. Aktionstag Männergesundheit 2017

Potenzstörungen und Sixpacks – das war’s?

Erektionsprobleme und Waschbrettbauch: Dies scheinen in der öffentlichen Wahrnehmung die einzigen gesundheitlichen Probleme zu sein, mit denen Männer sich auseinandersetzen müssen. Aber das Feld der männertypischen Erkrankungen reicht viel weiter. Und Männern fehlt etwas, was für Frauen schon im Alter von 20 Jahren Routine ist.
Mann hält Hände vor seine Genitalien

Tabuisiert: Männerkrankheiten werden verdrängt - von der Gesellschaft und den Männern selbst. Bei Prävention sind ihnen die Frauen weit voraus.

72 bis 92 Prozent aller deutschen Männer zwischen 20 und 70 Jahren halten sich für „gesund“ oder sogar „sehr gesund“. Eine „Fehleinschätzung“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit“ (DGMG) anlässlich des „Welt-Männertags“ am 3. November. Denn, so die Bilanz der DGMG: Zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr sterben alleine an einem plötzlichen Herztod dreimal so viele Männer wie Frauen. Ihre Lebenserwartung ist statistisch um sieben Jahre kürzer – und mit genetischer Veranlagung allein ist dies offenbar nicht hinreichend zu erklären.

„Körper wird als eine Art Werkzeug betrachtet“

Nach Expertenmeinung sterben Männer früher, weil sie ein anders Körpergefühl haben, riskanter leben – beruflich und privat – und auch, weil sie mehr Alkohol trinken. Der Körper werde von vielen eher als eine Art Werkzeug betrachtet, sagt etwa Theodor Klotz, Chefarzt für Urologie und Andrologie und Vorstand der Stiftung Männergesundheit. Und wenn es Probleme mit diesem „Werkzeug“ gibt, gehen Männer auch noch später als Frauen zum Arzt: nämlich erst dann, wenn Schmerzen das sind und der Arztbesuch unvermeidlich erscheint. Auch wenn Männer klischeehaft immer wieder als das „starke Geschlecht“ beschrieben, haben sie offensichtlich größere Angst vor Diagnosen. Und wollen unangenehme Untersuchungen (Beispiel: Prostata) lieber nicht über sich ergehen lassen. „Männerkrankheiten werden weitestgehend gesellschaftlich tabuisiert. Schließlich widersprechen sie dem männlichen (Selbst-)Bild von Stärke und unerschütterlichen Kräften“, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Dies führe „zu einer aktiven Verdrängung“.

 

Für Frauen sind präventive Arztbesuche früh Routine – für Männer nicht

Zum „Welt-Männertag“ am 3. November rufen Organisationen wie die wie die DGMG Männer deshalb dazu auf, die eigene gesundheitliche Verfassung und Gesundheitsrisiken realistisch einzuschätzen. Und vor allem: rechtzeitige Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Frauen wachsen schon kurz nach der Volljährigkeit in eine Kultur der Prävention hinein – Männer nicht. Für Frauen ist der regelmäßige Gang zum Frauenarzt schon in frühem Alter vertraut und Routine. Ab dem Alter von 20 haben sie einen gesetzlichen Anspruch auf Krebsvorsorgeuntersuchungen in der Frauenheilkunde. Bei Männern beginnt dieser Anspruch deutlich später, ab 35. Und er betrifft zunächst die Hautkrebsvorsorge oder den allgemeinen Gesundheits-Check. Erst ab der Altersgruppe 45 plus werden die wichtigen Vorsorgeuntersuchungen für Prostata und Darm relevant, darunter die Darmspiegelung.

Frauenärzte, Kinderärzte. Männerärzte?

