. Organspendekampagne

Promis sollen vom Organspendeausweis überzeugen

Weil die Zahl der Organspenden weiter sinkt, haben das Bundesgesundheitsministerium und die BZgA eine neue Organspendekampagne gestartet. Jetzt werben Prominente für mehr Vertrauen – und den Organspendeausweis.
Organspendekampagne: Menschen motivieren, über die Organspende nachzudenken

Organspendekampagne: Menschen motivieren, über die Organspende nachzudenken

Jeden Tag sterben drei Menschen in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan erhalten. Bundesweit stehen rund 12.000 schwerkranke Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation. Doch nach den jüngsten Organspendeskandalen haben sich deren Chancen auf ein neues Organ weiter verschlechtert. Mittlerweile hat die Zahl der Organspenden in Deutschland einen historischen Tiefstand erreicht.

Jetzt sollen Prominente das verlorengegangene Vertrauen in der Bevölkerung zurückerobern. Am Donnerstag, zwei Tage vor dem Tag der Organspende am 1. Juni, haben das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ihre neue gemeinsame Organspendekampagne vorgestellt. Sie steht unter dem Motto „Das trägt man heute: den Organspendeausweis“. Prominente wie der Schauspieler und "Tatort"-Kommissar Klaus J. Behrendt, Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm, Fernsehmoderator Markus Lanz und der Olympiasieger im Gewichtheben, Matthias Steiner, unterstützen die Kampagne. Die Testimonials sollen mehr Menschen dazu bewegen, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und einen Organspendeausweis auszufüllen.

„Mein Körper hat mich lebenslang das Leben genießen lassen. Warum sollen so wichtige Organe wie die Nieren, Leber, Herz, Hornhäute nach meinem Tod verbrannt oder vergraben werden?“, erklärt Kampagnen-Promi Klaus J. Behrendt auf die Frage, warum er einen Organspendeausweis bei sich trägt. „Ein anderer Mensch kann damit noch ein wunderbares Leben führen.“

Mehrheit der Deutschen stehen Organspenden positiv gegenüber - aber der Organspendeausweis ist unbeliebt

Damit noch mehr Menschen so wie Behrendt denken und handeln, braucht es nicht nur Sympathieträger. Es braucht auch Aufklärung und Information.  „Wir wissen, dass die große Mehrheit der Menschen in Deutschland grundsätzlich eine positive Einstellung zur Organspende hat“, sagt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, aber die wenigsten dokumentieren ihre Bereitschaft in einem Organspendeausweis.“ So haben Befragungen ergeben, dass 70 Prozent der deutschen Organspenden für eine gute Sache halten, aber aktuell nur 22 Prozent tatsächlich einen Organspendeausweis besitzen. Aus den Umfragen geht auch hervor, dass die Menschen eher bereit sind, eine persönliche Entscheidung zu treffen, wenn sie über das Thema Organspende gut informiert sind. Deshalb stellt die BZgA im Rahmen der neuen Kampagne kostenfrei Informationsmaterial zur Verfügung. „Dieses Angebot ist eine wichtige Voraussetzung, um eine selbstbestimmte Entscheidung zur Organspende zu treffen und sie in einem Ausweis zu dokumentieren“, meinte Elisabeth Pott am Donnerstag in Berlin.

Dokumentierte Entscheidung entlastet auch die Angehörigen

Nach der so genannten Entscheidungslösung bietet ein Organspendeausweis jedem die Möglichkeit, seine persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu dokumentieren. „Das schafft Klarheit, auch für die Angehörigen, die dadurch im Ernstfall entlastet werden“, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. „Ich hoffe, dass wir mit unserer neuen Kampagne die Menschen, die diesem Thema bisher aus dem Weg gegangen sind, anregen können, hier zu einer persönlichen Entscheidung zu kommen.“

Im Zuge der Kampagne haben BMG und BZgA außerdem einen Blog www.organspende-geschichten.de eingerichtet. Auf dieser Seite finden Nutzer Interviews mit den prominenten Kampagnenunterstützern, Reportagen von Menschen, für die das Thema Organspende zum Arbeitsalltag gehört, aber auch Geschichten von Spendern und Angehörigen. Der Blog stellt darüber hinaus Initiativen vor, die sich für das Thema Organspende einsetzen. Den Anfang macht der Berliner Verein „Junge Helden e.V.“ Einen Überblick zu allen Informationsangeboten gibt es auch im Internet unter www.organspende-info.de. Dort können auch Organspendeausweise heruntergeladen werden.

Foto: BZgA

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin

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