. Darmkrebsfrüherkennung

Quantitative Immunologische Stuhltests ab April Kassenleistung

Quantitative immunologische Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung sind ab 1. April eine Kassenleistung. Die neuen Tests sind spezifischer als der bisherige Guajak-basierte Test auf Blut im Stuhl. Doch Ärzte haben Bedenken.
Darmkrebs besser erkennen: Quantitative immunologische Stuhltests lösen die alten Guajak-basierten Tests am 1. April 2017 ab

Darmkrebs besser erkennen: Quantitative immunologische Stuhltests lösen die alten Guajak-basierten Tests am 1. April 2017 ab

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen ab 1. April die Kosten für quantitative immunologische Stuhltests (iFOBT) zur Früherkennung von Darmkrebs. Eine entsprechende Entscheidung hatte der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) vor kurzem getroffen. Anspruch auf einen solchen Test haben Versicherten ab 50 Jahren im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. Die neuen Tests ersetzen den alten Guajak-basierten Test auf okkultes Blut im Stuhl, weil sie spezifischer und damit aussagekräftiger sein sollen.

Ergebnis kommt aus dem Labor

So wie bisher können Hausärzte, Gynäkologen, Urologen, Hautärzte, Facharztinternisten und Chirurgen den Darmkrebs-Test durchführen. Aber anders als bislang können die Tests nicht direkt in der Praxis ausgewertet werden, sondern müssen in ein Speziallabor geschickt werden. Und das kritisiert der Berufsverband der Urologen. Einmal, weil es für das ganze Prozedere nur sechs Euro extra zu Budget gibt. Zum anderen haben die Urologen Bedenken hinsichtlich der Akzeptanz. Denn das Ergebnis kommt nun nicht mehr vom Arzt, sondern vom Labor – mit zeitlicher Verzögerung. „Wir fürchten um die Früherkennung“, sagte BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder.

iFOBT müssen sich in der Praxis noch bewähren

Vor allem aber sieht der BDU die Qualität der Ergebnisse in Gefahr. So könnten etwa verzögerte Transportwege bei heißen Temperaturen zu falschen Ergebnissen führen. „Es ist derzeit nicht erkennbar, inwieweit mögliche Vorteile quantitativer Tests die technischen und logistischen Probleme der neuen Regelung aufwiegen“, kritisiert der Urologe. Ein weiterer Kritikpunkt: Für die neuen iFOBT-Tests gibt es keinen einheitlich definierten Referenzwert. Momentan wird dieser Wert, der gesund von krank unterscheidet, vom Hersteller festgelegt. Ringversuche der beteiligten Labore zur externen Qualitätssicherung sind zwar angedacht, aber Ergebnisse liegen naturgemäß noch nicht vor. Der BDU hätte sich daher gewünscht, dass beide Tests für eine Übergangszeit parallel Bestand gehabt hätten, „um die Qualität und die Akzeptanz des neuen Testverfahrens zu evaluieren“, so Schroeder.

Immunologische Stuhltests weisen mit Hilfe spezifischer Antikörper menschliches Hämoglobin nach. Wie Studien zeigen konnten, sind die neuen quantitativen Tests den alten Tests überlegen.

Foto: © benjaminnolte - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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