. Psychische Erkrankungen

Qualitätssiegel für Online-Psychotherapien gefordert

Zur Therapie psychischer Probleme und Erkrankungen gibt es eine Vielzahl von Online-Angeboten. Für die sei ein Qualitäts-Siegel nötig, sagten Experten auf dem Hauptstadtsymposion der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DPGs).
Online-Therapie

Für Online-Therapien psychischer Erkrankungen soll es Qualitätsstandards geben

In Anbetracht der Häufigkeit psychischer Probleme und Störungen sowie der monatelangen Wartezeit auf einen Therapieplatz gebe es Bedarf an solchen E-Mental-Health-Interventionen, meinte Dipl.-Psychologin Prof. Corinna Jacobi von der TU Dresden. Die Online-Therapien böten ein großes Potenzial, aktuellen Engpässen in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen entgegenwirken und die Behandlung zu verbessern, sagte auch DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth.

Viele untersuchte Angebote seien auch im direkten Vergleich mit der klassischen Psychotherapie gut wirksam, betonte Dr. Hauth, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Weißensee.

Online-Psychotherapien wirken bei Depressionen und Angststörungen

Wirksamkeitsnachweise gebe es für die Behandlung von Depressionen, Angst- und Schlaf-Störungen sowie posttraumatischen Belastungsstörungen, bestätigte Psychologe Dr. David Daniel Ebert von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg. Ebenso wirksam wie die ambulante Therapie seien aber nur Online-Therapien, bei denen die Teilnehmer regelmäßig Rückmeldung durch den begleitenden Psychologen erhalten.

Vorteil der Online-Therapie sei, dass die Anonymität manchen Menschen mit psychischen Problemen den Zugang erleichtere und mögliche Stigmatisierungen reduziere. Sie seien zudem kosteneffizienter, darauf wies Prof. Jacobi hin.

DGPPN arbeitet an Qualitätssiegel für Online-Psychotherapien

Im Netz findet sich derzeit ein buntes Durcheinander von mehr oder weniger professionellen Angeboten. Nicht immer ist klar, wie qualifiziert es ist, wer in Krisen ansprechbar ist, und ob auch die Datensicherheit gewährleistet wird. Um Patienten und Behandlern eine Orientierungshilfe zu bieten, entwickelt eine E-Mental-Health-Taskforce der DGPPN derzeit Qualitätskriterien für die Online-Therapien. Das erklärte Dr. Philipp Klein, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Mitglied der Task Force.

Die Kriterien sollen in einem nächsten Schritt mit weiteren Fachgesellschaften, Krankenkassen, Anbietern und Patienten abgestimmt werden. Ziel ist ein Qualitätssiegel, aus welchem abzulesen ist, welche Intervention wirksam, sicher und empfehlenswert ist. Empfohlene Online-Therapien sollten dann von Ärzten oder psychologischen Psychotherapeuten verschrieben werden können und die Kosten dafür von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Online-Therapie nicht bei schwerwiegenden Erkrankungen?

Allerdings sei eine Online-Therapie nicht in jedem Fall ausreichend, gibt Prof. Jacobi zu Bedenken. So sei der Umgang mit Krisensituationen gegebenfalls schwieriger als bei einer Face-to-Face-Behandlung. Und für schwerwiegende psychische Störungen seien Online-Therapien als alleinige Behandlungsmaßnahme nicht geeignet.

Foto: chagin/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten

Weitere Nachrichten zum Thema Psychotherapie

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Der Hefepilz Candida auris ist weltweit auf dem Vormarsch. Gefährdet sind vor allem Personen mit einem bereits geschwächten Immunsystem; bei ihnen kann eine Infektion sogar tödlich verlaufen. In Deutschland gibt es bislang aber nur wenige Fälle.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.