. Kopf- und Halstumore

Plattenepithelkarzinom an Kopf und Hals: Pembrolizumab kann Überleben verlängern

Beim Plattenepithelkarzinom in der Kopf-Hals-Region waren die Therapieoptionen im fortgeschrittenen Stadium bislang sehr begrenzt. Pembrolizumab könnte das Überleben von Patienten verlängern. Das ist das Ergebnis einer Nutzenbewertung durch das IQWiG.
Plattenepithelkarzinom, Kopf-Hals-Tumore

Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich sind meist nur bei frühzeitiger Diagnose gut zu behandeln

Plattenepithelkarzinome sind Tumoren, die hauptsächlich von der Haut oder den Schleimhäuten ausgehen. Betroffen sind daher häufig Regionen wie Mundhöhle, Rachen, Stimmlippen, Speiseröhre, Vagina, Gebärmutterhals und Analregion. Allerdings können Plattenepithelkarzinome auch an anderen Stellen auftreten, z. B. in der Lunge. Das Plattenepithelkarzinom ist der zweithäufigste bösartige Hauttumor.

Für Patienten mit Tumoren in der Kopf-Hals-Region, also im Mund, Rachen oder Kehlkopf, waren die Therapieoptionen im fortgeschrittenen Stadium bislang sehr begrenzt: Treten während oder nach einer Chemotherapie Rezidive oder Metastasen auf, ist nicht mehr von einer möglichen Heilung auszugehen. Dennoch könnte die verbleibende Lebenszeit verlängert werden und das unter möglichst guten Lebensbedingungen. In einer frühen Nutzenbewertung hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun untersucht, ob der monoklonale Antikörper Pembrolizumab dazu beitragen kann.

Anhaltspunkte für Zusatznutzen

Das Institut ging der Frage nach, ob Pembrolizumab bei fortschreitendem Plattenepithelkarzinom einen Zusatznutzen gegenüber einer patientenindividuellen Therapie nach Wahl des Arztes bietet. Untersucht wurde dies an Patienten mit PD-L1 exprimierenden Tumoren. Das Ergebnis: Das IQWiG konnte zwar einen Zusatznutzen feststellen, der jedoch aufgrund der geringen Anzahl an zulassungskonform behandelten Studienteilnehmern nicht quantifizierbar ist.

Der Hersteller hatte Daten aus einer Studie vorgelegt, in der Pembrolizumab mit drei Medikamenten verglichen wurde: Methotrexat, Cetuximab und Docetaxel. Von den 129 Studienteilnehmern mit PD-L1 exprimierenden Tumoren waren viele für den Vergleich mit Cetuximab und Docetaxel vorgesehen, die aber in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen sind. Somit entsprach nur die Behandlung von 37 Studienteilnehmern der Fragestellung dieser Dossierbewertung. In einer so kleinen Teilpopulation können nur sehr große Effekte statistische Signifikanz erreichen, so das IQWiG.

 

Patienten überlebten unter Pembrolizumab länger

In der größeren Teilpopulation von 129 Personen, von denen viele im Vergleichsarm mit einem der in Deutschland dafür nicht zugelassenen Medikamente behandelt wurden, waren die Vorteile von Pembrolizumab beim Gesamtüberleben dagegen statistisch signifikant. Insgesamt waren die Effekte in der relevanten kleineren und der größeren Teilpopulation fast gleich groß. In beiden Fällen überlebten die Patienten unter Pembrolizumab im Durchschnitt mehrere Monate länger als unter den anderen Wirkstoffen. Insgesamt sieht das IQWiG damit einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird nun ein Stellungnahmeverfahren durchführen und in einem abschließenden Beschluss das Ausmaß des Zusatznutzens bestimmen.

Foto: © Andrey Popov - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nutzenbewertung , IQWiG , Krebs , Chemotherapie , Hautkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kopf-Hals-Tumoren

| Rauchen, Alkohol und HPV gelten als die Risikofaktoren für Kopf-Hals-Tumore. Manche Menschen bringen aber eine genetische Veranlagung mit, die sogar noch schwerer wiegen soll, wie Wissenschaftler jetzt an HLA-Genen zeigen konnten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mehr Wald, weniger Fleisch – mit dieser Kombination könnte die Erderwärmung begrenzt werden. Eine neue Studie zum Klimaschutz zeigt, dass unser Lebensmittelsystem komplett umgestellt werden müsste, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.
Seit dem 1. Oktober 2019 können psychotherapeutische Behandlungen auch per Videosprechstunde erbracht und abgerechnet werden. Damit soll betroffenen Patienten der Zugang zur Psychotherapie erleichtert werden. Auch für Ärzte wurden die Möglichkeiten der Videobehandlung erweitert.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Restaurant „Altes Zollhaus“, Carl-Herz-Ufer 30, 10961 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.