. Studie

Querschnittlähmung offenbar Risikofaktor für Blasenkrebs

Menschen mit Querschnittlähmung haben ein erhöhtes Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Das zeigen aktuelle Daten aus Hamburg und Dortmund. Warum das so ist, wissen die Mediziner noch nicht, soll aber jetzt erforscht werden.
Menschen mit Querschnittlähmung haben heute eine fast normale Lebenserwartung. Jedoch ist ihr Risiko für Blasenkrebs höher

Menschen mit Querschnittlähmung haben heute eine fast normale Lebenserwartung. Jedoch ist ihr Risiko für Blasenkrebs höher

In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes rund 28.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Daneben haben Menschen mit einer Querschnittlähmung ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko, wie Daten eines Expertenkonsortiums des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg und des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) nun zeigen. Für ihre Erkenntnisse hatten die Wissenschaftler eine umfangreiche Literaturrecherche betrieben und alle verfügbaren Studien zum Thema ausgewertet.

Querschnittlähmung führt oft zu aggressiveren Blasentumoren

Auch Daten des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg untermauerten den Zusammenhang zwischen Querschnittlähmung und Blasenkrebs. So erkrankten von 6.600 querschnittlähmten Patienten 24 an einem Tumor der Harnblase. Bei 80 Prozent handelte es sich um eine besonders aggressiven Tumor, der bereits in die Muskulatur eingewachsen war. Diese invasive Tumorvariante ist sonst wesentlich seltener (20 Prozent) und geht mit einer schlechten Prognose einher.

Die rückblickende Analyse zeigte zudem, dass die querschnittgelähmten Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose deutlich jünger waren als nicht querschnittgelähmte Personen mit Harnblasenkrebs. Gleiches ergab auch die Literaturrecherche: Querschnittgelähmte lagen zum Zeitpunkt der Diagnose Harnblasenkrebs 15 bis 30 Jahre unter dem Durchschnitt in der Normalbevölkerung. „Diese Befunde weisen klar darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Querschnittlähmung und dem Harnblasenkarzinom bei diesen Patienten besteht“, betonen die beiden Studienleiter Dr. Ralf Böthig, vom Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg und Prof. Klaus Golka, Leiter der Forschungsgruppe „Klinische Arbeitsmedizin“ am IfADo. Das erhöhte Erkrankungsrisiko tritt den Forschern zufolge mindestens zehn Jahre nach Eintritt der Querschnittlähmung auf.

Medizinischer Zusammenhang noch unklar

Was genau die Gründe für das erhöhte Blasenkrebsrisiko bei Querschnittlähmung sind, ist den Wissenschaftlern zufolge noch unklar. Deshalb plant das Expertenkonsortium nun eine prospektive Studie, in der auch die Pathomechanismen erforscht werden sollen.

Foto: © Firma V - Fotolia.com

Autor: ham

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Blasenkrebs

| Wer in den 80er Jahren in der Gummiindustrie gearbeitet hat und heute Blasenkrebs hat, hat gute Chancen, dass dies als Berufskrankheit anerkannt wird. Das Hessische Landessozialgericht hat der Klage eines ehemaligen Arbeiters in der Gummifertigung zugestimmt.
| Das Blasenkarzinom ist die zweithäufigste urologische Krebserkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland rund 29.000 Menschen neu daran. Blut im Urin kann ein erstes Zeichen für einen Blasentumor sein. Darauf macht die Urologische Themenwoche, die am 25. Juni startet, aufmerksam.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.