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PrEP: Birgt der HIV-Schutz auch Gefahren?

Mit der Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, kann man sich vor einer Ansteckung mit HIV schützen. Die Übertragung anderer Geschlechtskrankheiten verhindert sie jedoch nicht. Wissenschaftler versuchen nun herauszufinden, ob die PrEP das Risiko für Syphilis und Co. erhöht.
PrEP

Die PrEP beinhaltet einen Medikamentencocktail, der vor einer Ansteckung mit HIV schützt.

Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis – Menschen, die sich mit Medikamenten vor HIV schützen, haben oft andere Geschlechtskrankheiten, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach ist fast jeder vierte PrEP-Nutzer von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI) betroffen. Das sind die Ergebnisse einer Analyse, die kürzlich im Fachmagazin „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde.

Dass durch PrEP das Risiko einer Ansteckung mit anderen STIs steigt, ist also nicht unwahrscheinlich. Nachweisen ließ sich das bisher jedoch nicht. Dennoch warnen Mediziner davor, PrEP als Freifahrtsschein zu benutzen. Zudem droht bei falscher Einnahme die Entwicklung von Resistenzen. Die Langzeitfolgen der prophylaktischen Therapie sind also längst nicht absehbar.

Syphilis und Co. nicht unterschätzen

Dass die Einführung der Präexpositionsprophylaxe zu großen Hoffnungen führte, ist verständlich. Es klingt ja auch sehr einfach: Vor dem Sex einfach eine Pille nehmen und die Gefahr einer Ansteckung mit HIV ist gebannt. Die oft geäußerte Sorge ist jedoch, dass die PrEP-Nutzer nun seltener Kondome benutzen und dadurch die Infektion mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten steigt. Dazu kann beitragen, dass andere STIs nicht so bedrohlich wirken wie HIV.

Schwerwiegende Folgen können diese Erkrankungen dennoch haben – vor allem weil immer mehr Antibiotika versagen und somit vermehrt Fälle von behandlungsresistenten Syphilis oder Tripper auftreten. Zudem kann eine unbehandelte – oder nicht mehr behandelbare – Syphilis zu schwersten Symptomen wie Taubheit, Lähmungen und sogar zum Tod führen. Und eine Gonorrhoe kann wie manche anderen sexuell übertragbaren Krankheiten unfruchtbar machen. Besonders problematisch sind viele diese Erkrankungen, weil sie häufig erst spät zu Symptomen führen. So werden sie oft unwissentlich immer weiter übertragen – teilweise jahrelang.

 

Studie findet kein erhöhtes Risiko für STI

Eine Zunahme von sexuell übertragbaren Erkrankungen durch PrEP konnten Studien dennoch nicht nachweisen, auch die aktuelle Studie nicht. Für sie hatten Forscher um Jason Ong von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in London 88 Untersuchungen von fünf Kontinenten analysiert. Experten zufolge sind die Ergebnisse der Studie jedoch nicht in der Art miteinander vergleichbar, dass sich daraus das absolute Risiko für STIs ableiten ließe.

Auch Armin Schafberger von der Deutschen Aidshilfe betont, dass sich aufgrund der voliegenden Daten nicht analysieren lasse, ob PrEP das Risiko für andere Geschlechtskrankheiten erhöhe. „Ob oder wie stark Menschen vom Kondom auf PrEP umgestiegen sind und damit ein höheres STI-Risiko hatten, lässt sich aus dieser Studie nicht ablesen“, so Schafgeber.

Begleitende Beratung bei PrEP besonders wichtig

Dennoch zeigt die Studie, dass sexuell übertragbare Krankheiten bei Menschen, die die PrEP benutzen, eine besonders große Rolle spielen. Daher sei es besonders wichtig, diesen Personen begleitende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten anzubieten, so die Autoren. Schafberger sieht in den Zahlern auch etwas Positives: „Sie zeigen, dass man über die PrEP-Behandlung tatsächlich die Gruppen erreicht, die ein großes Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten haben.“ Damit sei die Chance für vorbeugende Maßnahmen verbunden.

In Deutschland muss sich jeder, der eine PrEP-Behandlung erhält, alle drei Monate auf HIV untersuchen lassen. Die Leitlinien empfehlen zudem regelmäßige Untersuchungen auf Hepatitis C, Syphilis, Tripper und Chlamydien.

Unzuverlässige Einnahme kann Resistenzbildung befördern

Besonders wichtig ist bei PrEP die zuverlässige Einnahme, um einer Resistenzentwicklung vorzubeugen. Wird die Pille vergessen, verliert die Prophylaxe ihren Schutz und das Virus kann sich trotz einer weiteren Einnahme ungehindert vermehren. Die Gefahr: Betroffene stecken andere an, ohne es zu wissen.

Wer sich mit PrEP schützen möchte, sollte also genau wissen, an welche Voraussetzungen das gebunden ist. Eine begleitende Beratung ist daher essenziell. Und nach wie vor gilt: Wirklich schützen kann man sich nur durch Safer Sex.

Foto: © mbruxelle - stock.adobe.com

Foto: ©mbruxelle - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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