Außerdem: Während Frauenärztinnen oder -ärzte in Deutschland flächendeckend präsent sind, herrscht bei „Männerärzten“ Fehlanzeige. Zwar existiert – als Pendant zur Gynäkologie – die Andrologie als Spezialgebiet der Medizin, das sich mit den Fortpflanzungsfunktionen und deren Störungen befasst. Aber den einen Universalarzt, an den man sich bei Problemen der Männergesundheit intuitiv erst einmal wenden mag, gibt es in dieser Form nicht. Dabei geht das Spektrum der Krankheiten, für die sich Männer interessieren und bei denen sie sich rechtzeitig Hilfe holen müssten, über die üblichen Themen Potenz und Sixpacks weit hinaus. Herzinfarkt, Prostata-Erkrankungen, Erektionsstörungen und Fettleibigkeit sind laut DGMG nur die vier häufigsten Gesundheitsprobleme des Mannes. Zugleich besteht für Männer offenbar ein beachtliches Defizit an geschlechtsspezifischen Gesundheitsinformationen.

Die häufigsten Todesursachen bei Männern:

  1. Herzinfarkt und Schlaganfall
  2. Krebs (Lunge, Darm, Prostata, Hoden, Magen, Leber)
  3. Erkrankungen der Atemwege
  4. Erkrankungen der Verdauungsorgane
  5. Suizid, Unfälle, Verletzungen

(Quelle: Mann-O-Meter e.V. Berlin) 

Die wichtigsten Präventions- und Gesundheitstipps für Männer:

  • eigene Grenzen akzeptieren
  • Arbeitsschutz beachten (Feinstaub, Asbest, Lösungsmittel)
  • mehr Obst und Gemüse (bioaktive Substanzen schützen vor Krebs, v.a. Darm
  • weniger Fett und Fleisch (eisenhaltig, fördert Bildung freier Radikale)
  • Übergewicht vermeiden (beeinflusst Insulin- und Sexualhormonspiegel negativ)
  • Alkohol ist kein Problemlöser (krebsfördernd)
  • nicht rauchen (krebserregend)
  • Selbstabtastung der Hoden
  • beim Motorradfahren Nierengurt tragen
  • ab 35 Jahren zur ärztlichen Vorsorge (Untersuchung von Prostata/Hoden/Blut/Urin)
  • ab 50: Früherkennung: Test auf unsichtbares Blut im Stuhl
  • ab 55: Darmspiegelung
  • Pillen gegen Erektionsprobleme vom Arzt – nie aus dem Internet
  • frühzeitig Rat und Unterstützung suchen (Arzt, Krankenkasse, Beratungsstellen)

Plattform für Beratungsangebote: www.das-beratungsnetz.de

(Quelle: Mann-O-Meter/Deutsche Krebshilfe/DGMG) 

Stichwort: „Welt-Männertag“

Den „Welt-Männertag“ als Aktionstag für Männergesundheit haben im Jahr 2000 Andrologen der Universität Wien ins Leben gerufen. Schirmherr ist der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow. Der Aktionstag ist nicht zu verwechseln mit dem sehr viel umfassender definierten „Internationalen Männertag“ am 19. November.

Foto: © Ocskay Mark - Fotolia.com 

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Männergesundheit

| Kaum einer weiß es, wenige Wissenschaftler erforschen es, Früherkennungsprogramme und Behandlungsstrategien fehlen: Dabei können auch Männer Brustkrebs bekommen. Erkrankte sind Einzelkämpfer – und erleben es als besondere psychische Belastung, von einer „Frauenkrankheit“ betroffen zu sein.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Depressionen äussern sich bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Weise. Bis vor kurzem wurden die spezifischen Probleme von männlichen Depressions-Patienten von der Forschung kaum beachtet.
 
. Weitere Nachrichten
Wer akute Zahnschmerzen hat, braucht auch in Corona-Zeiten einen Zahnarzt. Doch was ist beispielsweise mit Vorsorgeuntersuchungen? Selbst die Zahnärzte sind sich uneins, wie sie mit der Krise umgehen und wen sie noch behandeln sollen.
Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen haben Angst, sich mit Corona zu infizieren. Angehörige dürfen ihre Pflegebedürftigen nicht mehr besuchen. Bei Covid-19 Erkrankungen in einem Pflegeheim müssen betroffene Pflegebedürftige von den übrigen Bewohnern isoliert werden. Über die Situation in der stationären und ambulanten Pflege sprach Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.