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Protonenpumpenhemmer Auslöser von chronischen Nierenerkrankungen?

Freitag, 15. Januar 2016 – Autor:
Protonenpumpenhemmer werden sehr häufig verschrieben. Doch auf Dauer können sie zu verschiedenen Gesundheitsstörungen führen. Unter anderem sind sie mit einem erhöhten Risiko für chronische Nierenerkrankungen assoziiert.
Sodbrennen wird mit Protonenpumpenhemmern behandelt

Sodbrennen wird meist mit Protonenpumpenhemmern behandelt – Foto: papa - Fotolia

Experten kritisieren schon lange den sorglosen Umgang mit Protonenpumpenhemmern (PPI). Bei Sodbrennen und Magenbeschwerden werden Wirkstoffe wie Omeprazol oder Pantoprazol oft sehr schnell verschrieben, auch über einen langen Zeitraum. Einige Medikamente können mittlerweile auch rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden. Dabei drohen bei langfristiger Einnahme Nebenwirkungen wie etwa schwerwiegende Magen-Darm-Infektionen, beispielsweise mit dem Bakterium Clostridium difficile, oder häufigere Knochenbrüche. Der Grund: Protonenpumpenhemmer reduzieren die Magensäureproduktion um bis zu 98 Prozent; dadurch überleben Bakterien im Magen länger, und unter Umständen kann Kalzium nicht mehr ausreichend aus der Nahrung aufgenommen werden.

Risiko für chronisches Nierenversagen erhöht

Studien haben ebenfalls darauf hingewiesen, dass Protonenpumpenhemmer auf Dauer zu Herzbeschwerden oder chronischem Nierenversagen führen können. Um letzteres genauer zu erforschen, haben Wissenschaftler um Morgan Grams von der Johns Hopkins University in Baltimore nun zwei große Datenquellen aus­gewertet. An der ARIC-Studie („Atherosclerosis Risk in Communities“), die über fast 14 Jahre lief, hatten 10.472 Personen teilgenommen. Im Untersuchungszeitraum erkrankten 56 von 322 Teilnehmern, die zu Beginn der Studie Protonenpumpenhemmer eingenommen hatten, an einem chronischen Nierenversagen. Von den 10.160 Probanden, die keine PPI eingenommen hatten, entwickelten 1.382 chronische Nierenerkrankungen. Nach der Analyse der Forscher könnte demnach die Nutzung von Omeprazol und Co. über einen Zeitraum von zehn Jahren das Erkrankungsrisiko von 8,5 auf 11,8 Prozent erhöhen.

In der zweiten Kohorte wurden die Daten von 6.900 Versicherten des Geisinger Health System aus Pennsylvania ausgewertet. Bei 1.921 Probanden, die Protonenpumpenhemmer einnahmen, kam es innerhalb von sechs Jahren zu einem chronischen Nierenversagen. Bei den 231.851 Probanden, die kein PPI einnahmen, waren 28.226 Fälle von Nierenversagen zu verzeichnen. Das 10-Jahresrisiko für eine chronische Nierenerkrankung erhöhte sich den Forschern zufolge damit von 13,9 auf 15,6 Prozent. Zudem fanden sich auch Hinweise auf eine Dosis-Wirkungs-Abhängigkeit: Probanden, die zweimal täglich PPI einnahmen, hatten ein höheres Risiko als diejenigen, die nur einmal täglich zu den Medikamenten griffen.

 

Mehr Zurückhaltung bei Protonenpumpenhemmern gefordert

Die Forscher betonen, dass die Untersuchungen noch keinen endgültigen Beweis dafür liefern, dass Protonenpumpenhemmer die Nieren tatsächlich schädigen. Dennoch fordern sie Ärzte auf, bei der Verordnung der Medikamente mehr Vorsicht walten zu lassen. Bei einigen Erkrankungen sind die Arzneimittel allerdings unerlässlich, beispielsweise bei der Behandlung von Magengeschwüren oder der Refluxkrankheit. Auch wenn Patienten regelmäßig Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen einnehmen müssen, verhindern Protonenpumpenhemmer schwere Folgeerscheinungen. Dennoch, so die Studienautoren, müssen PPI nur in den seltensten Fällen dauerhaft oder gar lebenslang eingenommen werden.

Foto: © papa - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

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