. Depressionen

Psychischen Erkrankungen im Leistungssport mehr Aufmerksamkeit schenken

Psychische Erkrankungen unter Spitzensportlern sind nach wie vor ein Tabu. Betroffene scheuen sich, über ihre Erkrankung zu reden, und es fehlt an Unterstützungsangeboten. Das will die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ändern.
Sport und Depression

Nur wenige Leistungssportler bekennen sich zu einer Depression

Viele Menschen glauben, Menschen mit Depressionen seien träge und würden sich kaum bewegen. Doch psychische Erkrankungen sind im Leistungssport genauso häufig wie in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings ist hier für die Betroffenen die Hürde, sich professionelle Hilfe zu holen, noch höher als normalerweise. Denn trotz prominenter Beispiele wie Sebastian Deisler oder Robert Enke passen Depressionen oder Angststörungen nach wie vor nicht in das Bild des souveränen und leistungsorientierten Athleten. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) will das ändern und zeigt nun in einem Positionspapier Wege auf, wie durch gezielte Information, Forschung und eine verbesserte Versorgung mehr Verständnis für psychisch kranke Spitzensportler erreicht werden kann. 

Psychische Erkrankungen im Leistungssport immer noch stigmatisiert

Bisher, so erklären Vertreter der DGPPN, zielt sportpsychologische Unterstützung vor allem auf Leistungsoptimierung ab, nicht jedoch auf Hilfestellung bei psychischen Problemen. Auch fehlt es für die Versorgung von psychischen Erkrankungen im Spitzensport an den notwendigen Angeboten. Ein weiteres Problem ist, dass in dem leistungsorientierten Umfeld psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen immer noch mit einem erheblichen Stigma belegt sind. Leistungssportlern fällt es dadurch besonders schwer, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

DGPPN-Vorstandsmitglied Professor Frank Schneider erklärt: „Gerade bei Leistungssportlern ist die Diagnostik, Betreuung und Therapie von psychischen Erkrankungen dringend verbesserungsdürftig. Dafür gibt es evidenzbasierte Wege.“ Das DGPPN-Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“ will deshalb mit den etablierten acht sportpsychiatrischen Ambulanzen an Universitätskliniken durch eine gezielte Information der Öffentlichkeit und mit spezialisierten Behandlungsangeboten zu einem breiteren Verständnis für das Thema beitragen.

Leistungsdruck im Sport fördert psychische Probleme

Das Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“ strebt eine enge Vernetzung mit Sportmedizinern, Sportpsychologen, Vereinen und Verbänden an, um die Prävention und die individuelle therapeutische Versorgung von Leistungssportlern zu optimieren. Seit 2010 besteht das Referat an der Universitätsklinik Aachen; unterstützt wird es von der Robert-Enke-Stiftung.

Profisportler stehen heute häufig unter großem Leistungsdruck und sind chronischen Stressfaktoren wie kräftezehrenden Trainingseinheiten, Wettkampfdruck, einer kritischen Öffentlichkeit und nicht zuletzt wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Zudem wird selbst das nächste Umfeld wie beispielsweise die Trainingskollegen häufig als Konkurrenz erlebt. Diese Faktoren können dazu führen, dass die Psyche in gewissen Lebensmomenten mit Angstzuständen, Depressionen, Schlaf- oder Essstörungen reagiert. Psychologische Unterstützung ist daher gerade im Leistungssport unbedingt notwendig.

Foto: © Thaut Images - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

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