Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Podologie darf jetzt auch bei Neuropathien verordnet werden

Freitag, 10. Juli 2020 – Autor:
Ärzte dürfen Podologie (medizinische Fußpflege) jetzt auch bei Kassen-Patienten mit Neuropathien oder Querschnittssyndrom verordnen. Bislang hatten nur Patienten mit diabetischem Fuß darauf Anspruch.
Podologie, medizinische Fußpflege, Fußpflege

Auch Patienten mit Neuropathien und Querschnittssyndrom haben jetzt Anspruch auf eine podologische Behandlung – Foto: ©YURII MASLAK - stock.adobe.com

Podologie umfasst die Behandlung von Schädigungen der Haut und der Zehennägel bei nachweisbaren Gefühlsstörungen der Füße mit oder ohne Durchblutungsstörungen. Die Therapie kommt in Betracht,wenn ohne die Behandlung unumkehrbare Folgeschädigungen der Füße zu erwarten sind, wie sie durch Entzündungen und Wundheilungsstörungen entstehen können.

Ärzte durften die medizinische Fußpflege bisher nur bei Schädigungen infolge eines diabetischen Fußsyndroms zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Seit Juli haben auch Patienten mit Neuropathien und einem Querschnittssyndrom darauf Anspruch. Das meldet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Krankhafte Schädigung am Fuß

Das Fußsyndrom bei Neuropathien ist eine krankhafte Schädigung am Fuß als Folge einer sensiblen oder sensomotorischen Neuropathie, zum Beispiel aufgrund einer hereditär sensiblen und autonomen Neuropathie, systemischen Autoimmunerkrankungen, Kollagenosen oder toxischer Neuropathie

Eine krankhafte Schädigung am Fuß kann auch als Folge eines Querschnittsyndroms auftreten, zum Beispiel bei Syringomyelie, traumatisch bedingten Schädigungen des Rückenmarks, Spina bifida oder chronischer Myelitis.

 

Bestimmte klinische Befunde müssen vorliegen

Es gibt bestimmte Voraussetzungen für die Verordnung. Bei den zwei neuen Diagnosegruppen muss einer der folgenden klinischen Befunde vorliegen: Hauttrockenheit (An-/Hypohidrose), Veränderung des Haarwachstums (An-/Hypotrichose), Verfärbungen der Haut oder Ulzerationen (Geschwüre) an den unteren Extremitäten.

Podologie darf nur bei Schädigungen am Fuß verordnet werden, die keinen Hautdefekt aufweisen - dies entspricht Wagner-Stadium 0. Bei eingewachsenen Zehennägeln darf Podologie nur in Stadium 1 verordnet werden, um ein weiteres Fortschreiten der Entzündung zu vermeiden. Dies ist auch dann möglich, wenn an anderer Stelle am selben Fuß ein Hautdefekt oder eine Entzündung entsprechend Wagner-Stadium 1 bis 5 besteht.

Podologie darf  jetzt auch bei Neuropathien verordnet werden

Die Podologie, die jetzt auch bei Neuropathien und einem Querschnittssyndrom verordnet werden darf, umfasst zwei Maßnahmen: Die Abtragung der verdickten Hornhaut dient der Vermeidung von drohenden Hautschädigungen wie Fissuren, Ulzera und Entzündungen durch spezifische Techniken der Schälung und des Schleifens der Haut unter Schonung der Keimschicht.

Die Nagelbearbeitung dient der verletzungsfreien Beseitigung abnormer Nagelbildungen zur Vermeidung von drohenden Schäden an Nagelbett und Nagelwall durch spezifische Techniken wie Schneiden, Schleifen und/oder Fräsen.

Foto: Adobe Stock/Yurii Maslak

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chronische Wunden , Krankenkassen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Neuropathie

22.01.2018

Im Rahmen einer Chemotherapie treten bei den Patienten häufig Neuropathien an Händen und Füßen auf. Nicht selten bleiben diese noch Jahre nach der Behandlung bestehen und können sogar zu einem erhöhten Sturzrisiko führen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Ist die Infektion abgeklungen, ist Covid-19 für viele Patienten keineswegs vorbei – es geht nur anders weiter. Die AOK hat ein neues Beratungsportal geschaltet: damit Long-Covid-Patienten diese neue Krankheit besser verstehen und leichter mit ihr umgehen können.

 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin