. Autismus

Probiotika könnten bei Autismus helfen

Probiotika könnten bei Autismus helfen: US-Forscher verabreichten Mäusen bestimmte Darmbakterien. Diese kehrten bei einigen Tieren Verhaltensdefizite um, die zu den Autismus-Spektrum-Störungen gehören.
Autismus

Darmbakterien beeinflussen das soziale Verhalten

Die Wissenschaftler vom Baylor College of Medicine in Houston hatten beobachtet, dass das Fehlen einer spezifischen Art von Darmbakterien soziale Defizite bei Mäusen verursachte. Diese Bakterienart gaben sie nun den Tieren. „Ob es beim Menschen wirksam sein könnte, wissen wir noch nicht“, meint Studien-Autor Prof. Mauro Costa-Mattioli, Neurowissenschaftler und Direktor des Memory and Brain Research Center (MBRC) an der Baylor Universität.

Hintergrund der Experimente: Vorangegangene Studien hatten gezeigt, dass ein Übergewicht der Mütter das Autismus-Risiko der Kindern erhöht. Fettleibigkeit ist mit einem veränderten Darm-Mikrobiom verbunden. Darüber hinaus berichten Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen über wiederkehrende Magen-Darm-Probleme.

Darm-Bakterien beeinflussten soziales Verhalten

Die Forscher fütterten nun 60 weibliche Mäuse mit einer fettreichen Diät, die bei Menschen einem mehrmals täglichen Fastfood-Konsum entsprach. Als die Mäuse Junge zur Welt brachten, bleiben diese drei Wochen bei der Mutter und wurden dann auf eine normale Ernährung umgewöhnt. Nach vier Wochen zeigten diese Nachkommen Verhaltensdefizite: Sie verbrachten weniger Zeit mit ihren Artgenossen und iniitierten keine Interaktionen.

Die Jungen der übergewichtigen Mütter hatten eine andere Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms als die Jungen aus der Kontrollgruppe, deren Mütter normal ernährt wurden. Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass sich aus dem Mikrobiom einer Maus vorhersagen ließ, ob sie Verhaltensauffälligkeiten zeigen würde.

 

Probiotika halfen gegen Autismus-Spektrum-Störungen

Die Forscher stellten nun fest, dass im Mikrobiom der Mäuse mit Müttern auf Fett-Diät die Bakterien-Arzt Lactobacillus reuteri um mehr als das Neunfache seltener vorkam als in der Darmbesiedelung der Kontrollgruppe. Sie isolierten diesen Bakterienstamm aus menschlicher Muttermilch, kultivierten ihn und mengten ihn in das Trinkwasser der betroffenen Mäusejungen. Daraufhin normalisierte sich deren soziales Verhalten.

Außerdem wurde die Produktion des Bindungs-Hormons Oxytocin gefördert, das auch für das menschliche Sozialverhalten eine große Rolle spielt. Autisten bilden zu wenig davon. Zudem wurden in den Mäusegehirnen Veränderungen beobachtet: Die synaptischten Aktivitäten nach dem Kontakt mit anderen Mäusen wurden nach der Bakterien-Gabe wiederhergestellt. Fazit der Forscher: Probiotika sollten zu Behandlung von neurologischen Störungen beim Menschen weiter untersucht werden. Ihre Studie erschien im Fachblatt Cell.

Foto: Mizina

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Autismus , Probiotika
 

Weitere Nachrichten zum Thema Autismus

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind noch nicht hinreichend verstanden. Zunehmend geraten B-Zellen in Verdacht, Schäden in der Hirnhaut auszulösen. Eine neue Arbeit der TU München liefert nun wertvolle Erkenntnisse.
Die Deutschen nehmen immer mehr Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Ob das sinnvoll ist, bleibt jedoch fraglich. Die Verbraucherzentralen warnen unter anderen davor, dass viele Präparate zu hoch dosiert sind.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.