. Coronavirus

Rauchen erhöht Risiko für schweren COVID-19-Verlauf – auch bei jungen Erwachsenen

Daten aus den USA zeigen, dass immer mehr junge Menschen mit COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen. Forscher führen dies unter anderem auf den Zigarettenkonsum zurück. Denn Rauchen gilt als wichtiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf – auch bei jungen Erwachsenen.
Rauchen, COVID-19, Corona, SARS-CoV-2

Rauchen gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf

Dass Rauchen das Risiko für einen schweren Verlauf durch eine SARS-CoV-2-Infektion erhöht, ist bekannt. Eine Auswertung von US-Daten zeigt nun, dass immer mehr junge Menschen mit Corona-Infektionen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Forscher führen das auch auf den Konsum von Zigaretten zurück. Allerdings können auch andere Faktoren wie zum Beispiel Vorerkrankungen dazu führen, dass junge Menschen einen schweren COVID-19-Verlauf durchmachen.

Lunge von Rauchern oft bereits vorgeschädigt

In ihrer Studie habe Forscher um Sally Adams von der University of California in San Francisco gezeigt, dass ein junges Alter nicht vor schweren Verläufen einer Corona-Infektion schützt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der jungen Erwachsenen bis 25 Jahren Risikofaktoren für eine Infektion mit schweren Folgen aufweist.

Als besonders großer Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf gilt das Rauchen. Dies wird auf verschiedene Gründe zurückgeführt. Zum einen ist bei Rauchern die Lunge meist bereits angegriffen. Zudem sind auch die Flimmerzellen in den Atemwegen geschädigt, so dass sie das Virus weniger gut hinausbefördern können.

Auch bilden Raucher neuen Erkenntnissen zufolge größere Mengen des Enzyms ACE2, das dem Virus das Eindringen in die Körperzellen ermöglicht. Auch das Immunsystem von aktiven Rauchern ist meist geschwächt.

 

Fake News zum Rauchen kursierten im Netz

Auch WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betont: „Es ist erwiesen, dass Raucher anfälliger für eine schwere Covid-19-Erkrankung sind als Nichtraucher.“ Die Nachricht, die zwischenzeitlich im Netz kursierte, Tabak könne vor SARS-CoV-2 schützen, darf also getrost als Fake News betrachtet werden – das betont zumindest Catherine Charpentier, Pneumologin am Centre hospitalier de Luxembourg (CHL). 

Sie erklärt die These, die von vielen Medien aufgegriffen wurde, so: „Das, was einige Wissenschaftler gesagt haben ist, dass der Rezeptor, also der Eingang, durch den das Virus in die menschliche Zelle eindringt, um sich zu vermehren, derselbe ist, der das Nikotin aus dem Tabak aufnimmt. Die Forscher haben sich daher gefragt, ob, wenn der Rezeptor bereits durch das Nikotin blockiert ist, das Corona-Virus nicht mehr so einfach eindringen kann.“ Dies sei jedoch etwas völlig anderes als zu behaupten, Tabak schütze vor Corona.

Rauchen greift Lunge und Herz an

Denn das tut er erwiesenermaßen nicht, so die Medizinerin. „Tabak enthält viele giftige Inhaltsstoffe. Raucher sind anfälliger für die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Lunge als jemand, der nicht raucht.“

Auch wenn die genauen Auswirkungen des Rauchens auf eine Corona-Infektion noch nicht geklärt sind, empfiehlt die Medizinerin, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Vorteil läge auch darin, dass Rauchen nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz beeinträchtige – die beiden Bereiche, die durch das Coronavirus besonders angegriffen werden.

Foto: © Adobe Stock / Nopphon

Autor: anvo
Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Rauchen , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bluthochdruck ist ein gesundheitliches Risiko. Doch muss bei älteren Menschen, der Blutdruck tatsächlich unter 140/90 mmHg gesenkt werden? Eine Studie der Charité zeigt: Die leitliniengerechte Behandlung schadet über 80-jährigen sogar mehr als sie nützt.
Gut essen – und dabei unfreiwillig Mikroplastik mitessen: keine gesunde und appetitliche Vorstellung. Für Liebhaber von Fischfilets gibt es jetzt eine gute Nachricht. Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts ergab: Zumindest beim Wolfsbarsch gelangen Kunststoffpartikel aus der Nahrungskette in Blut und Organe, aber kaum ins Muskelfleisch. Für ihr Experiment fütterten die Forscher Fische vier Wochen lang mit einem Futtermittel, das sehr kleine und viele Mikroplastikteilchen enthielt.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.