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Prof. Hans Georg Näder

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Ein Porträt über den Familienunternehmer Hans Georg Näder, erschienen in BERLIN MEDICAL Nr. 3/2009
Prof. Hans Georg Näder

Prof. Hans Georg Näder

Weltmeister in der Prothetik

Hans Georg Näder ist Familienunternehmer. In dritter Generation führt er die Geschäfte der Otto Bock Heathcare GmbH. Jetzt kommt das Medtech-Unternehmen wieder nach Berlin. Das Science Center Medizintechnik eröffnet im Juni seine Pforten. Hans Georg Näder hat es sich ausgedacht.


Dass er ein Genussmensch ist, sieht man ihm an. Hans Georg Näder ist der Typus klein und rundlich, aber immer gut gelaunt. Ein sympathischer Mann, mit dem man glatt ein Bier trinken gehen könnte, um zwanglos über seine Kinder, Haustiere oder seine Leidenschaft fürs Segeln zu plaudern. Und natürlich über Otto Bock. Dabei ist Näder einer von den ganz Erfolgreichen, einer der auf der Rangliste der reichsten Deutschen steht. Wo, will er nicht sagen. Prahlen war noch nie sein Ding. Näder ist solider Mittelständler, wer ihn trifft, weiss warum.

"Ich möchte die Lebensqualität für Menschen mit körperlichem Handicap verbessern", sagt Näder und meint es nicht nur so. Sein Unternehmen ist der Beweis. Otto Bock Healthcare sorgt dafür, dass Arm- und Beinamputierte ein nahezu normales Leben führen können. Mit dem C-Leg, einem intelligenten mikroprozessorgeregelten Beinprothesensystem, hat das Unternehmen die Prothetik revolutioniert. Weltmarktführer ist es in diesem Bereich und kann auf ständig wachsende Erfolge blicken. Seit Hans Georg Näder 1990 die Geschäftsführung von seinem Vater übernahm, hat sich die Mitarbeiterzahl fast verdreifacht, der Umsatz vervierfacht. 582 Millionen Euro betrug er im vergangenen Jahr, 86 Millionen der Gewinn. 

"Nicht mäkeln, sondern machen", lautet das Credo von Hans Georg Näder.  

Näder spricht nicht über seine Erfolge, ohne zugleich auf seine Verantwortung als Unternehmer zu verweisen. Er sehe sich in der Pflicht, die Firma in eine erfolgreiche Zukunft zu führen - wegen der langen Familientradition, wegen der Mitarbeiter und wegen seiner Kunden, den Menschen mit Behinderung. Dafür dreht Hans Georg Näder an einem ganz grossen Rad. "Unsere tägliche Herausforderung besteht darin, die Welt mit den Augen von Menschen mit einem körperlichen Handicap zu sehen", erklärt Näder. Mit der Entwicklung neuer Technologien und Produkte tritt er diese Herausforderung zusammen mit weltweit 4.500 Mitarbeitern an. Seine Prothesen, Orthesen, Rollstühle und Produkte zur Neurostimulation geben Menschen ein Stück ihrer Mobilität zurück. Und, ganz wichtig, sie schenken ihnen eine neue Lebensqualität. Sein grosses Anliegen: Das Thema Behinderung in ein neues Licht zu rücken. - weg von der Mitleidsperspektive. So engagiert sich sein Unternehmen bei den Paralympics und zeigt auf Plakaten coole Menschen mit Prothesen.

Holzbeine waren es, mit denen die Erfolgsstory Otto Bock begann. Dieser Tage wird sie 90 Jahre alt. 1919 hatte Näders Grossvater, der Orthopädiemechaniker Otto Bock, in Kreuzberg eine Firma gegründet. Erstmals wurden dort serienmässig Prothesen und orthopädische Produkte hergestellt, um tausende Weltkriegsversehrte zu versorgen. Otto Bock hat damit den Grundstein für die "Orthopädische Industrie" gelegt.

Näder geht mit diesem Erbe sorgsam um. Die Firma sei sein Leben, bekennt der 48-jährige Niedersachse, kein Renditeobjekt. Unvorstellbar wäre es für ihn, die Firma zu verkaufen oder in einen Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Gerade die aktuelle Krise habe gezeigt, dass wieder innere Werte von Unternehmen anstelle von Shareholder Value in den Mittelpunkt rücken müssten. Familienunternehmen mit soliden Inhaberstrukturen stünden wieder hoch im Kurs.

Höhepunkt der 90-jährigen Erfolgsgeschichte: Das Science Center Medizintechnik

Das Comeback nach Berlin zeigt einmal mehr, wie Näder den Bogen zwischen Familientradition und Unternehmenszukunft spannt. Das Science Center Medizintechnik ist die weltweit erste Bühne, die die Bedeutung von Gehen und Greifen einem breiten Publikum erfahrbar machen soll. Nach einem Entwurf von Gnädinger Architekten aus Berlin wird der spektakuläre Bau zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor, dessen Fassade der Struktur von Muskelfasern nachempfunden ist, zur Erlebniswelt für innovative Technologie. "Die Ausstellung soll Medizintechnik für jedermann zum spannenden Erlebnis werden lassen", meint Hans Georg Näder.

Die Bespielung der Marke Otto Bock in dem neuartigen Showroom hat sich der umtriebige Unternehmer einiges kosten lassen. Mutig sei dieser Schritt gewesen, aber wichtig. Berlin sei die Drehscheibe der Medizin, hier werde Zukunft gemacht. Und da will der Weltmeister in der Prothetik unbedingt dabei sein. Wenn Ende Juni das Science Center Medizintechnik eröffnet, geht ausserdem ein langer Traum für Hans Georg Näder in Erfüllung: Otto Bock kehrt zu seinen historischen Wurzeln zurück.  

Weitere Informationen:

PROFESSOR HANS GEORG NÄDER, 1961 im niedersächsischen Duderstadt geboren, studierte Betriebswirtschaft und übernahm 1990 von seinem Vater Max Näder, dem Schwiegersohn des Firmengründers Otto Bock, die Führung des Familienunternehmens. Seither lenkt Hans Georg Näder als Geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke der Otto Bock Firmengruppe, zu der neben der Otto Bock HealthCare auch die Otto Bock Kunststoff und der IT-Dienstleister Sycor gehören. Die aussergewöhnlichen unternehmerischen Erfolge finden auch in der Öffentlichkeit grosse Anerkennung. So wurde Professor Hans Georg Näder im November 2003 mit einem der höchsten deutschen Wirtschaftspreise ausgezeichnet. In der Königsklasse "Industrie" wurde er zum "Entrepreneur des Jahres 2003" gewählt, gleichzeitig für die Wahl zum "Weltunternehmer des Jahres" nominiert und damit in die internationale "Hall of Fame" der erfolgreichsten Unternehmer aufgenommen. Die Private Fachhochschule Göttingen berief ihn 2005 zum Honorar-Professor. Sein unternehmerisches Know-how stellt er zudem in verschiedenen hochrangigen Fachgremien zur Verfügung, unter anderem als Vorstandsmitglied der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund. Im November 2005 verlieh ihm Ministerpräsident Christian Wulff den Staatspreis des Landes Niedersachsen für herausragendes unternehmerisches Engagement.  

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