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18.03.2019

Prügelstrafe macht Kinder offenbar gewaltbereiter

In Deutschland ist die Prügelstrafe gesetzlich verboten. Doch nicht alle Eltern halten sich daran. Welche langfristige Folgen das haben kann, hat eine Studie gezeigt: Demnach neigen Kinder, die körperliche Gewalt erlebt haben, später möglicherweise selbst verstärkt zu Gewalttaten.
Gewalt, Prüfgelstrafe

Gewalt in der Familie setzt sich oft fort

Körperliche Gewalt gegen Kinder kommt häufiger vor, als viele denken: Einer Untersuchung des Kinderhilfswerks Unicef zufolge haben weltweit etwa 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen innerhalb des Vormonats körperliche Bestrafung erfahren – entweder in der Schule oder zu Hause. Und nicht selten kommt es dann zu einer Gewaltspirale. Forscher kommen nach Auswertung von Daten aus 88 Ländern zu dem Ergebnis, dass es in Ländern, in denen die Prügelstrafe gegen Kinder verboten ist, auch zu weniger Gewalt unter Jugendlichen kommt. Die Studie wurde im „British Medical Journal Open“ veröffentlicht.

Jungen sind öfter in Prügeleien verwickelt als Mädchen

Das Wissenschaftlerteam um Frank Elgar von der McGill University in Montreal (Kanada) hatte für seine Analyse die Daten aus großen Studien der vergangenen Jahre benutzt und diese mit einigen landesweite Erhebungen verglichen. Als gewalttätig stuften die Forscher diejenigen Jugendlichen ein, die angaben, in den vergangenen zwölf Monaten an vier oder mehr körperlichen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen zu sein.

Mit wenigen Ausnahmen waren Jungen häufiger in Prügeleien verwickelt als Mädchen. Im Durchschnitt kam es bei knapp zehn Prozent der männlichen und knapp drei Prozent der weiblichen Jugendlichen zu regelmäßigen gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Ländern, in denen die Prügelstrafe verboten ist, waren die Gewalttaten von Kindern und Jugendlichen signifikant seltener.

 

Andere Faktoren als Ursachen für erhöhte Gewaltbereitschaft ausgeschlossen

Die Forscher untersuchten auch andere Faktoren wie Waffengesetze, das Vorhandensein von Elternerziehungsprogrammen oder Wohlstand, um mögliche andere Ursachen für die Unterschiede zu finden. Doch zur Überraschung der Wissenschaftler hatten diese Faktoren kaum Einfluss auf die Zahl der Gewalttaten unter Jugendlichen. „Wir gingen davon aus, dass wir in wohlhabenderen Ländern weniger Prügeleien finden würden, aber in Kambodscha, Myanmar und Malawi fanden wir die geringste Häufigkeit von Prügeleien bei männlichen Personen und an beiden Enden des Spektrums eine Mischung aus einkommensschwachen und einkommensstarken Ländern“, so die Forscher.

Als generelle Auswirkungen von Gewalt gegen Kinder gelten bei den Betroffenen unter anderem psychische Probleme, ein geringes Selbstwertgefühl, eine Einschränkung der Denkleistung sowie aggressives und antisoziales Verhalten. Eine direkte kausale Beziehung zwischen dem Verbot der Prügelstrafe und Gewalttaten unter Jugendlichen konnte die Studie allerdings nicht bewiesen, wie auch die Studienautoren einräumen.

Prügelstrafe in Deutschland verboten

In Deutschland ist eine körperliche Bestrafung von Kindern seit dem Jahr 2000 verboten. So heißt es im Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung seit November 2000: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Dennoch wird körperliche „Züchtigung“ in Teilen der Bevölkerung nach wie vor toleriert, solange sie nicht mit schweren körperlichen Eingriffen verbunden ist.

Die Gesetzeslage ist auch innerhalb Europas durchaus nicht einheitlich. So ist beispielsweise in Großbritannien Gewalt „in angemessenem Maß“ für Eltern erlaubt. Wales und Schottland überlegen derzeit, diese Regelung zu kippen. Das Ziel der aktuellen Studie war es unter anderem, Regierungen bei der Entscheidungsfindung für Gesetzesänderungen bezüglich der Prügelstrafe zu helfen.

Foto: © andranik123 - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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