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Psychische Erkrankungen bei Kindern: Frühe Therapie erhöht Heilungschancen

Psychische Erkrankungen bei Kindern sind immer noch ein Tabu. Dabei sind etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland betroffen. Welche psychischen Störungen in jungen Jahren am häufigsten sind und wie die Chancen auf Heilung steht, wird nun in einem Faktenblatt der Bundespsychotherapeutenkammer beschrieben.
Psychische Erkrankungen bei Kindern

Wer als Kind unter psychischen Störungen leidet, bleibt häufig ein ganzes Leben lang dafür anfällig. Die Heilungschancen steigen aber, je früher mit einer Therapie eingesetzt wird.

Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind keine Seltenheit. Oft werden die Diagnosen zwar erst im Erwachsenalter gestellt, doch in vielen Fällen lassen sich erste Symptome schon in frühe Lebensjahre zurückverfolgen. Über die Hälfte aller psychischen Erkrankungen entsteht schon vor dem 19. Lebensjahr.

Innerhalb eines Jahres erkrankt jeder fünfte unter 18-Jährige an einer psychischen Störung – das sind 20 Prozent betroffene Kinder und Jugendliche jedes Jahr. Die häufigsten Störungen sind Angststörungen, depressive und hyperkinetische Störungen (Überaktivität) sowie dissoziale Störungen (dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten). Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat dazu nun ein "Faktenblatt Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen" veröffentlicht.

Depressionen bei Schulkindern nicht selten

Bis zum 4. Lebensjahr machen Entwicklungsstörungen laut BPtK rund 70 Prozent der psychischen Erkrankungen aus. Dies sind Probleme mit der Aussprache, dem Verstehen von Worten oder schwerwiegende Beeinträchtigungen der motorischen Koordination.

Im Schulalter nehmen vor allem Ängste und Depressionen zu. Fast fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden an überdurchschnittlichem Bewegungsdrang und Schwierigkeiten sich zu konzentrieren (ADHS). Häufig sind ferner dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten. Bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren nehmen dann Depressionen und psychosomatische Erkrankungen, aber auch Suchterkrankungen (Alkohol, Computerspiele und illegale Drogen) stark zu.

 

Jungen zeigen häufiger aggressives Verhalten, Mädchen Essstörungen

Zwischen den Geschlechtern gibt es vor allem Unterschiede bei der Art der psychischen Erkrankungen. Jungen erkranken beispielsweise viereinhalbmal so häufig an ADHS. Sie neigen stärker zu aggressivem und oppositionellem Verhalten, schwänzen häufiger die Schule oder laufen von zuhause weg. Sie sind auch häufiger suchtkrank.

Bei Mädchen überwiegen Essstörungen und psychosomatische Leiden. In ihrer Jugend leiden sie doppelt so häufig wie Jungen unter Depressionen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit.

Erkrankte Eltern erhöhen Risiko bei den Kindern

Erkrankungen der Eltern erhöhen das Risiko der Kinder, psychisch zu erkranken, deutlich. Dies können sowohl schwere und chronische körperliche (zum Beispiel Diabetes, Asthma, Rheuma oder Krebserkrankungen) als auch psychische Erkrankungen sein. Schätzungsweise drei Millionen Kinder in Deutschland haben einen Vater oder eine Mutter mit einer psychischen Störung. Diese Kinder haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, selbst psychisch zu erkranken.

Psychische Entwicklung in der Kindheit prägend für das ganze Leben

Wie sind nun die Erfolgsaussichten einer Heilung von psychischen Erkrankungen im Kindesalter? Laut BPtK kommt dies sehr auf die Art der Störung an. Eins steht fest: Kindheit und Jugend prägen ein Leben lang die psychische Entwicklung. Und wer als Kind oder Jugendliche psychisch erkrankt, ist auch als Erwachsene psychisch stärker gefährdet als andere.

Psychische Erkrankungen können zudem lange dauern. Bei der Hälfte der Kinder, die psychische Auffälligkeiten entwickeln, blieben diese über zwei Jahre bestehen. Ein Drittel war auch sechs Jahre später noch psychisch auffällig. Bei zwei von drei Kindern dauert eine behandlungsbedürftige ADHS bis ins Erwachsenenalter.

Dennoch gibt es gute Aussichten auf Heilung oder Besserung, wenn möglichst frühzeitig therapeutische und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Wichtig sind auch – darin sind sich alle Experten einig – vertrauensvolle Ansprechpartner, an die sich die Kinder wenden können.

Frühe Therapie verbessert Erfolgsaussichten

Einen eher ungünstigen Verlauf nehmen häufig Störungen des Sozialverhaltens – insbesondere dann, wenn sie schon früh in der Kindheit entstehen. Bei mehr als der Hälfte der Achtjährigen bestand die Störung des Sozialverhaltens noch 17 Jahre später. Vor allem nicht-soziales, aufsässiges und aggressives Verhalten erhöht das Risiko für schulische Misserfolge, soziale Isolierung, Straffälligkeit, Suchterkrankungen und psychische Probleme im Erwachsenenalter.

Dennoch erweisen sich auch in diesen Fällen Präventions- und Therapiemaßnahmen als wirksam – vor allem, wenn sie möglichst früh einsetzen. Ab einem Alter von drei Jahren sollten Störungen des Sozialverhaltens daher schon professionell behandelt werden.

Foto: Adobe Stock / Nichizhenova Elena

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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