Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Placebo verstärkt Effekt der Psychotherapie bei Depressionen

Donnerstag, 21. Januar 2021 – Autor:
Ein Placebo verstärkt die Effekte der Psychotherapie bei Patienten mit Depression. Das zeigte eine Studie der Universität Graz. Die Patienten konnten sich besser entspannen, die Depression ging zurück.
Naturheilkunde, Aromaöl, Pflanzenextrakt

Bei dem Rosenwurz-Extrakt, den die Patienten erhielten, handelte es sich um Sonnenblumenöl – Foto: ©cynoclub - stock.adobe.com

Im Rahmen einer Verhaltenstherapie kann Patienten mit Depressionen empfohlen werden, zu Hause täglich bestimmte Entspannungsübungen zu praktizieren, Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Imaginationsübungen.

Das soll ihnen gut tun - und fällt den Betroffenen dennoch nicht selten schwer. Ein als Naturheilmittel vorgestelltes Placebo verbesserte ihre Motivation und ihr Befinden. Das zeigt eine Studie von Psychologinnen der Universität Graz.

Psychoedukation ohne oder mit „Rosenwurz“

Am vierwöchigen Studienprogramm nahmen 126 Patienten teil, bei denen milde bis moderate Depressionen diagnostiziert wurden. Sie waren im Schnitt 47 Jahre alt, 83 Prozent waren Frauen. Die eine Gruppe nahm einmal in der Woche an einem Psychoedukationsabend über den "Umgang mit Depressionen" teil, die andere Gruppe nahm an den Aufklärungsabend teil und erhielt zusätzlich täglich das Placebo.

Das Placebo wurde als Rosenwurz eingeführt, ein bekanntes Naturheilmittel, das die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit in Stressphasen verbessern soll. Den Patienten wurde gesagt, das Mittel solle ihnen helfen, sich auf ihre inneren Stärken zu konzentrieren und die natürlichen Heilkräfte ihres Körpers zu mobilisieren. Und es habe sich bereits in klinischen Studien bewährt. In Wirklichkeit erhielten sie Sonnenblumenöl.

 

Placebo verstärkt Effekte der Psychotherapie bei Depressionen

Sie nahmen drei Tropfen des Placebos zehn Minuten vor der täglichen Entspannungsübung ein. Ergebnis: Das Placebo verbesserte die Quantität und Qualität der Übungen. Die Placebogruppe übte häufiger und zeigte größere Entspannungseffekte als die Gruppe ohne Placebo. Zusätzlich zeigte die Placebogruppe eine stärkere Reduktion der Depressionssymptome.

Fazit der Forscher: Das Placebo könnte die Effekte einer Psychotherapie bei Patienten mit Depression verstärken. Es initiiert eine Verhaltensänderung und führt zu einer positiven Aktivität. Die Untersuchung wurde im Journal of Affective Disorders veröffentlicht.

Foto: Adobe Stock/cynoclub

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Entspannungstechniken , Depression , Verhaltenstherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depression

29.11.2020

Eine positive Erwartung erweitert normalerweise die Pupillen leicht. Bei akut Depressiven ist diese natürlich Reaktion wesentlich geringer ausgeprägt, wie Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in einer Studie zeigen konnten. Der Fund könnte Antriebsstörungen bei Depressionen zumindest teilweise erklären, so die Forscher.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, dass auch Mitteleuropa verwundbar ist. Wie real ist die Gefahr durch militärisch oder terroristisch missbrauchte Krankheitserreger? Und wer könnte sie einsetzen? Der Chef-Virologe der Bundeswehr zeichnet im Interview mit uns ein Lagebild.


 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin