. Porträt

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker

Position

Wer wie Jörg Hacker zum erlauchten Kreis der Wissenschaftler der Leopoldina gewählt wird, der wird nicht gleich Präsident von Deutschlands ältester naturwissenschaftlich-medizinischer Gelehrtengesellschaft. Hacker ist es geworden, im März 2010.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker

Der Präsident der Leopoldina, realistisch und unaufgeregt

Zunächst muss man erst mal gut sein, um dort hin zukommen, wo Jörg Hacker ist. In die Leopoldina wird nämlich nur gewählt, wer besondere wissenschaftliche Leistungen nachweisen kann. Eintreten kann keiner. Da verwundert nicht, dass unter den rund 1 400 aktiven Mitgliedern 29 Nobelpreisträger sind. Jörg Hacker hat zwar keinen Nobelpreis, aber er ist Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina geworden, nachdem er zwölf Jahre lang Mitglied war. Die traditionsreiche Einrichtung ist seit 2008 ebenfalls Nationale Akademie der Wissenschaften.

Die Aufgaben der Leopoldina fasst Hacker, der Bach-Liebhaber, in wenigen Worten zusammen: "Wissenschaftler aus aller Welt zusammenbringen und die Politik und Öffentlichkeit in wissenschaftspolitischen Fragen beraten". Man organisiere aber auch Veranstaltungen und vertrete Deutschlands Wissenschaft und Forschung im internationalen Rahmen.

Über sich selbst spricht Hacker weniger gern. Alles, was er sagt, ist: "Ich versuche die Dinge realistisch und unaufgeregt anzugehen." An diese Lebensphilosophie halte er sich nach dem Motto "more relaxed goes better". Hinter seiner unprätentiösen Erscheinung steckt ein vielfach ausgezeichneter Forscher und erfahrener Wissenschaftsmanager. Zuvor hatte der Mikrobiologe, der von 2003 bis 2009 auch Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft war, das Robert Koch-Institut in Berlin geleitet.

Hackers wissenschaftliche Laufbahn begann mit seiner Habilitation am Institut für Mikrobiologie der Universität Würzburg im Jahr 1986. Bald erhielt er eine Professur für Mikrobiologie und wurde 1993 Vorstand des neu gegründeten Instituts für Molekulare Infektionsbiologie in Würzburg. 2003 wurde er Gründungsmitglied des Zentrums für Infektionsforschung der Universität Würzburg. "Besonders wichtig für meine Laufbahn waren die Untersuchungen zur Klonierung von Genen in den Siebziger und frühen Achtziger Jahren, die zeigten, dass man Erbmaterial gezielt verändern kann", sagt Hacker. "Auf der Grundlage dieser Daten wurden dann viele Experimente durchgeführt." Wichtig, weil Hackers spätere Arbeit zum Teil darauf aufbaute.

Gemeinsam mit anderen hat Hacker im Würzburger Arbeitskreis die Grundlagen für die molekulare Erforschung von Bakterien und Krankheitserregern gelegt. "Es kommt darauf an, den einzelnen Erbanlagen Funktionen zuzuordnen und zu verstehen, wie zum Beispiel eine krankmachende Eigenschaft, die Vorliebe für eine bestimmte Wirtsart oder eine Antibiotikaresistenz entsteht." Bekannt wurde der Würzburger Wissenschaftler für das von ihm entwickelte Konzept der Pathogenitätsinseln, das für das Verständnis des Genomaufbaus bakterieller Krankheitserreger als grundlegend gilt.

All das hat wohl sein Übriges hat dazu getan, dass Jörg Hacker im Alter von 58 Jahren wieder nach Halle, die Stadt seiner Studienzeit, ziehen durfte. Denn dort hat die Leopoldina seit 1878 ihren Sitz.

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