. Diotima-Ehrenpreis

Psychotherapeuten ehren Klingberg für Einsatz für bessere Psychosentherapie

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat gestern den Diotima-Ehrenpreis an den Wissenschaftler und Psychotherapeuten Prof. Dr. Stefan Klingberg verliehen. Damit würdigte die Psychotherapeutenschaft seinen Einsatz für eine bessere Psychosentherapie.

Für seinen Einsatz - unter anderem in der Schizophrenie-Forschung - wurde Prof. Klingberg geehrt.

„Professor Klingberg steht für die Überzeugung und den Nachweis, dass Psychotherapie bei Psychosen wirksam ist – einer Tatsache, der selbst die Fachöffentlichkeit lange skeptisch gegenüber stand und oft immer noch steht“, sagte BPtK-Präsident Prof. Rainer Richter fest bei der Preisverleihung. Engagierten Forschern und Behandlern wie ihm haben man zu verdanken, dass ein Umdenken einsetzt und auch Patienten mit Psychosen häufiger Psychotherapie erhalten.

Psychosen – darunter die Schizophrenie – gehören zu den schwersten psychischen Erkrankungen

Die Entwicklung und Bereitstellung wirksamer Behandlungsmethoden im Gesundheitssystem sei nicht nur aus Patienten- sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht wichtig, so die BPtK in einer Pressemitteilung. Schließlich gehörten Psychosen zu, darunter auch die Schizophrenie zu den schwersten psychischen Erkrankungen, da sie oft chronisch verlaufen und das Leben und den Alltag der Erkrankten oft stark be-einträchtigen. Und Psychosen seien sehr kostenintensiv. „Die jährlichen Gesamtausgaben werden auf insgesamt 4,4 bis 9,2 Milliarden Euro geschätzt. Dabei machen die Behandlungskosten selber nur ein Drittel der Ausgaben aus. Der Anteil der indirekten Kosten, der aufgrund von Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung entsteht, ist ungefähr drei bis viermal so hoch“, so die BPtK.

Patienten erhalten auch heute noch viel zu selten eine Psychotherapie

Lange Zeit wurde, so die BPtK weiter, nahezu ausschließlich eine medikamentöse Behandlung für wirksam gehalten. Die Ergebnisse der Psychotherapieforschung aus den letzten 20 Jahren widerlegten diese Einschätzung. Gleichwohl erhielten Patienten mit Psychosen bis heute zu selten Psychotherapie. Dafür setzt sich die BPtK und in ganz besonderem Maße Prof. Klingberg ein. Klingberg studierte in Münster Psychologie, wo er 1993 zum Thema „Rückfallprophylaxe bei Psychosen“ promovierte. Seit 1993 ist er an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen tätig, an der er 2003 habilitierte. Seit 2004 ist er Leitender Psychologe und Hochschuldozent in Tübingen. Dort veröffentlichte er auch viele wissenschaftliche Aufsätze zum Thema „Psychotherapie bei Psychosen“ und ist derzeit maßgeblich an der Aktualisierung der S3-Leitlinie Schizophrenie beteiligt. Klingberg ist darüber hinaus Mitgründer und Vorstandsmitglied des Dachverbands Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie. Dieser Dachverband ist ein Zusammenschluss von Personen, die in der Psychiatrie oder Versorgung von Menschen mit Psychosen tätig sind und das Ziel verfolgen, Psychotherapie in der Behandlung von Menschen mit Psychosen zu einem selbstverständlichen Angebot zu machen.

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. 

Foto: Fotolia - johannesspreter

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Psychotherapie

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.