Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.12.2012

Rauchen schadet dem Gehirn bereits nach vier Jahren

Dass Rauchen dem Gehirn schadet, ist bekannt. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass es von allen kardiovaskulären Risikofaktoren am schnellsten Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen zeigt.
Rauchen, Schaden, Gehirn, Studie

Rauchen kann Entwicklung einer Demenz beschleunigen

Rauchen verschlechtert die Gedächtnisleistung und beeinträchtigt das Lernen sowie das logische Denken. Zu diesem Ergebnis kommt die English Longitudinal Study of Ageing, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Age und Ageing“ veröffentlicht wurde. Die Studie zeigte, dass auch hoher Blutdruck und Übergewicht das Gehirn beeinflussen können, allerdings nicht so schnell und so stark wie das Rauchen.

Raucher vergessen viel

Regelmäßige Befragungen von 8.780 Briten im Alter von über 50 Jahren ergaben, dass sich durch Rauchen besonders schnell, nämlich bereits innerhalb von vier Jahren, negative Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen bemerkbar machen.

  • Im Vergleich zu Nichtrauchern konnten sich Raucher in Tests zum Kurzzeitgedächtnis die wenigsten Worte merken
  • Sie vergaßen in einem Test zum Langzeitgedächtnis häufiger als andere, den Versuchsleiter am Ende der Untersuchung an eine abgesprochene Abmachung zu erinnern.
  • In einer weiteren Befragung konnten Raucher innerhalb von einer Minute die wenigsten Tiere spontan nennen.

Damit hatten sie die schlechtesten Ergebnisse in einem kognitiven Index.

 

Risikofaktoren für Gedächtnisstörungen sind oft beeinflussbar

Nach Angaben des Studienautors Alex Dregan vom King‘s College in London ist Rauchen damit der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für den kognitiven Abbau im Alter. An zweiter Stelle steht die arterielle Hypertonie. Bei Patienten mit systolischen Blutdruckwerten über 160 mm Hg kam es nach acht Jahren zu einem signifikanten Abbau der Gedächtnisleistungen. Nach diesem Zeitraum konnten auch Auswirkungen anderer Risikofaktoren wie Übergewicht, Cholesterin und diastolische Hypertonie auf die kognitiven Fähigkeiten beobachtet werden.

Für Dregan ist es daher ratsam, alle kardiovaskulären Risikofaktoren zu meiden. Er erklärt: „Wir haben eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert, die mit einem rascheren Abbau kognitiver Fähigkeiten in Zusammenhang gebracht werden können. Sie alle könnten veränderbar sein. Wir müssen den Menschen bewusst machen, dass Änderungen des Lebensstils aufgrund des Risikos eines geistigen Abbaus notwendig sind“.

Rauchen hat vielfältige Folgen

Bei vielen Menschen bleibt es nicht nur bei einer leichten Gedächtnissschwäche. Experten machen darauf aufmerksam, dass bei Menschen mit Gedächtnisproblemen im mittleren Alter eine spätere Demenz häufig sehr viel schneller fortschreitet. Neben den Auswirkungen auf das Gehirn hat Rauchen viele andere gefährliche Folgen. Am bekanntesten sind die Auswirkungen auf die Lunge wie beispielsweise bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder beim Lungenkrebs.

Risiko Rauchen

Doch auch andere Krebsarten kommen bei Rauchern häufiger vor als bei Nichtrauchern. Alle Körperteile, die mit dem Rauch direkt in Kontakt kommen, werden massiv geschädigt und entwickeln leichter Tumore. So wird das Risiko, Mund-, Rachen- oder Kehlkopfkrebs zu bekommen, durch Rauchen drastisch erhört. Auch Schlaganfälle und Herzinfarkte treten bei Rauchern häufiger und früher auf als bei Nichtrauchern, da der Tabak die Blutgefäße massiv schädigt. Laut einer kanadischen Studie liegt das Durchschnittsalter von Rauchern zum Zeitpunkt eines Schlaganfall bei 58 Jahren, bei Nichtrauchern hingegen bei 67 Jahren.

Foto: © Eric Limon - Fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen , Nikotinsucht , Demenz , Gehirn , Forschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Eine mögliche Nebenwirkung der Covid-19-Impfung mit AstraZeneca ist die Hirnvenen-Thrombose. Geimpfte mit Kopfschmerzen sollten deshalb umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Warum? Eine Schwellung des Sehnervs ist das häufigste klinische Anzeichen dieser Impfkomplikation. So lässt sich ein Verdacht am schnellsten bestätigen – oder ausschließen.

Chinin ist ein altes Hausmittel gegen fiebrige Erkältungskrankheiten. Wissenschaftler aus Tübingen wollen die antivirale Wirkung nun im Kampf gegen COVID-19 nutzen. Erste Experimente an Zellkulturen zeigten bereits Erfolge.

Wer einen nachgewiesenen Vitamin D-Mangel hat, sollte sich öfter unter freiem Himmel bewegen oder – wenn das nicht reicht – Vitamin D-Präparate zu sich nehmen. Doch nicht jeder benötigt zusätzliches Vitamin D, selbst im Winter nicht.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin