Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.07.2015

Rauchen scheint Psychosen zu begünstigen

Raucher haben ein dreimal höheres Risiko an einer Psychose wie Schizophrenie zu erkranken als Nichtraucher. Das ergab eine Meta-Analyse britischer Forscher. Die Wechselwirkung ist jedoch noch unklar.
Rauchen scheint Psychosen zu begünstigen

Kann Rauchen Psychosen verursachen? Eine neue Meta-Analyse erhärtet diesen Verdacht

Menschen mit einer Psychose wie Schizophrenie sind überproportional häufig Raucher. Bislang ging man davon aus, dass das Rauchen eine Folge der Erkrankung ist. So wurden Zigaretten als eine Art Selbstmedikation angesehen, die dazu dienen soll, Krankheitssymptome und Nebenwirkungen der Medikamente zu verringern. Wissenschaftler des Instituts für Psychiatrie, Psychologie und Neuroscience am King's College London stellen diese Kausalität nun in Frage. Bei der Analyse von 61 Studien stellte das Team um Dr. James MacCabe fest, dass 57 Prozent der Betroffenen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits Raucher waren. Im Vergleich zur nichtrauchenden Kontrollgruppe war das Risiko für eine Psychose dreimal höher als bei den Rauchern. Menschen, die täglich rauchten, erkrankten zudem durchschnittlich ein Jahr früher.

Rauchen als Risikofaktor für Psychosen: Kausalität in Frage gestellt

Wenn der Anteil der Raucher schon vor der Diagnose Schizophrenie höher liegt, dann handelt es sich beim Griff zur Zigarette nicht einfach nur um eine Selbstmedikation, argumentieren die Wissenschaftler im Fachmagazin „Lancet Psychiatry.“„Dieser Fund stellt die Selbstmedikations-Theorie in Frage“, erklärt MacCabe. Vermutlich spiele das Rauchen neben genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine viel größere Rolle als bislang angenommen. „Rauchen sollte daher als Risikofaktor ernst genommen werden und nicht einfach als Konsequenz der Erkrankung abgetan werden", so der Psychiater weiter.

 

Dopaminhaushalt unter Verdacht

Eine Erklärung, warum Rauchen Schizophrenien begünstigt – und nicht umgekehrt – könnte eine Veränderung des Dopaminhaushalts im Gehirn sein. „Der Dopaminüberschuss im Gehirn ist die beste biologische Erklärung, die wir für Psychosen wie Schizophrenie haben“, sagt Professor Sir Robin Murray vom King‘s College. „Es ist gut möglich, dass Nikotin mehr Dopamin freisetzt und so die Entwicklung einer Psychose begünstigt.“

Dennoch räumen MacCabe und seine Kollegen ein, dass ein ursächlicher Zusammenhang schwer nachzuweisen ist. Zudem hätten nur wenige der 61 analysierten Studien andere beeinflussende Substanzen wie Cannabis mit einbezogen. Die Wissenschaftler fordern deshalb weitere Forschung, um den Zusammenhang zwischen starkem Rauchen, gelegentlichem Rauchen und der Entwicklung von Psychosen besser zu verstehen.

In die Meta-Analyse „Does tobacco cause psychosis?“ flossen Daten von 15.000 Rauchern und 273.000 Nicht-Rauchern ein.

Foto: © pathdoc - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Psychopharmaka , Schizophrenie , Forschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychose

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ältere Menschen scheint die Covid-Impfung nicht vollständig vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Das zeigen wiederholte Ausbrüche in Pflegeheimen. Wissenschaftler der Charité haben nun einen Ausbruch näher untersucht – und kommen zu interessanten Ergebnissen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben mit ihrem Engagement unter Krisenbedingungen maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Zeit gekommen ist. Aber die Krise hat auch Spuren hinterlassen. Was muss sich tun, damit diese tragende Säule der Demokratie auch nach der Pandemie stark bleibt? Das diskutierten Experten und Politiker auf einer Fachtagung von Gesundheitsstadt Berlin und Paritätischem Wohlfahrtsverband.

 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin