Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
18.09.2016

Psychische Krankheiten bei älteren Menschen häufiger als angenommen

Nach einer neuen Studie sind bis zu ein Drittel der Menschen zwischen 65 und 85 Jahren psychisch krank. Am häufigsten sind Angststörungen und Depressionen.
Eine neue Studie legt nahe, dass psychische Erkrankungen im Alter häufig unentdeckt bleiben

Eine neue Studie legt nahe, dass psychische Erkrankungen im Alter häufig unentdeckt bleiben

Bisher sind Ärzte davon ausgegangen, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen im höheren Alter sinkt. Eine Studie Universitätsklinikums Hamburg‐Eppendorf (UKE) zeigt nun, dass Angststörungen und Depressionen in der Altersgruppe der 65- bis 85-Jährigen häufiger vorkommen als bislang angenommen. Demnach litt ein Drittel der Untersuchten im vergangenen Jahr an einer psychischen Erkrankung, ein Viertel war akut betroffen. Am häufigsten wurden Angststörungen (17%) und Depressionen (14 %) diagnostiziert.

Bessere psychotherapeutische Versorgungsangebote gefordert

„Die Ergebnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund der bisher angebotenen Gesundheitsleistungen erschreckend“, sagt Prof. Dr. Martin Härter, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie am UKE. Es sei dringend geboten, bis dato beinahe gänzlich fehlende psychotherapeutische Versorgungsangebote für Menschen im höheren Lebensalter zu etablieren.

Ausgangspunkt für die Studie war die Annahme, dass die gültigen Diagnoseverfahren für Erwachsene schlechter für die Diagnose von psychischen Krankheiten bei älteren Menschen geeignet sind, etwa weil die Fragen zu lange und zu kompliziert sind.  Die Wissenschaftler am UKE entwickelten deshalb ein speziell für ältere Menschen angepasstes Diagnoseverfahren. Mit diesem Verfahren wurden dann 3.100 Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren in Spanien, Großbritannien, Deutschland, Italien, Israel und in der Schweiz untersucht.

 

Unzureichende Diagnostik

Die Forscher gehen davon aus, dass viele Erkrankungen mit der herkömmlichen Diagnostikmethoden unentdeckt bleiben. „Wir brauchen bessere und verlässlichere Wege, um zu eruieren, ob ein älterer Mensch an einer psychischen Erkrankung leidet“, so die Studienautoren im „British Journal of Psychiatry“, wo die Studie soeben publiziert wurde.

Foto: © Lisa F. Young - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten , Angst , Depression , Alter
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psychische Erkrankungen

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


10 bis 20 Prozent der offiziell „genesenen“ Covid-19-Patienten leiden Wochen bis Monate nach Abklingen der Infektionskrankheit weiter an deren Folgen. Hierzu zählt auch Atemnot, die selbst bei einfachen Alltagsbetätigungen wie dem Treppensteigen Erschöpfungszustände auslöst. Ein naturheilkundlicher beziehungsweise physiotherapeutischer Ansatz, um hier zu heilen, ist die „Reflektorische Atemtherapie“.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin