. Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen „ARMIN"

Pilotprojekt gegen unerwünschte Wechselwirkungen von Pillen-Cocktails

Multimorbide Patienten schlucken bis zu 30 verschiedene Pillen täglich. Um die Patienten vor unerwünschten Wechselwirkungen zu schützen, starten Sachsen und Thüringen am 1. April eine neuartige Arzneimittelinitiative.
Arzneimittelinitiative „ARMIN“ will die Arzneimittelsicherheit erhöhen

Arzneimittelinitiative „ARMIN“ will die Arzneimittelsicherheit erhöhen

ARMIN heißt ein neues Modellvorhaben von Apothekerverbänden, den Kassenärztlichen Vereinigungen und der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen. Mit dem Modellvorhaben soll eine sichere und korrekte Einnahme von Medikamenten gefördert und die Therapietreue von chronisch kranken Patienten verbessert werden. Die beiden Freistaaten verzeichnen bundesweit den höchsten Anteil multimorbider Patienten, die dauerhaft mehr als fünf Arzneimittel benötigen. Nach einer Mitteilung der fünf Vertragspartner ist das Modellvorhaben auf fünf Jahre angelegt und basiert auf drei Modulen: Der Wirkstoffverordnung, einem Medikationskatalog und einem Medikationsmanagement.

Die AOK PLUS erhofft sich Kostenersparnisse

Bei der Wirkstoffverordnung geht es darum, dass Patienten vom Arzt künftig ein Wirkstoff statt eines Fertigarzneimittels verordnet wird. Dazu seien knapp 200 Arzneistoffe nach fachlicher Bewertung ausgewählt worden, die eine wesentliche Relevanz in der hausärztlichen Versorgung haben und hinsichtlich der Substitution als unkritisch eingeschätzt wurden, teilte ein Sprecher mit. Hierfür sei ein neues qualitätsgesichertes Verfahren für die Verordnung dieser Wirkstoffe entwickelt worden, das dem Arzt automatisch die Wirkstoffgruppe vorgibt. Anhand des rezeptierten Wirkstoffes könne der Apotheker anschließend das passende Präparat aussuchen. Die Vertragspartner versprechen sich davon auch Kostenersparnisse.

Extra Vergütung für die Patientenberatung

Gleichzeitig werde den Ärzten für bestimmte Krankheiten Therapieempfehlungen in einem Medikationskatalog zur Verfügung gestellt, hieß es. Das solle ihm helfen, die optimalen Wirkstoffe auszuwählen. In einer weiteren Stufe werde für den Patienten ein aktueller und vollständiger Medikationsplan erstellt. Darüber hinaus soll die Patientenberatung durch Arzt und Apotheker ein zentraler Baustein der Arzneimittelinitiative sein. Eine zusätzliche Vergütung die Beratung sowie für das zeitaufwändige Medikationsmanagement sei vorgesehen.

„Insbesondere für chronisch kranke Patienten, die mehr als fünf Medikamente einnehmen müssen, erhöht sich durch „ARMIN" die Therapiesicherheit und das Risiko von Einnahmefehlern wird vermindert“, sagte ein Sprecher der AOK Plus. Das Projekt habe zudem auch die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Ziel sei es, durch die konsequentere Abgabe von Rabattarzneimitteln die Ausgaben zu senken und Folgekosten durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu reduzieren.

Foto: © JPC-PROD - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Wechselwirkungen , Arzneimittelausgaben , Arzneimittelrabattverträge

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Wie kann man die Überlebenschancen bei Bauchfellkrebs verbessern? Die Expertin Professor Beate Rau, Leiterin des Peritonealkarzinosezentrums der Charité, berichtet über eine neue Kombinationstherapie gegen Bauchfellkrebs und wie Patienten davon profitieren können.
. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.