. Medikamentenpreise

Preispoker um Arzneimittel

Erstmals müssen Pharmaunternehmen mit Krankenkassen über Preise für neue Medikamente verhandeln. Am Montag, 23. Januar starteten in Berlin die ersten zentralen Preisverhandlungen nach Inkrafttreten des Arzneigesetzes AMNOG.
AstraZeneca

AstraZeneca

Das AMNOG gilt als wichtigster Einschnitt für die Pharmaindustrie, das Gesetz trat angesichts immer höherer Kosten für Arzneimittel im vergangenen Jahr (Januar 2011) in Kraft. Seit Montag verhandelt nun der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen mit AstraZeneca über den Erstattungspreis für den neuen Blutverdünner Ticagrelor, Handelsname Brilique. Dem Medikament, das Herzinfarkte verhindern soll, wird ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionenbereich vorausgesagt.

Claus Runge von der Geschäftsleitung der Astra Zenec bezeichnete gegenüber der dpa das neue Medikament als echte Innovation. Das sieht sogar der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) so. Das oberste Gremium von Ärzten, Kassen und Kliniken hatte zuvor festgestellt, dass das Mittel bei rund 80 Prozent der Patienten mit Akutem Koronarsyndrom, also unter anderem mit Herzinfarkt, einen zusätzlichen Nutzen hat gegenüber bisher gebräuchlichen Mitteln wie Clopidogrel. Jetzt geht es darum, was das Medikament kosten darf. Und das ist Verhandlungssache.  Runge erwartet laut dpa-Berichten einen "fairen Preis", bis Mai sollen die Preisverhandlungen abgeschlossen sein. Falls keine Einigung erzielt wird, folgt ein Schiedsverfahren, das über den Preis entscheidet.

Die Neuregelungen sehen vor, dass Kassen nur für die Mittel mehr zahlen, die - laut G-BA auch tatsächlich mehr Nutzen bringen. Bislang war das anders. Die Pharmakonzerne konnten stets alleine über den Preis entscheiden, die Kassen hatten zu zahlen. Gerade Deutschland hat sich so zu einem Hochpreisland entwickelt - mit exorbitanten Steigerungen der Arzneimittelausgaben. 2007 gaben die gesetzlichen Krankenversicherungen noch 27,8 Milliarden Euro aus, zwei Jahre später schon 30,7 Milliarden. Das vom ehemaligen Gesundheitsminister Philipp Rösler eingeführte AMNOG hat diesem Trend ein Ende gesetzt. Die Krankenkassen erhoffen sich durch die neue Regelung sinkende Ausgaben.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenkassen , Arzneimittel , Arzneimittelausgaben , Pharma , AMNOG

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Zu dick, zu wenig Bewegung: Über Deutschlands Nachwuchs wird nicht viel Gutes berichtet. Eine Langzeit-Studie der TU München zeigt jetzt zumindest, dass sich die Sportlichkeit von Erstklässlern in den letzten zehn Jahren nicht verschlechtert hat. In einigen Bereichen sind die Kinder sogar besser geworden.
Zu viel Salz reduziert die Anzahl der Milchsäurebakterien im Darm. Dadurch können verschiedene Krankheiten entstehen. Das hat eine Studie eines internationalen Forscherteams gezeigt, die jetzt im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde.
Über die vorbeugende Wirkung von Vitamin D wird schon länger diskutiert. Eine Meta-Studie fand keinen Effekt bei Leiden wie Diabetes oder Krebs. Das Vitamin könnte aber Erkältungskrankheiten verhindern und Asthmatikern helfen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.