. Craniomandibuläre Dysfunktion

Psychologische Beratung kann Kieferschmerzen reduzieren

Stress kann nicht nur auf den Magen schlagen, sondern auch Zähne und Kiefergelenk in Mitleidenschaft ziehen, zum Beispiel durch dauerhaftes Zähneknirschen. Folgen können starke Schmerzen im Kiefer sein. Psychologische Beratung und Physiotherapie helfen dann am besten.
Schmerzen im Kiefer

CMD ist oft mit starken Kieferschmerzen verbunden

CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) bezeichnet eine Funktionsstörung an Schädel und Kiefer, die meist mit Schmerzen im Kiefergelenk und in der Kaumuskulatur, mit einer eingeschränkten Kieferbeweglichkeit oder Mundöffnung sowie mit auffälligen Geräuschen im Kiefergelenk einhergeht. Die Störung kann auf strukturelle, funktionelle, biochemische oder psychische Fehlregulationen zurückzuführen sein. Etwa acht Prozent der Bundesbürger weisen Schätzungen zufolge Symptome einer CMD auf, aber nur bei rund drei Prozent sind sie behandlungsbedürftig. Frauen leiden häufiger unter der Funktionsstörung als Männer.

Psychoedukation verringert Kieferschmerzen

Geeignete Maßnahmen zur Behandlung der Kieferschmerzen sind eine Zahnschiene, Kiefergymnastik, die Massage der Kaumuskulatur, aber auch Psychotherapie, Entspannungsmaßnahmen und Sport. In einer aktuellen Pilotstudie haben Forscher nun versucht, die psychischen Faktoren bei chronischen Schmerzen im Kiefer zu erfassen sowie den Nutzen von psychologischer Beratung und physiotherapeutischen Maßnahmen auf die Schmerzempfindung und die funktionale Kieferöffnung zu bestimmen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich in der Fachzeitschrift „Der Schmerz“.

Für die Studie wurden 40 Patienten, die alle an Kieferschmerzen litten, untersucht. Sie erhielten Krankengymnastik sowie eine psychologische Beratung. Zu Beginn der Studie sowie nach drei und nach sechs Monaten füllten sie mehrere Fragebögen zu Schmerzempfinden und Befindlichkeit aus. Es zeigte sich, dass die psycho- und physiotherapeutischen Maßnahmen nach sechs Monaten zu einer signifikanten Reduzierung von Schmerzstärke und –chronifizierung sowie zur Verbesserung der Kieferöffnung und der Lebensqualität führten. Auch eine Verringerung der Angst- und Depressionssymptome war zu verzeichnen. Die Verbesserungen waren vom Grad der Schmerzchronifizierung abhängig.

 

Operation als letzte Möglichkeit

Die Studie konnte damit nachweisen, dass psychologische Maßnahmen, Entspannungs- und Physiotherapie eine sinnvolle Option bei chronischen Kieferschmerzen sind und unbedingt einer Behandlung am Zahnapparat oder gar einer Operation vorausgehen sollten. Insbesondere letztere sollte nicht voreilig durchgeführt werden. Die Studienautoren raten, Patienten immer auch zusätzlich psychotherapeutisch zu begleiten, vor allem wenn sie bereits einen schweren Chronifizierungsgrad ihrer Kieferschmerzen aufweisen.

Foto: © absolutimages - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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