Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.01.2016

Psychotherapie bei Reizdarmsyndrom wirksam

Beim Reizdarmsyndrom spielt häufig die Psyche eine wichtige Rolle. Eine Meta-Analyse hat nun gezeigt, dass die Symptome durch Psychotherapie reduziert werden können und das sogar oft auf Dauer.
Psychotherapie hilft bei Reizdarm

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang noch nicht vollständig geklärt

Dass Psyche und Darm zusammenhängen, ist mittlerweile bekannt. So berichten viele Menschen davon, dass sich Reizdarmsymptome verstärken, wenn sie unter psychischem Stress stehen. Zudem haben Studien gezeigt, dass Psychotherapie und Antidepressiva die Symptome reduzieren können. Eine US-amerikanische Meta-Analyse hat nun bestätigt, dass das Reizdarmsyndrom gut auf Psychotherapie anspricht und dass die Wirkung sogar häufig über das Ende der Behandlung hinaus anhält. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin Clinical Gastroenterology and Hemtalogy.

Wirkung der Psychotherapie hält lange an

In die Analyse des Forscherteams um Lynn Walker vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville flossen die Ergebnisse aus 41 klinischen Studien ein, an der insgesamt mehr als 2.200 Patienten teilgenommen hatten. In den Untersuchungen waren unterschiedliche Psychotherapien zum Einsatz gekommen, am häufigsten kognitive Verhaltenstherapien, Entspannungsübungen und Hypnosetherapie. Alle Therapien erzielten eine mittlere bis starke Wirkung. Zudem zeigte sich, dass Psychotherapien bei Reizdarmsyndrom auch eine Langzeitwirkung haben. Nach Angaben der Studienautoren waren die Effekte sechs und zwölf Monate nach der letzten Sitzung noch genauso stark wie direkt nach Ende der Behandlung.

 

Darmgesundheit und Psyche hängen zusammen

Auch bei der Behandlung mit Antidepressiva gehen Reizdarmsymptome deutlich zurück, wie frühere Studien bereits gezeigt hatten. So konnte eine andere Meta-Analyse zeigen, dass 56 Prozent der Patienten von einer medikamentösen Therapie profitieren im Vergleich zu 35 Prozent ohne eine solche Behandlung. Trizyklische Antidepressiva erwiesen sich bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms als ebenso wirksam wie SSRI. Unter der Behandlung mit Trizyklika konnte 57 Prozent der Patienten geholfen werden, unter SSRI sprachen 54,5 Prozent der Behandelten auf die Therapie an.

Nach Ansicht der Autoren der aktuellen Studie bestätigen ihre Ergebnisse die Existenz einer „Hirn-Darm-Achse“. Offenbar bestehen Wechselwirkungen zwischen der Darmgesundheit und dem psychischen Zustand. Untersuchungen konnten bereits zeigen, dass nicht nur psychische Probleme Auswirkungen auf die Gesundheit des Darms haben können, sondern auch der Darm das psychische Gleichgewicht beeinflusst.

Foto: © detailblick - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Reizdarm

Zu viele Röntgenuntersuchungen, Schmerzmittel mit Suchtfaktor: Nach dem „Arztreport 2019“ der Barmer sind Diagnostik und Behandlung beim Reizdarmsyndrom zu sehr auf die körperliche Seite der Krankheit fixiert und in bestimmten Fällen sogar riskant. Die Alternative: ein multidisziplinärer Behandlungsansatz, der Ursachen ganzheitlich betrachtet und Ernährung und psychische Ursachen mit einschließt.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Das Getreide-Eiweiß Gluten verursacht bei Personen mit entsprechender Veranlagung chronische Magen-Darm-Probleme. Ein Medikament gegen die als „Zöliakie" bezeichnete Krankheit gibt es bisher nicht. Einzige Therapie: der völlige Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel – und zwar lebenslang. Beim Einkaufen muss man aufpassen – und immer das Kleingedruckte lesen.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin