Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

PPI nur auf Rat des Arztes langfristig einnehmen

Mittwoch, 25. Januar 2017 – Autor:
Protonenpumpeninhibitoren (PPI) reduzieren die Bildung von Magensäure. Langfristig eingenommen werden sollten sie nur auf Rat des Arztes. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin.
Sodbrennen

Die gegen Sodbrennen eingesetzten PPI sollten nur auf ärztlichen Rat langfristig eingenommen werden – Foto: Adiano - Fotolia

PPI gehören hierzulande zu den gängigsten Medikamenten. Die Verordnung hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdreifacht. Die Krankenkassen sehen das kritisch: „Dass immer mehr Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen, ist weder durch steigende Erkrankungsraten noch durch demografische Faktoren zu erklären“, sagt Barmer-Vorstandschef Christoph Straub.

Dazu kommt: In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte, als bislang bekannt. Dazu zählen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Veränderung der Darmflora. In einigen Studien nahm auch die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter zu. "Hier muss man jedoch betonen: Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich“, sagt DGVS-Pressesprecher Prof. Christian Trautwein aus Aachen.

Magenbeschwerden können auch ernährungsbedingt sein

Zu häufig aber würden Protonenpumpeninhibitoren auch bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei. Die unkritische Einnahme von PPIs bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden – etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit – werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken erhältlich sind.

Aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs kann schnell eine Dauereinnahme werden. Beim abrupten Absetzen eines PPI kann es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure kommen. Dann treten die Symptome, gegen die das Medikament eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf. „Dies führt nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben“, so Ebert.

 

PPI wichtig bei Reflux und als Magenschutz

Bei bestimmten Indikationen kommt man ohne PPI nicht aus. „Wirksam und wichtig sind sie zur Behandlung und Vorbeugung säureassoziierter Magenerkrankungen wie der Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit oder des Barrett-Ösophagus“, erklärt DGVS-Experte Prof Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik, Universitätsmedizin Mannheim.

„In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als ‚Magenschutz’, also als Vorsorge von Magenblutungen, ausgelöst durch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika, sinnvoll und wichtig“, so der Gastroenterologe.

PPI nur auf Rat des Arztes langfristig einnehmen

Empfehlung der DGVS: Protonenpumpeninhibitoren sollten langfristig – über mehr als zwei Monate – nur mit einer eindeutigen, gesicherten ärztlichen Diagnose, die eine PPI-Therapie unabdingbar erfordert, eingenommen werden.

Foto: Adiano/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sodbrennen
 

Weitere Nachrichten zum Thema PPI

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Erreger der durch Zecken übertragenen Lyma-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Zur Entdeckung trugen Mütter aus Lyme (Connecticut) bei - daher der Name –, deren Kinder gehäuft an Gelenksentzündungen litten.


 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin