stark: Atemwegsprobleme. Einfach nur aus dem Bett aufstehen oder Treppen steigen – selbst einfache Tätigkeiten, die früher wie von selbst gingen, können plötzlich als spürbare Belastung erlebt werden.

 

Typische Atemwegsprobleme aufgrund von Long Covid:

  • Häufiger Husten wegen Überempfindlichkeit der Atemwege
  • Atemnot bei körperlichen Anstrengungen
  • Atemschwäche, die für gleiche Leistungsfähigkeit tieferes Einatmen nötig macht
  • Druck- und Enge-Gefühl im Brustkorb

Ohne eine qualifizierte Behandlung heilen diese Folgen nur sehr langsam aus. Als eine Behandlungsoption kommt die „Reflektorische Atemtherapie“ (RAT) infrage. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von dem Münchner Internisten und Arzt für Naturheilkunde, Johann Ludwig Schmitt, und der Krankengymnastin Liselotte Brüne entwickelt. Seit den 1970er-Jahren ist die RAT ein grundlegender Bestandteil der Atemphysiotherapie. In dieser ganzheitlichen Behandlungsmethode werden verschiedene therapeutische Komponenten eingesetzt:

So läuft die „Reflektorische Atemtherapie“ ab:

  1. Wärmeanwendung (heiße Kompressen)
  2. Massagen zur Anregung der Atmung
  3. Therapeutische Übungen z. B. Yoga

Therapieziele: Zwerchfell aktivieren, den Atem erweitern

Durch die Behandlung kommt es zu einer Atemregulierung und Atemerweiterung. Gleichzeitig wird die Durchblutung der Atem- und Hilfsmuskulatur gefördert und das vegetative Nervensystem beeinflusst. Dies führt zu einer allgemeinen psychischen Entspannung und Stärkung des Immunsystems. Auch Kondition und Leistungsfähigkeit werden gestärkt.

Ziel der Therapie ist es, das Zwerchfell in seiner Aktivität zu unterstützen. „Dadurch wird die natürliche Atmung reflektorisch wieder in Gang gesetzt“, heißt es in einer Patienteninformation des Vereins für Reflektorische Atemtherapie e.V., Berlin.

Atemtherapie: In vielen Bundesländern Kassenleistung

Die Behandlung wird dem Verein für Reflektorische Atemtherapie zufolge von Physiotherapeuten angeboten, die für diese Methode förmlich qualifiziert – vornehmlich in Praxen und Reha-Zentren. Die Behandlung wird demnach in vielen Bundesländern von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Foto: AdobeStock/Photographee.eu

Hauptkategorie: Corona
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