Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
25.06.2016

Probiotika könnten bei Autismus helfen

Probiotika könnten bei Autismus helfen: US-Forscher verabreichten Mäusen bestimmte Darmbakterien. Diese kehrten bei einigen Tieren Verhaltensdefizite um, die zu den Autismus-Spektrum-Störungen gehören.
Autismus

Darmbakterien beeinflussen das soziale Verhalten

Die Wissenschaftler vom Baylor College of Medicine in Houston hatten beobachtet, dass das Fehlen einer spezifischen Art von Darmbakterien soziale Defizite bei Mäusen verursachte. Diese Bakterienart gaben sie nun den Tieren. „Ob es beim Menschen wirksam sein könnte, wissen wir noch nicht“, meint Studien-Autor Prof. Mauro Costa-Mattioli, Neurowissenschaftler und Direktor des Memory and Brain Research Center (MBRC) an der Baylor Universität.

Hintergrund der Experimente: Vorangegangene Studien hatten gezeigt, dass ein Übergewicht der Mütter das Autismus-Risiko der Kindern erhöht. Fettleibigkeit ist mit einem veränderten Darm-Mikrobiom verbunden. Darüber hinaus berichten Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen über wiederkehrende Magen-Darm-Probleme.

Darm-Bakterien beeinflussten soziales Verhalten

Die Forscher fütterten nun 60 weibliche Mäuse mit einer fettreichen Diät, die bei Menschen einem mehrmals täglichen Fastfood-Konsum entsprach. Als die Mäuse Junge zur Welt brachten, bleiben diese drei Wochen bei der Mutter und wurden dann auf eine normale Ernährung umgewöhnt. Nach vier Wochen zeigten diese Nachkommen Verhaltensdefizite: Sie verbrachten weniger Zeit mit ihren Artgenossen und iniitierten keine Interaktionen.

Die Jungen der übergewichtigen Mütter hatten eine andere Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms als die Jungen aus der Kontrollgruppe, deren Mütter normal ernährt wurden. Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass sich aus dem Mikrobiom einer Maus vorhersagen ließ, ob sie Verhaltensauffälligkeiten zeigen würde.

 

Probiotika halfen gegen Autismus-Spektrum-Störungen

Die Forscher stellten nun fest, dass im Mikrobiom der Mäuse mit Müttern auf Fett-Diät die Bakterien-Arzt Lactobacillus reuteri um mehr als das Neunfache seltener vorkam als in der Darmbesiedelung der Kontrollgruppe. Sie isolierten diesen Bakterienstamm aus menschlicher Muttermilch, kultivierten ihn und mengten ihn in das Trinkwasser der betroffenen Mäusejungen. Daraufhin normalisierte sich deren soziales Verhalten.

Außerdem wurde die Produktion des Bindungs-Hormons Oxytocin gefördert, das auch für das menschliche Sozialverhalten eine große Rolle spielt. Autisten bilden zu wenig davon. Zudem wurden in den Mäusegehirnen Veränderungen beobachtet: Die synaptischten Aktivitäten nach dem Kontakt mit anderen Mäusen wurden nach der Bakterien-Gabe wiederhergestellt. Fazit der Forscher: Probiotika sollten zu Behandlung von neurologischen Störungen beim Menschen weiter untersucht werden. Ihre Studie erschien im Fachblatt Cell.

Foto: Mizina

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Autismus , Probiotika
 

Weitere Nachrichten zum Thema Autismus

Seit einiger Zeit wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Spiegelneurone bei der Entstehung von Autismus spielen. Vieles ist dabei noch unklar. Eine neue Studie hat nun offenbar bestätigt, dass die Funktion der Spiegelneurone bei Menschen mit Autismus zumindest zum Teil eingeschränkt ist.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
 
Kliniken
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin