. Heilmittelreport

Physiotherapie in Berlin am häufigsten verschrieben

In Deutschland sind die Ausgaben für Heilmittel massiv gestiegen. Das geht aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2016 der Barmer GEK hervor. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. So wurde Physiotherapie in Berlin am häufigsten verordnet.
Physiotherapie

Berlinern wird am häufigsten Physiotherapie verordnet

Die Ausgaben für Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Podologie haben sich bei der Barmer GEK  binnen zwei Jahren um 15 Prozent auf 822 Millionen Euro im Jahr 2015 erhöht. Die Kosten wichen je nach Landstrich um mehr als 200 Prozent voneinander ab.

Die Heilmittel-Ausgaben je Barmer GEK-Versicherten waren in Bremen am niedrigsten und in Berlin mit am höchsten. In der Logopädie waren es in Bremen 5,76 Euro versus 10,01 Euro in Berlin. In der Ergotherapie reichten die Kosten je Versicherten von 7,06 Euro in Bremen über 15,45 Euro in Hamburg bis zu Berlin mit 15,33 Euro.

Physiotherapie in Berlin am häufigsten verschrieben

Während an der Weser in der Physiotherapie 46,45 Euro anfielen, kam die Bundeshauptstadt auf 83,77 Euro. Auf die Podologie entfielen in der Weserstadt 0,78 Euro und in Sachsen mit 2,40 Euro gut dreimal mehr.

„Ärzte müssen das verordnen, was medizinisch erforderlich und wirtschaftlich ist. Dass die Ausgaben pro Patienten in einigen Regionen doppelt so hoch sind wie in anderen, zeigt, dass die Verordnung regional unterschiedlichen Kriterien folgt. Das ist weder im Sinne einer evidenzbasierten Medizin, noch für die Versicherten akzeptabel. Man kann sagen, dass die Bremer quasi den großzügigen Heilmittel-Einsatz der Berliner finanzieren“, sagt Report-Autor Prof. Daniel Grandt von der Universität Saarbrücken.

„Es wäre zu begrüßen, wenn die kassenärztlichen Vereinigungen sich darüber austauschten, wodurch der regional so unterschiedliche Einsatz von Heilmitteln zustande kommt und wie eine medizinisch sinnvolle und wirtschaftliche Verordnung bundesweit erreicht werden könnte. In Bremen gelingt das offensichtlich besonders gut“, so Grandt.

Barmer GEK kritisiert geplantes Heilmittelgesetz

Viele wissenschaftliche Leitlinien thematisieren den gezielten Gebrauch von Heilmitteln nicht. Der medizinische Nutzen ist nicht immer klar. Es wäre ein erster Schritt, die Leitlinien zu konkretisieren, fordert Dr. Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer GEK. Das sei besonders wichtig im Hinblick auf das geplante Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG).

Danach sollen Ärzte Blanko-Verordnungen ausstellen und Heilmittel-Therapeuten damit selbst entscheiden können, mit welchem Heilmittel sie die Patienten in welchem Umfang behandeln. "Wenn der Therapeut die Leistung und damit die Höhe seines Lohns selbst festlegen kann, dann bedarf es keiner Glaskugel, um eine weitere Ausgabenentwicklung in diesem Bereich vorherzusagen. Über Blanko-Rezepte werden die Patienten aber nicht automatisch qualitativ besser versorgt. Das gilt zumindest, solange es offensichtlich sehr unterschiedliche regionale Kriterien zum Heilmittel-Einsatz gibt", so Straub.

Experte plädiert für Budgetierung der Heilmittelausgaben

Grandt plädiert für eine Budgetierung der Heilmittelausgaben. Sonst bestehe die Gefahr, dass insbesondere dort die Heilmittelanwendungen häufiger würden, wo es viele Therapeuten gebe. Während laut Heilmittelreport etwa in Nordrhein-Westfalen ein Physiotherapeut auf 2.137 Barmer GEK-Versicherte kommt, ist das Verhältnis in Brandenburg einer zu 806. "Es gibt keinen Grund, warum einige Regionen mehr als doppelt so viele Physiotherapeuten brauchen sollten als andere", so Grandt.

Foto: zinkevych/fotolia.com

Autor: bab
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