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02.01.2017

Prostatakrebs: Strahlentherapie schonender als OP

Männer mit Prostatakrebs leiden später und seltener unter Inkontinenz oder Potenzstörungen, wenn sie sich für eine Strahlentherapie statt für eine OP entscheiden. Das ist das Ergebnis einer Studie.
Prostata-Untersuchung

Bei Prostatakrebs hat die Strahlentherapie weniger schädliche Nebenwirkungen als die OP

Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 64.000 Männer an Prostatakrebs. Für die Behandlung stehen verschiedene Therapie-Alternativen zur Verfügung. Abhängig vom Erkrankungsstadium kann eine Operation, eine Strahlentherapie, in manchen Fällen aber auch eine abwartende Haltung mit regelmäßiger Kontrolle angewendet werden.

Gerade bei älteren Patienten ist das Verschieben der Behandlung auf einen späteren Zeitpunkt eine mögliche Alternative, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (Degro).

Prostata entfernen, bestrahlen – oder abwarten

Bei der OP, der radikalen Prostatektomie, wird die Prostata samt Hülle entfernt. Bei der Strahlentherapie wird die Prostata von mehreren Seiten bestrahlt, wodurch die Krebszellen abgetötet werden. Für Patienten ist es oft nicht leicht, sich für eine Therapie zu entscheiden. Bei der Entscheidungsfindung könnten die Ergebnisse der britischen ProtecT-Studie helfen. Sie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Die Studie untersuchte den Effekt von Operation und Strahlentherapie und verglich sie mit einer abwartenden Haltung. Beteiligt waren 1.643 Patienten, die in einem frühen Stadium behandelt wurden. Ergebnis: Operation oder Strahlentherapie reduzierten das lokale Fortschreiten der Erkrankung und das Auftreten von Metastasen stärker als das Abwarten. Nach zehn Jahren waren allerdings gleich viele Patienten bei allen drei Behandlungsformen an ihrem Prostatakrebs verstorben.

 

Prostatakrebs: Bestrahlung schonender als OP

„Die Wahl der Behandlung hat auch wichtige Auswirkungen auf die Lebensqualität“, betont Prof. Jürgen Debus, Präsident der Degro und Direktor der Klinik für RadioOnkologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Eine Operation kann durch eine Verletzung der Harnröhre oder der Nerven im Bereich der Prostata Inkontinenz zur Folge haben. Ein halbes Jahr nach der Operation mussten 46 Prozent der Patienten regelmäßig Einlagen tragen, nach der Radiotherapie war dies nur bei vier Prozent der Patienten der Fall.

Ein weitere mögliche Nachwirkung von OP oder Strahlentherapie ist Impotenz. „Die Erektionsfähigkeit ist für viele Männer auch im hohen Alter wichtig“, sagt Prof. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Ulm. Sechs Monate nach der OP waren nur noch zwölf Prozent der Männer zum Geschlechtsverkehr in der Lage. Vor der Therapie waren es  67 Prozent. Der Anteil der Männer, die sechs Monate nach der Bestrahlung noch über eine ausreichende Erektionsfähigkeit verfügten, lag mit 22 Prozent fast doppelt so hoch wie nach der Operation.

Deutsche Vergleichsstudie musste abgebrochen werden

Durch die Anwendung von präziseren Techniken wie der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) könnten Nebenwirkungen, beispielsweise am Enddarm, deutlich vermindert werden, heißt es weiter in der Degro-Mitteilung. Stuhlinkontinenzen waren in der ProtecT-Studie nach der Strahlentherapie nicht häufiger als nach einer Operation.

Die deutsche Prefere-Studie, die bis 2030 die Langzeitfolgen der Therapie-Alternativen bei Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom vergleichen sollte, steht indes vor dem Scheitern. Grund: Es fanden sich nicht genug Urologen und Patienten, die sich beteiligen wollten. Neben OP, Strahlentherapie und aktivem Abwarten sollte hier auch die Brachytherapie einbezogen werden, bei der Strahlungsquellen direkt in die Prostata eingebracht werden.

Foto: ghazil/Fotolia.com

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