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Pilzvergiftung trotz App: Verwechslung kann tödlich sein

Krankenhäuser berichten von einer drastischen Zunahme von Pilzvergiftungen. Dabei haben viele Betroffene die Pilze zuvor mit einer App bestimmt. Wie kann das sein?
Trotz Apps zur Pilzbestimmung kommt es immer häufiger zu Pilzvergiftungen

Essbar oder giftig? Trotz Apps zur Pilzbestimmung kommt es immer häufiger zu Pilzvergiftungen

Eine Pilzvergiftung ist ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis. In Regensburg kam es jetzt zu einem Fall von schwerem Leberversagen. Das Universitätsklinikum kann diesen Patienten allenfalls noch mit einer Lebertransplantation retten. Es ist aber nicht der einzige schwere Fall in Folge einer verhängnisvollen Pilzmahlzeit: Auf der Intensivstation des Klinikums werden augenblicklich außergewöhnliche viele Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt. „Insgesamt verzeichnen wir eine stetige Zunahme von Pilzvergiftungen über die letzten Jahre“, berichtet Dr. Stephan Schmid, Ärztlicher Leiter der Intensivstation.

Apps schützen offenbar nicht ausreichend vor Verwechslung

Vor allem Migranten seien betroffen – obwohl auch sie Apps zur Pilzbestimmung nutzten. Offenbar können die Apps aber die Unkenntnis von vielen Pilzesammlern nicht kompensieren. „Viele unserer Patienten haben ihre gesammelten Pilze durch eine App bestimmt, konnten dadurch aber dennoch nicht alle giftigen Sorten identifizieren“, so Dr. Schmid. Außerdem seien viele essbare Pilze im Mittleren und Fernen Osten unseren heimischen Giftpilzen sehr ähnlich. Dadurch seien Touristen und Migranten überdurchschnittlich häufig von Pilzvergiftungen betroffen.

 

Jede Pilzvergiftung ist ein Notfall

Pilzvergiftungen sind immer ein Notfall. Die Symptome sind unspezifisch und reichen von Schwindel, Schweißausbruch, Bauchschmerzen und Übelkeit bis hin zu Erbrechen oder einer Herz-Kreislauf-Schwäche. „Auch wenn die ersten Symptome mit der Zeit vielleicht wieder schwächer werden, das Gift wirkt weiter und kann zu schwerem Nieren- und Leberversagen führen“, warnt Professor Martina Müller-Schilling, Chefärztin für Innere Medizin am Uniklinikum Regensburg. Darum sollte schon beim geringsten Unwohlsein nach dem Verzehr von Pilzen unbedingt ärztliche Hilfe gesucht oder der Giftnotruf alarmiert werden, meint die Ärztin. Nur wenn sofort notfallmedizinisch gehandelt wird, können bleibende Schäden vermieden werden.

Knollenblätterpilz sieht aus wie ein Champignon

Besonders häufig und schwerwiegend sind Vergiftungen mit dem Knollenblätterpilz, der dem essbaren Wiesenchampignon ziemlich ähnlich sieht. Knollenblätterpilze enthalten die Gifte Amatoxine und Phallotoxine. Bereits der Verzehr eines einzigen Pilzes kann zum Tod durch Leberversagen führen.

Berliner können bei Verdacht auf Pilzvergiftung den Giftnotruf 030 19240 der Charité anrufen. Der Notruf ist rund um die Uhr erreichbar.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha , Berlin
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