. Hirntumorforschung

Prognosemarker für Glioblastom identifiziert

Für das Glioblastom gibt es bislang nur wenige prognostische Marker. Doch nun scheinen vier microRNAs entscheidende Hinweise auf den Krankheitsverlauf zu liefern.
Bestrahlungsplan eines Glioblastoms: Krankheitsverlauf wird durch microRNAs leichter abschätzbar

Bestrahlungsplan eines Glioblastoms: Krankheitsverlauf wird durch microRNAs leichter abschätzbar

Die Prognose von Glioblastomen ist bekanntlich schlecht. Trotzdem gibt es große Unterschiede im Krankheitsverlauf: Während einige Patienten schon innerhalb der ersten fünf Monate versterben, sind andere nach fünf Jahren noch am Leben. Warum das so ist, ist bislang nicht hinreichend erklärt. Denn für das Glioblastom sind nur wenige prognostische Faktoren identifiziert: Der bedeutendste molekulare Marker ist der sogenannte MGMT-Status (Methylierung der O6-methylguanintransferase), von dem bekannt ist, dass Patienten besser auf die Chemotherapie ansprechen.

Vier MicroRNAs deuten auf schlechte Prognose hin

Hinweise, dass sich die unterschiedlichen Krankheitsverläufe künftig anhand von MicroRNAs besser abschätzen lassen, kommen jetzt aus München. Dort hatten Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum und der Ludwig-Maximilians-Universität vier MicroRNAs identifiziert, die für eine ungünstige Prognose stehen – ganz unabhängig vom MGMT-Status. MicroRNAs oder miRNAs oder sind eine Klasse von Molekülen, die unter anderem den Aufbau von Proteinen verhindern können. Inwieweit nun die vier identifizierten Marker direkt oder indirekt zur Tumorentstehung beitragen, können die Forscher noch nicht sagen. Jedoch deutet vieles darauf hin, dass sie Auskunft über den Krankheitsverlauf von Glioblastomen nach der Standardtherapie geben können. „Vier miRNAs konnten wir immer wieder in Tumoren finden, die eine besonders schlechte Prognose hatten“, erklärt dazu PD Dr. Karim-Maximilian Niyazi, Oberarzt am Klinikum der Universität München (Campus Großhadern) und Erstautor der Studie.

Fünf Monate Unterschied beim Überleben

Für die Studie hatten die Wissenschaftler Tumorproben von 36 Patienten untersucht, deren weiterer Behandlungsverlauf gut dokumentiert worden war. Anhand dieser Daten wurde ein Risikoscore ermittelt, wobei sich die Lebenserwartung bei einer Standardtherapie um rund fünf Monate unterschied. Wenn die mikroRNAs hsa-let-7a-5p, hsa-let-7b-5p und hsa-miR-125a-5p in den Proben seltener und die mikroRNA hsa-miR-615-5p häufiger vorkamen, überlebten die Patienten im Schnitt 13,5 Monate: War dagegen das Verhältnis der vier mikroRNAs genau umgekehrt, betrug die durchschnittliche Überlebenszeit 18,4 Monate. Patienten mit dem niedrigsten Risikoscore lebten demnach also knapp fünf Monate länger als die mit dem höchsten Wert. Der Abgleich mit 58 weiteren Tumorproben untermauerte die Vermutung: Die Zusammensetzung der miRNAs veränderte sich, je schlechter die Aussicht auf Therapieerfolg war.

Entscheidungshilfe für intensivierte Therapie

„Unsere Methode könnte dazu dienen, Kandidaten für alternative beziehungsweise intensivierte Therapiemöglichkeiten zu identifizieren, da Patienten mit einem hohen Risikoscore sehr wahrscheinlich nicht von einer Standardtherapie profitieren werden“, sagt Studienleiter Dr. Kristian Unger vom Helmholtz Zentrum München. Es sei aber auch der umgekehrte Fall denkbar, nämlich dem Patienten eine intensive Therapie zu ersparen und eine palliativmedizinische Behandlung vorzuziehen.

Foto: Klinikum der Universität München

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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