. Refluxkrankheit

PPI nur auf Rat des Arztes langfristig einnehmen

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) reduzieren die Bildung von Magensäure. Langfristig eingenommen werden sollten sie nur auf Rat des Arztes. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin.
Sodbrennen

Die gegen Sodbrennen eingesetzten PPI sollten nur auf ärztlichen Rat langfristig eingenommen werden

PPI gehören hierzulande zu den gängigsten Medikamenten. Die Verordnung hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdreifacht. Die Krankenkassen sehen das kritisch: „Dass immer mehr Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen, ist weder durch steigende Erkrankungsraten noch durch demografische Faktoren zu erklären“, sagt Barmer-Vorstandschef Christoph Straub.

Dazu kommt: In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte, als bislang bekannt. Dazu zählen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Veränderung der Darmflora. In einigen Studien nahm auch die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter zu. "Hier muss man jedoch betonen: Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich“, sagt DGVS-Pressesprecher Prof. Christian Trautwein aus Aachen.

Magenbeschwerden können auch ernährungsbedingt sein

Zu häufig aber würden Protonenpumpeninhibitoren auch bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei. Die unkritische Einnahme von PPIs bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden – etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit – werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken erhältlich sind.

Aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs kann schnell eine Dauereinnahme werden. Beim abrupten Absetzen eines PPI kann es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure kommen. Dann treten die Symptome, gegen die das Medikament eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf. „Dies führt nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben“, so Ebert.

 

PPI wichtig bei Reflux und als Magenschutz

Bei bestimmten Indikationen kommt man ohne PPI nicht aus. „Wirksam und wichtig sind sie zur Behandlung und Vorbeugung säureassoziierter Magenerkrankungen wie der Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit oder des Barrett-Ösophagus“, erklärt DGVS-Experte Prof Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik, Universitätsmedizin Mannheim.

„In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als ‚Magenschutz’, also als Vorsorge von Magenblutungen, ausgelöst durch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika, sinnvoll und wichtig“, so der Gastroenterologe.

PPI nur auf Rat des Arztes langfristig einnehmen

Empfehlung der DGVS: Protonenpumpeninhibitoren sollten langfristig – über mehr als zwei Monate – nur mit einer eindeutigen, gesicherten ärztlichen Diagnose, die eine PPI-Therapie unabdingbar erfordert, eingenommen werden.

Foto: Adiano/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sodbrennen
 

Weitere Nachrichten zum Thema PPI

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wie wir Dinge bewerten, hängt nicht nur von tatsächlichen Erlebnissen zusammen. Auch reine Vorstellungen können unsere Einstellung verändern. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften gezeigt.
Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass Impfungen das Risiko für Multiple Sklerose (MS) erhöhen. Forscher konnten nun in einer groß angelegten Studie diesen Verdacht entkräften. Es zeigte sich, dass sich Personen, die später eine MS entwickelten, in den Jahren zuvor sogar seltener impfen ließen.
Der plötzliche Herztod kann jeden treffen. Junge Sportler sind da keine Ausnahme. Meistens steckt eine unerkannte Herzerkrankung oder eine verschleppte Myokarditis dahinter.
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) | Gendarmenmarkt 5 | 10117 Berlin (Mitte)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.