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20.01.2013

Probiotika schützen Darm bei Therapie mit Antibiotika

Antibiotika stören die natürliche Darmflora und ermöglichen es schädlichen Keimen, sich zu vermehren. Schützen können Probiotika, wie eine kanadische Studie belegt.
Probiotika schützen Darm bei Antibiotika-Therapie

Probiotika können vor Clostridium-difficile-assoziierter-Diarrhö (CDAD) schützen

Antibiotika sind hochwirksame Arzneimittel, mit denen Infektionen in der Regel schnell bekämpft werden können. Doch sie sind nicht ohne Nebenwirkungen. Oft stellt sich nach wenigen Tagen der Antibiotikaeinnahme Durchfall ein. Nicht selten sind die Nebenwirkungen so schwer, dass das Antibiotikum vorzeitig abgesetzt wird - ein fataler Fehler, der zu Rückfällen und sogar Resistenzen führen kann.

Die Ursache des durch Antibiotika hervorgerufenen Durchfalls ist meist eine ins Ungleichgewicht gebrachte Darmflora. Da die Antibiotikatherapie auch nützliche Darmbakterien vernichtet, haben andere, zum Teil schädliche Mikroorganismen leichtes Spiel. Etwa ein Drittel aller Diarrhöen, die im Zusammenhang mit einer Antibiotikatherapie stehen, werden von Clostridium difficile ausgelöst. Vor allem ältere Patienten, die Breitbandantibiotika erhalten, sind davon betroffen.

Probiotika können vor Clostridium-difficile-assoziierter-Diarrhö (CDAD) schützen

Dass es dazu nicht kommen muss und Probiotika vor durch Antibiotika hervorgerufenen Durchfällen schützen können, wird schon lange vermutet, und einige Studien stützen diese These. Eine kanadische Metaanalyse bestätigt dies nun ebenfalls. Die Forscher haben untersucht, ob die zusätzliche Einnahme von Probiotika während oder kurz nach Beginn einer Antibiotikatherapie das Risiko für eine Clostridium-difficile-assoziierte-Diarrhö (CDAD) senken kann.

Die kanadischen Wissenschaftler werteten die Daten von insgesamt 20 Studien aus, in denen untersucht worden war, wie effektiv Probiotika eine CDAD unter Antibiotika verhindern können. Die 3818 Patienten, darunter Erwachsene, Kinder und auch Säuglinge, hatten zum Antibiotikum entweder Probiotika oder ein Placebo beziehungsweise nichts eingenommen. Das Vorhandensein von Clostrium difficile wurde durch die Kultur oder im Toxin-Test nachgewiesen.

 

Probiotika sind gut verträglich

Die Analyse konnte zeigen, dass Probiotika wie Bifidobacterium, Lactobacillus, Saccharomyces oder Streptococcus species das Risiko für eine CDAD unter Antibiotika im Durchschnitt um 66 Prozent senken können. Die Verträglichkeit der Zusatzmedikation erwies sich als sehr gut. Von unerwünschten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Bauchkrämpfen, Fieber oder weichen Stühlen berichteten 9,3 Prozent der Probanden, die ein Probiotikum eingenommen hatten, und 12,6 Prozent der Teilnehmer, die ein Placebo bekommen hatten.  

Schwere Nebenwirkungen waren gar nicht zu verzeichnen. Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich in Subgruppenanalysen für Kinder und Erwachsene sowohl bei höherer als auch bei niedriger Dosierung sowie mit unterschiedlichen Probiotika. Die Autoren erklärten, dass es angesichts der geringen Kosten und der guten Verträglichkeit keinen Grund gäbe, Patienten mit CDAD-Risiko eine Prophylaxe mit Probiotika vorzuenthalten.

Foto: detailblick/fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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